sagen:graessesachsen503
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| + | ====== Das Gespenst auf der Superintendentur zu Wiesenthal ====== | ||
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| + | Flader, Wiesenthälisches Ehrengedächtniß. Waldenb. 1719. 8. S. 110 sq. | ||
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| + | Im Jahre 1675 im Monat October hat sich auf der Superintendentur zu [[geo: | ||
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| + | Das erste Mal ist dieses Gespenst, welches man später nur die [[wesen: | ||
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| + | So oft aber als das Gespenst erschienen, hat es einen hellen Glanz und Schimmer um sich verbreitet, daß man einen Pfennig auf der Erde erkennen konnte. So haben denn zwei Männer, G. C. Müller und A. Flader, sich, nachdem die beiden Mädchen aus der Kammer weggebettet worden waren, in dieselbe niedergelegt, | ||
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| + | Seit dieser Zeit ist das Gespenst fast alle Nächte zu der Näherin gekommen und hat sich mit traurigen Geberden vor ihr Bett gestellt, auch öfters bitterlich geweint, da denn die herabfallenden Thränen wie weiße Milch ausgesehen, welche das Gespenst mit einem schönen weißen Schnupftuch abgewischt hat. Ob nun gleich der Superintendent dem Mädchen verboten, sich mit dem Gespenste in ein Gespräch einzulassen, | ||
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| + | Nun hat das Gespenst sein Begehren alle Nächte wiederholt, endlich ist die Näherin mitgegangen, | ||
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| + | Hierauf ist sie vor Schreck davongelaufen, | ||
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| + | Als man nun nachgesucht, | ||
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| + | Während dem hat sich auch das Gespenst sehen lassen und außen an der Mauer über der Erde ist ein ziemliches Getöse bemerkt worden, wie wenn Bergleute da arbeiteten und etwas bewältigen wollten, allein als man zum Fenster hinabgesehen, | ||
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| + | Als nun die Näherin nicht wieder mit dem Gespenst allein gehen wollte, hat dieses ihr vorgeschlagen, | ||
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| + | Als später die Kindermagd einmal das Knäblein mit sich in’s Bett genommen, ist das Gespenst gleich darauf losgegangen und hat es aus dem Bette reißen wollen mit den Worten: „harre, harre, Du bist mein!“ Darüber ist die Magd aufgewacht, hat aber das Kind so fest an seinem Hemdchen gehalten, daß dasselbe entzweiriß, | ||
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| + | Von dieser Zeit an hat sich das Gespenst aber auch in der eigenen Schlafkammer des Superintendenten, | ||
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| + | Während dem ist aber die Näherin einmal über das andere von dem Gespenste genöthigt worden, sie möge doch nur einmal mitgehen, weil auch das Kind mitkommen werde, es solle weder ihr noch diesem etwas zu Leide geschehen und sie werde so viel finden, daß sie für ihre Lebtage davon genug haben werde. Daher hat sie eines Tages ihre Zeit und Gelegenheit abgesehen, ist auf das Geheiß des Gespenstes aufgestanden und in die Studirstube gegangen und hat dort so lange geharrt, bis die weiße Frau das Knäblein aus seinem Bettchen genommen, auf den Arm gehoben und hineingebracht hat, welches in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr geschehen ist. Nachdem sich aber mit der Thüre ein großes Gerassel erhoben, auch der Wachsstock, den das Gespenst nebst einem langen Briefe, mit Mönchsschrift beschrieben, | ||
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| + | Da denn der ganze Saal zur rechten und linken Hand voller schwarzer und weißer Mönche gestanden, mitten durch ist ein enger Durchgang geblieben, und haben sich auf beiden Seiten Musikanten gefunden, welche mit Geigen, Posaunen und Trompeten auf’s Lieblichste musicirt, wie solches Alle im Hause gehört. Als nun das geängstigte Kind sammt der Näherin an die Treppe kömmt, sieht es daselbst einen großen [[wesen: | ||
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| + | Indem sie nun noch mit großer Mühe in die Studirstube gekommen und niedergesunken, | ||
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| + | Der Superintendent hat nun die ganze Zeit hindurch mit seiner ganzen Familie und Gesinde Morgens und Abends seine Andacht gehalten, die Näherin aber, weil sie ihm zum andern Male nicht gefolgt, wegziehen heißen. Kaum ist sie jedoch fortgewesen, | ||
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sagen/graessesachsen503.1678189066.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
