sagen:graessesachsen624
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| - | ====== Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane | + | ====== Die weiße Frau im Pfarrgarten zu Meerane ====== |
| S. Leopold, Chronik von Meerane. S. 252. | S. Leopold, Chronik von Meerane. S. 252. | ||
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| Als nun ersterer acht, letztere zwei Jahre alt war, da starb der Herzog und die junge Frau ließ sich sehr bald von ihrer bösen Lust verleiten, die Bewerbung eines jungen, freilich nicht ebenbürtigen Mannes anzunehmen. Als derselbe nun einmal wieder bei ihr gewesen war, ließ er beim Fortgehen die Worte fallen: „wenn nur vier Augen nicht wären!“ Das verblendete Weib und unnatürliche Mutter deutete diese Worte aber so, daß ihr Liebhaber sie gern heirathen würde, wenn sie nur nicht die zwei Kinder hätte. | Als nun ersterer acht, letztere zwei Jahre alt war, da starb der Herzog und die junge Frau ließ sich sehr bald von ihrer bösen Lust verleiten, die Bewerbung eines jungen, freilich nicht ebenbürtigen Mannes anzunehmen. Als derselbe nun einmal wieder bei ihr gewesen war, ließ er beim Fortgehen die Worte fallen: „wenn nur vier Augen nicht wären!“ Das verblendete Weib und unnatürliche Mutter deutete diese Worte aber so, daß ihr Liebhaber sie gern heirathen würde, wenn sie nur nicht die zwei Kinder hätte. | ||
| - | Sofort faßte sie ihren Entschluß. Sie schickte die Wartefrau mit den Kindern in das nahe bei [[geo:Meerane]] gelegene Gottesholz, um daselbst spatziren zu gehen, und ein von ihr gedungener | + | Sofort faßte sie ihren Entschluß. Sie schickte die Wartefrau mit den Kindern in das nahe bei Meerane gelegene Gottesholz, um daselbst spatziren zu gehen, und ein von ihr gedungener Meuchelmörder, |
| Mein lieber H. laß mich leben,\\ | Mein lieber H. laß mich leben,\\ | ||
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| Verglichen hat übrigens noch Niemand die zwei Sagen (s. i. mein. Preuß. Sagenbuch I. S. 15.) Letztere wird unten bei den Sagen des Herzogth. Altenburg erzählt werden. | Verglichen hat übrigens noch Niemand die zwei Sagen (s. i. mein. Preuß. Sagenbuch I. S. 15.) Letztere wird unten bei den Sagen des Herzogth. Altenburg erzählt werden. | ||
| - | Jener H. ist offenbar der Hager, der Diener der Gräfin von [[geo: | + | Jener H. ist offenbar der Hager, der Diener der Gräfin von [[geo: |
| Jetzt überfiel die unglückliche Frau furchtbare Reue, und da sie meinte, daß ihre entsetzliche Schuld nur durch die schwerste Buße gesühnt werden könne, ließ sie sich ihre beiden Kniee mit Polstern umkleiden und trat nun von ihrer Kammerfrau begleitet in leichtem Bettlergewande ihre Bußfahrt zu dem Papste nach [[geo: | Jetzt überfiel die unglückliche Frau furchtbare Reue, und da sie meinte, daß ihre entsetzliche Schuld nur durch die schwerste Buße gesühnt werden könne, ließ sie sich ihre beiden Kniee mit Polstern umkleiden und trat nun von ihrer Kammerfrau begleitet in leichtem Bettlergewande ihre Bußfahrt zu dem Papste nach [[geo: | ||
| - | Als sie endlich an dem ihr bezeichneten | + | Als sie endlich an dem ihr bezeichneten Kloster in Rom, wo sie abtreten und angeblich Absolution finden sollte, angekommen war, schlug gerade die zwölfte Stunde. Sie vermochte es nicht mehr sich aufzurichten und an der Schelle zu ziehen, ihre Füße hatten die Fähigkeit und Kraft verloren, sie zu tragen. Sie sank vor Erschöpfung nieder und wurde früh Morgens vor den noch ungeöffneten Pforten des Klosters von Vorübergehenden todt aufgefunden. Ihre Seele fand daher keine Ruhe, sondern schweift seitdem als [[wesen: |
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sagen/graessesachsen624.1681240614.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
