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sagen:graessesachsen806

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-====== Der Pan Dietrich oder der wilde Jäger in der Lausitz ======+====== Das Holzweibchen in der Lausitz (Grässe) ======
  
-    Preusker Bd. III. S. 167. 177.  +    Gräve S. 56 sq.  
-    Gräve S. 54 sq.  +    Preusker, Blicke in die vaterländische VorzeitLpz1845. Bd. I. S. 52 sq.  
-    Köhler im LausitzMagaz1839. S. 127. 237.  +    SeidemannGeschvEschdorf S. 50. sq.
-    SchneiderBegräbnißplätze in ZilmsdorfGörlitz 1837. II. S. 23 sq.+
  
-Der von den Deutschen zu den [[volk:sorben|Wenden]] gekommene [[vip:pandietrich|Dietrich von Bern]] zieht zu jeder Zeit nach Sonnenuntergang mit einer großen lärmenden Hundemeute unter SchießenHeulenGebellPfeifenPferdegewieher und Peitschenknall in der höhern Luftregion als Jäger umher. Er sitzt bald mit, bald ohne Kopf zu Pferdeund Niemand hat an sich von ihm etwas Uebels zu befürchten. Wer ihn aber neckt oder nachschreit, dem wirft er ein Stück Fleisch von gefallenem Vieh zu, was man ohne Hilfe des Scharfrichters zeitlebens nicht wieder los wird.+Sowohl die böse Frau als das [[wesen:Holzweibchen]] hat eine große Aehnlichkeit mit der uns schon bekannten [[wesen:Mittagsfrau]]. In der Zittauer Gegend bei [[geo:Hainewalde]], [[geo:Dittersbacheigen|Dittersbach]], [[geo:Großschönau]][[geo:obercunnersdorf|Cunnersdorf]][[geo:Oderwitz]] erblickt man es oftwie es in der Gestalt einer kleinen zusammengeschrumpften alten Frau mit runzlichem Gesichteeine Hocke Holz in einem Korbe auf dem Rücken oder Reißholz in der Schürze tragend auf einen Stock gestützt einher wandeltoder an Kreuzwegen spinnend oder strickend im Busche sitzt
  
-Bei [[geo:bautzen|Budissin]] in der Gegend des sogenannten Götterberges zieht der Pan Dietrich über den [[region:Czorneboh]], man sieht ihn auch am Hochwaldebei [[geo:Rammenau]] in der Nähe von [[geo:bischofswerda|Bischoffswerda]] und im Raschützwaldewo er über das sogenannte (muthmaßlich im 30jährigen Kriege eingegangene) wüste Dorf mit Windsausen, Schießen, Hundegebell und Menschengeschrei hinzieht.+Wer es häßlich nennt oder gar verspottet, den haucht es an, wovon er Beulen und Geschwüre im Gesichte bekommt, oder [[wesen:aufhucker|hockt]] ihm, wenn er sich entfernt hat, aufwovon er lahm wird. Wer es aber lobt oder ihm gar Geschenke reicht, dem vergilt es solche wiederum, schenkt ihm Gespinste oder Strickwaaren, welche sich wunderbar vermehren und Glück und Segen ins Haus bringen. Zuweilen sieht man auch ein verwimmertes Männchen Holz aus dem Rücken tragen, und wenn es die Holzhauer unterstützen wollen, ertönt ein schallendes Gelächter und die Armen versinken im Sumpfe. Diesem schlägt die Axt vom Helmjenem zerspringt das Sägeblatt etc.
  
-Wenn man von dem ohngefähr 1½ Stunde von [[geo:bautzen|Budissin]] gelegenen Dorfe [[geo:mönchswalde|Mönnichswalde]] den Fußsteig nach dem Marktflecken [[geo:Wilthen]] hinwandeltgewahrt man rechter Hand einen mittelmäßig hohen mit Nadelholz bewachsenen Bergder [[vip:pandietrich|Pan Dietrich]] (dh. Herr Dietrich) genannt wird und von welchem man sich Folgendes erzählt. Es hat nämlich in den Zeiten des Faustrechts ein wilder unbändiger [[typ:Raubritter]]Namens Dietrich daselbst seine Burg gehabtder die ganze Gegend umher weit und breit in Furcht und Schrecken setztenach vollbrachten Wegelagerungen an Sonn- und Festtagen der Jagd oblagmit seinen wilden Gesellen schlemmte und zechtesich weder um Gott noch Menschen bekümmerte und so Tag für Tag sein rohes ungebundenes Leben fortführte+Einst hütete eine Kuhhirtin am Buschrande das Vieh und spannda bittet ein Buschweibchen sie zu kämmenwofür sie ihr auch eine Spille vollspinnen wolleBeides geschiedAls nun des Abends die Hirtin das Garn abweist und ein Strähnein zweiterein dritter geweift und noch mehr vorhanden istruft sie aus: „den Donnerdas hat auch gar kein Ende!“ und siehe dadie Unverständige hatte ihren Lohn weg denn das Garn ging bald auf
  
-Im Leben ging ihm Alles nach Wunsch und Willenallein nach dem Tode folgte die [[typ:Strafe]], indem er mit seinen Kumpanen im Früh- und Spätjahre als scheußliche Spukgestalt bald mitbald [[typ:ohnekopf|ohne Kopf]] unter Begleitung von Hunden und andern wilden Thieren unter tobendem LärmHeulenPfeifen, Pferdegewieher und Peitschenknall aus seiner verfallenen Burgvon welcher jetzt nur noch in der Runde zusammengeworfene Steinedenen man keine Bearbeitung ansiehtzeugen, auszieht, im Kreise einige Meilen herumfegt, und sich dann wiederum dahin zurückbegiebt und durch sein Erscheinen Krieg, [[typ:Pest]], Sterben, Mißwachs und andere Unglücksfälle verkündet. Dem Zuge, welchen der Tod auf einer [[typ:Eule]] reitend beschließt, schreitet der fromme [[vip:bonifatius|Bonifacius]], der ihn oft vergeblich ermahnte, von seinem rohen wüsten Leben abzustehenvoran.+Ueberhaupt durfte man bei solchen öfters als Geschenk von ihnen gewährten Knäulen nicht das Ende aufsuchenweil es dann bald zu finden war während der Knaul, ohne daß darnach geforscht wurde, fortwährend aushielt. Ein gleicher Dienst wurde von einem andern Buschweibchen durch eine Schürze voll Laub belohntdoch als die Hirtin dieses als unnütz weggeworfen hat, und nach Hause gekommenan ihrer Schürze noch ein Goldstück bemerktsieht sie einwas sie wegwarfkonnte aber das Weggeworfene nicht wiederfinden
  
-Daß er sich zuweilen auf dem Löbauer Berge sehen läßt, wissen wir, ([[sagen:793_der_wilde_jaeger_bei_loebau|s. Nr. 793]]), allein in einem Holze, unweit Teuplitz bei Muskau, hat der Baron von Reibnitz noch im Jahre 1799 mit seinem Jäger Stäglich den dort sehr bekannten Nachtjäger verfolgt, und ohne etwas zu sehenRoßtritteHundegebell, Hüfthörner und eine förmliche Jagdhetze kaum 40 Schritte vor sich bemerkt, ja 1827 hat dieselbe [[typ:wildejagd|wilde Jagd]] ein dasiger Teichwärter ebenfalls vernommen.+Ein am Forste bei [[geo:Spitzkunnersdorf]] pflügender Bauer sieht einst die Buschweibchen eifrig mit Anstalten zum Kuchenbacken beschäftigt, und bittet endlich, ihm auch einen solchen zu backensie versprachen es, und er fand den Morgen darauf einen schönen Kuchen auf einem Ackerraine
  
-In einer andern Gegend der Lausitz wird der [[typ:wilderjäger|wilde Jäger]] auch der Schömbrich genannt, wahrscheinlich im verdorbenen Volksdialect von einem bösen Gutsbesitzer aus dem Geschlechte derer [[familie:vonschönberg|von Schönberg]], gerade wie man unter demselben auch einen andern berüchtigten [[typ:Raubritter]] der Vorzeit, den sogenannten eisernen Polenz((Großer, LausitzMerkw. Th. III. S. 95erzählter sei 1509 Besitzer von [[geo:Senftenberg]] gewesen.)) versteht. +//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]][[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 2SchönfeldDresden 1874Seite 201-202//
  
-Andere denken sich unter ihm den einstigen Besitzer einer Burg auf dem Hutberge bei Schönau, Bernhard von Biberstein((S. Preusker, Blicke in die vaterl. Vorzeit Bd. I. S. 141.)) (1228), den angeblichen Gründer von [[geo:bernstadteigen|Bernstadt]], der durch sein wüstes Leben sowohl seinen Unterthanen als überhaupt der ganzen Umgegend großen Schaden zufügte, und nach einem von ihm getragenen blauen Hute (mit diesem soll er wie seine Burg auf einem frühern Altergemälde der Schönauer Kirche dargestellt gewesen sein) vom Volke Blauhütchen genannt wird. Die von ihm zusammengebrachten Schätze mögen wohl die [[typ:Braupfanne]] voll Gold bilden, welche angeblich im Hutberge begraben liegen soll.+---- 
 +{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 oberlausitz grossschönau hainewalde dittersbacheigen obercunnersdorf spitzkunnersdorf oderwitz holzweibchen bauer kuchen spindel garn schürze laub lohn gold aufhucker hirte v2}}
  
-Nach einer andern Lausitzer Sage((S. Wolf, Zeitschr. f. Deutsche Myth. Bd. III. S. 112. fg.)) wäre der [[vip:pandietrich|Pan Dietrich]] ursprünglich ein frommer Herr gewesen, der einst in der [[typ:Kirche]] lachte, weil er bemerkte, daß der [[typ:Teufel]] hinter dem [[typ:altar|Altare]] die Namen der Schläfer auf einer Kuhhaut aufschrieb, sich aber an die Wand stieß und einen Zahn ausbrach, als er die zum Aufschreiben nicht ausreichende Kuhhaut mit den Zähnen mehr auseinander zu dehnen suchte. Durch dies Lachen war es um seine Frömmigkeit geschehen, denn die Sonnenstäubchen, an welchen er sonst seinen Rock aufgehängt hatte, leisteten jetzt diesen Dienst nicht mehr. Aus Verdruß steckte er Brodrinde in den [[typ:Stiefel]] und trat mithin Gottes Gabe mit den Füßen. Bald darauf entführte ihn ein Teufelspferd und auf diesem durchstreicht er noch bis jetzt zum Schrecken der Menschen die Luft.  
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-//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 203; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Graesse_Sagenschatz_Sachsens_II_203.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
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-{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 preusker oberlausitz löbau pandietrich vonschönberg wilderjäger bautzen mönchswalde rammenau bonifatius teufel eule wildejagd schatz braupfanne gold fluch strafe raubritter Czorneboh}} 
  
  
sagen/graessesachsen806.1681584694.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)