sagen:graessesachsen516
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| + | > Sage des Monats Juli 2021 | ||
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| + | ====== Die Sagen vom Greifenstein ====== | ||
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| + | Nr. I. b. Lehmann, Obererzgeb. Schauplatz S. 181 sq. | ||
| + | Nr. II. u. III. b. Ziehnert Bd. III. S. 209 sq. | ||
| + | Nr. II. novell. bearb. v. C. Winter in d. Constit. Ztg. 1854 Nr. 212 sq. | ||
| + | (Anders erzählt b. E. V. Dietrich u. A. Textor, die romantischen | ||
| + | Sagen des Erzgebirges: | ||
| + | Nr. IV. b. Dietrich a. a. O. S. 123 sq. u. poetisch behandelt v. Ziehnert. Bd. I. S. 204 sq. | ||
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| + | === I. === | ||
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| + | Zwischen [[geo: | ||
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| + | Unter einem dieser Felsen ist ein offenes Loch zu sehen, in welches ein Mensch ganz bequem hineinkriechen kann. Von diesem Loche erzählen alte Leute, daß vor Zeiten einst eine Magd, die sonst, wenn sie an dem Orte gegrast, öfters daselbst mit Namen gerufen ward, im Beisein einer anderen Magd auf abermaliges Rufen hinein gegangen sei, nachdem sie letzterer verlassen, sie solle ihr, wenn sie schreien werde, zu Hilfe kommen. | ||
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| + | Es hätte nun die hineingehende einen großen Kasten mit Geld und Gold und einen Hund dabeiliegend getroffen und auf Befehl einer Stimme das Grastuch damit angefüllt. Als aber inzwischen der Eingang ganz enge geworden sei und sie deshalb der anderen Magd um Hilfe zugerufen, wäre der Hund auf sie losgesprungen und hätte alles von ihr Eingeraffte wieder aus dem Grastuche herausgescharrt, | ||
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| + | Es sei auch einst ein gewisser alter Mann, Namens Christoph Hackebeil, verführt worden, daß er des Nachts über daselbst in einer Höhle bleiben müssen. | ||
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| + | === II. === | ||
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| + | Einst lebte in [[geo: | ||
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| + | Er eilte hinaus, eine erfahrene Muhme zu holen, verirrte sich aber bei dem gräßlichen Schneegestöber vom Wege und kam durch tiefe Wehen sich mühsam durcharbeitend, | ||
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| + | Sein Weib hatte ihm wirklich drei holde Knäblein geboren. Am andern Tage, als Alles zur Taufe bereitet war, da ließ auch der Gevattersmann vom Greifenstein nicht auf sich warten. Er erschien in Häuerkleidung und übte das fromme Werk mit inniger Andacht und als die heilige Handlung vorüber war, da schenkte er Hansen einen Schlägel und ein Eisen und sprach: „Lieber Gevatter, bete und arbeite! Wo Du mit diesem Gezäh einschlägst, | ||
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| + | === III. === | ||
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| + | Ein Wanderer, Namens Jahn, irrte bei Nacht einst in der Gegend des Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte ihm zu folgen. Nicht ohne Grauen folgte Jahn. Ueber Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend krystallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das ganze Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern mit langen Bärten saßen an einer langen Tafel und speisten. | ||
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| + | Der [[wesen: | ||
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| + | Als nun Jahn sein Ränzel umpackte, um zu sehen, womit ihn die freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend des Freiwaldes bei [[geo: | ||
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| + | Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken [[geo: | ||
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| + | === IV. === | ||
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| + | Die Felsengruppe des Greifensteins zeigt an vielen Stellen Spuren von Mauerwerk, und da man auch innerhalb und bei demselben [[typ: | ||
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| + | Das Volk erzählt sich über den Untergang desselben eine schauerliche Geschichte, die also lautet. Im 11. Jahrhundert soll ein Ritter, Odo von Greifen, an dem Hofe des Herzogs [[vip: | ||
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| + | Hier lebten Beide nur der Erziehung ihres einzigen Sohnes, eines Tages aber brachte der Ritter von einem seiner Jagdzüge ein kleines Mädchen von ohngefähr 2 Jahren mit nach Hause, die er im Dickicht schlafend gefunden hatte. Diese ward nun mit dem jungen Ritterssohne zusammen erzogen, beide liebten sich wie Geschwister, | ||
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| + | So kam es, daß aus der geschwisterlichen Zuneigung ein weniger unschuldiges Verhältniß entstand, in einer unbewachten Stunde vergaßen sich die Liebenden und nach Verlauf einiger Monate fühlte sich das unglückliche Mädchen Mutter. Zwar hoffte sie, es werde ihrem Geliebten gelingen, seine Eltern dahin zu stimmen, daß sie ihre Einwilligung zu seiner Verheirathung mit seiner Pflegeschwester gewährten, leider fand sich aber keine passende Gelegenheit, | ||
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| + | Natürlich konnte sie nicht im Zweifel sein, wer der Urheber derselben war, sie entdeckte also ihrem Gemahl Alles, allein da Beide sehr adelstolz waren, so fiel es ihnen gar nicht ein, den einmal geschehenen Fehltritt der beiden jungen Leute zuzudecken. Im Gegentheil, sie behandelten das unglückliche Mädchen ganz als sei sie eine freche Buhldirne und habe den Junker verführt, und ließen sie unter schweren Mißhandlungen in’s tiefste Burgverließ werfen. Hier genaß sie unter furchtbaren Schmerzen eines Knäbleins, und da sie sich von Gott und Menschen verlassen glaubte, schleuderte sie dasselbe an die Mauer des Kerkers. | ||
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| + | Da stand plötzlich eine [[wesen: | ||
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| + | Reuig eilte er in ihren Kerker hinab, allein er fand nur ihren Leichnam und den ihres neugeborenen Kindes. Er ließ Beiden ein prächtiges Begräbniß ausrichten, allein eben als man sie beisetzte, kehrte sein Sohn als Sieger von seiner ersten Waffenthat zurück. Voller Freude eilte er der Burg seines Vaters entgegen, denn er hatte aus dem Munde des gefangenen Raubritters erfahren, daß seine Geliebte das von Letzterem im Freiwalde ausgesetzte Töchterchen der entführten Gemahlin des Ritters von Scharfenstein sei, und hoffte nun nichts gewisser, als daß seine Eltern nunmehr ihre Einwilligung zu seiner Verbindung mit ihr nicht mehr versagen würden. | ||
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| + | Böses ahnend, als er die Trauerfahne vom Schloßthurme wehen sah, sprengte er in den Schloßhof, wo ihm der Leichenzug entgegenkam. Die Wahrheit konnte ihm nicht verheimlicht werden, er stieß einen furchtbaren Fluch gegen seine hartherzigen Eltern aus und sank in eine tiefe Ohnmacht, aus der er nur wieder erwachte, um für immer in geistiger Nacht zu leben. Seine Eltern überlebten diese furchtbare Katastrophe nicht lange, ihr unglücklicher Sohn ward auf seine Lebenszeit in einem Kloster untergebracht und der Herzog Wratislaw übergab die Burg Greifenstein als erledigtes Lehen einem andern böhmischen Ritter, der sie aber auch nicht lange behielt, denn da er mit seinen Nachbarn in beständiger Fehde lebte, vereinigten sich dieselben zuletzt gegen ihn und berannten, eroberten und zerstörten die Burg. | ||
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| + | Noch jetzt aber soll zwischen den Felsen der Geist jenes unglücklichen Mädchens, ihr zerschmettertes Kind auf den Armen, herumirren und den Wanderer durch sein Wehegeschrei erschrecken. | ||
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