Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:graessesachsen696

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:graessesachsen696 [2023/04/24 21:57] ewuschsagen:graessesachsen696 [2025/01/30 17:52] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 1: Zeile 1:
 [[sagen:graessesachsen695|<<< zurück]] |  [[sagen:graessesachsen695|<<< zurück]] | 
-[[capitel:graessesachsen2|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 2]] | +**[[capitel:graessesachsen2|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 2]]** 
 [[sagen:graessesachsen697| weiter >>>]] [[sagen:graessesachsen697| weiter >>>]]
  
Zeile 7: Zeile 7:
     Nach mündlicher Ueberlieferung bearbeitet von Julius Schanz.     Nach mündlicher Ueberlieferung bearbeitet von Julius Schanz.
  
-In [[geo:neundorfplauen|Neuendorf]] saß einst ein stolzer und grimmiger Herr, dessen Lust war es, die Bauern zu knechten und ihr Besitzthum an sich zu reißen. Nun lebte zu selbiger Zeit ein [[typ:Bauer]] in Neuendorf, Namens Kilian, der war stets froh und guter Dinge, denn er hatte ein schönes Stück Feld und Wald und daneben lagen sieben fischreiche [[typ:teich|Teiche]]. Schon oft hatte ihn der Herr darum angegangen, er solle ihm das Besitzthum, das dem seinen so nahe lag, abtreten, aber stets schlug er es ihm ab, da er’s von seinen Vätern geerbt hätte und auf seine Kinder forterben lassen wolle.+In [[geo:neundorfplauen|Neuendorf]] saß einst ein stolzer und grimmiger Herr, dessen Lust war es, die Bauern zu knechten und ihr Besitzthum an sich zu reißen. Nun lebte zu selbiger Zeit ein Bauer in Neuendorf, Namens Kilian, der war stets froh und guter Dinge, denn er hatte ein schönes Stück Feld und Wald und daneben lagen sieben fischreiche Teiche. Schon oft hatte ihn der Herr darum angegangen, er solle ihm das Besitzthum, das dem seinen so nahe lag, abtreten, aber stets schlug er es ihm ab, da er’s von seinen Vätern geerbt hätte und auf seine Kinder forterben lassen wolle.
  
-Einst zur Kirchmes, wo reges Leben im Dorfe war, befand sich Kilian unter den übrigen Bauern im [[typ:wirtshaus|Wirthshaus]]. Auf dem Tanzboden schwenkten sich die Paare, beflügelt und befeuert von den Tönen des Dudelsacks und der [[typ:Geige]]. Die Bauern aber aßen und sangen, daß es weit durch das Dorf erscholl. Ein Jeder gab ein Liedlein zum Besten. So kam denn die Reihe auch an Kilian. Dieser wollte rechtes Lob erndten, denn er hatte das Verslein, das er sang, selbst gemacht. Es lautete:+Einst zur Kirchmes, wo reges Leben im Dorfe war, befand sich Kilian unter den übrigen Bauern im Wirthshaus. Auf dem Tanzboden schwenkten sich die Paare, beflügelt und befeuert von den Tönen des Dudelsacks und der Geige. Die Bauern aber aßen und sangen, daß es weit durch das Dorf erscholl. Ein Jeder gab ein Liedlein zum Besten. So kam denn die Reihe auch an Kilian. Dieser wollte rechtes Lob erndten, denn er hatte das Verslein, das er sang, selbst gemacht. Es lautete:
  
 Ich hab’ eine Wies’ und sieben Teich,\\ Ich hab’ eine Wies’ und sieben Teich,\\
Zeile 16: Zeile 16:
 Will ich sie lieber versaufen.\\ Will ich sie lieber versaufen.\\
  
-Lauter Jubel belohnte seinen [[typ:Spruch]]. Bald aber ward es dem Herrn hinterbracht, was Kilian gesungen, und er sann nun auf [[typ:Rache]]. In finstrer [[zeit:Mitternacht]] ließ er den armen Kilian aus dem [[typ:bett|Bette]] holen und ihn in ein tiefes typ:Loch werfen, wohin weder Sonne noch Mond schien. Im Dorfe selbst aber ließ er das Gerücht verbreiten, Kilian sei verschuldet und auf und davon gegangen. Nun zog er sein schönes, längst begehrtes Besitzthum an sich, und freute sich seines wohlgelungenen Planes. In unterirdischem [[typ:kerker|Gefängniß]] saß indeß Kilian und wußte nicht, ob es Tag oder Nacht sei. Das einzige menschliche Antlitz, das ihm zu Gesicht kam, war das eines Schurken, eines [[typ:gärtner|Gärtners]], der in die Schändlichkeiten seines Herrn eingeweiht war.+Lauter Jubel belohnte seinen Spruch. Bald aber ward es dem Herrn hinterbracht, was Kilian gesungen, und er sann nun auf Rache. In finstrer Mitternacht ließ er den armen Kilian aus dem Bette holen und ihn in ein tiefes typ:Loch werfen, wohin weder Sonne noch Mond schien. Im Dorfe selbst aber ließ er das Gerücht verbreiten, Kilian sei verschuldet und auf und davon gegangen. Nun zog er sein schönes, längst begehrtes Besitzthum an sich, und freute sich seines wohlgelungenen Planes. In unterirdischem Gefängniß saß indeß Kilian und wußte nicht, ob es Tag oder Nacht sei. Das einzige menschliche Antlitz, das ihm zu Gesicht kam, war das eines Schurken, eines Gärtners, der in die Schändlichkeiten seines Herrn eingeweiht war.
  
-Jahre vergingen so, bis dieser starb. Noch bei seinem Tode befahl er, den Kilian nach wie vor zu füttern und gefangen zu halten. Da trieb einst ein Bauermädchen das Vieh aus; die [[typ:stier|Stiere]] tummelten sich auf der Weide und stampften wild gegen die Erde. O Wunder! da sank ein Stück Boden ein, und als das Mädchen hinzulief, sah sie in ein finstres [[typ:Loch]] hinab, darin saß ein Mensch gefesselt an Händen und Füßen. Schnell rief sie Leute herbei, und als sie den Armen herauszogen, war es Kilian, der Bauer. Er war aber [[typ:wahnsinn|wahnsinnig]] geworden und starb bald nach seiner [[typ:Erlösung]] aus dem unterirdischen [[typ:Kerker]]+Jahre vergingen so, bis dieser starb. Noch bei seinem Tode befahl er, den Kilian nach wie vor zu füttern und gefangen zu halten. Da trieb einst ein Bauermädchen das Vieh aus; die Stiere tummelten sich auf der Weide und stampften wild gegen die Erde. O Wunder! da sank ein Stück Boden ein, und als das Mädchen hinzulief, sah sie in ein finstres Loch hinab, darin saß ein Mensch gefesselt an Händen und Füßen. Schnell rief sie Leute herbei, und als sie den Armen herauszogen, war es Kilian, der Bauer. Er war aber wahnsinnig geworden und starb bald nach seiner Erlösung aus dem unterirdischen Kerker. 
  
-//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 87; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Graesse_Sagenschatz_Sachsens_II_087.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, Version vom 1.8.2018]]//+//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 2. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 87//
 ---- ----
-{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 vogtland neundorfplauen bauer neid gutsherr kirmes tanz dudelsack geige spruch rache loch kerker gärtner wahnsinn sterben erlösung }}+{{tag>sagen grässe sagenschatzsachsen2 vogtland neundorfplauen bauer neid gutsherr kirmes tanz dudelsack geige spruch rache loch kerker gärtner wahnsinn sterben erlösung v2}}
  
  
sagen/graessesachsen696.1682366224.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)