sagen:graessesachsen262
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| + | ====== Das Zauberschloß im Windberge bei Burgk ====== | ||
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| + | Nach Becker a. a. O. S. 107 sq. und | ||
| + | Petzholdt, S. 60. sq. | ||
| + | Novellistisch beh. v. Gottschalk, Deutsche Volksmärchen Th. I. S. 163 sq. | ||
| + | Poetisch verarb. von Ziehnert Bd. I. S. 19 sq. | ||
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| + | In [[geo: | ||
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| + | Rothkopfs Görge, so hieß der lustige Fiedler, war also in allen [[lex: | ||
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| + | So verging ihm die Zeit und unvermerkt kam er zum Windberg. Da fiel ihm auf einmal das Zauberschloß ein, von welchem er in seiner Jugend so viel gehört hatte, daß es im Innern des Berges stehen solle – auch auf dem Gipfel desselben soll früher ein Schloß gestanden haben – und sprach bei sich selbst: „Du bist doch nun schon manches liebes Jahr und zu jeder Stunde der Nacht da vorübergegangen und hast noch niemals etwas von diesem Zauberschlosse gespürt, wer weiß, ob es wahr ist. Mir sollte Niemand erscheinen und mir gebieten, zu folgen, ich faßte mir wirklich ein Herz und füllte mir meine Tasche mit Gold. Ja wer nur den Eingang in’s Zauberschloß wüßte!“ | ||
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| + | „Den will ich Dir zeigen,“ erwiderte ihm ein Mann, den er niemals gesehen und der ihm jetzt gerade in den Weg trat. Der arme Görge erschrak so gewaltig darüber, daß er nicht einmal zurückzutreten vermochte, und so freundlich auch immer die Antwort des Unbekannten erklang, so sah es doch um das Herz, was er sich vorhin zu fassen getraute, gar jämmerlich aus. „Komm, folge mir getrost,“ versetzte der [[wesen: | ||
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| + | Rothkopfs Görge war ganz versteinert vor Schrecken. Der Berggeist ging vor ihm her und winkte ihm, zu kommen, und Görge folgte, ohne es zu wollen. „Was hülf’ es Dir auch, wenn Du flöhest, | ||
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| + | Durch einige schaurige Wege, die Rothkopfs Görgen, so gut er auch am Windberge Bescheid wußte, gänzlich unbekannt waren, und die er sich auch niemals wiederzufinden getraute, gelangten sie endlich an ein großes leuchtendes Thor, das sich plötzlich, sobald sie in den geräumigen Vorhof getreten waren, von selbst wieder schloß. Der Musikant glaubte, er werde aus diesem bezauberten Schlosse wohl nun nie mehr herauskommen, | ||
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| + | Zwischen Furcht und Erstaunen getheilt, durchging er den mit Fackeln erleuchteten Vorhof und erblickte dann mehrere prächtige und hohe Gebäude und Thürme, die kaum, nach seinem Augenmaße zu schließen, im Windberge Platz haben konnten, und Alles war hell und erleuchtet, wie am Tage. Sein Führer ging stets vor ihm her und brachte ihn durch das Hauptgebäude in einen großen, von vielen tausend Kerzen erleuchteten Saal, wo eine große Gesellschaft von Herren und Damen in schwarzer altdeutscher Tracht und mit köstlichen Perlen und Edelsteinen geschmückt, | ||
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| + | Es begann eine Art Tanz, dergleichen er weder in Burgk, noch auf den andern Dörfern umher jemals gesehen hatte. Das Sonderbarste vor Allem war aber, daß er dazu mit der größten Fertigkeit eine Musik spielte, die er in seinem Leben noch niemals gehört hatte und von der er auch nachher niemals wieder einen Ton hervorbringen konnte. Als sich die Gesellschaft ohngefähr eine Stunde, nach seinem Bedünken, mit dem Tanze belustigt hatte, kam jedes Paar mit ernsthaften Schritten und schweigend auf ihn zu, und nun betrachteten sie ihn mit Blicken, vor welchen seine Augen zu Boden sanken. | ||
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| + | Endlich trat einer der Herren aus dem Kreise hervor und fragte: „Was forderst Du für eine Belohnung? | ||
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| + | Nachdem er sich von seiner betäubenden Angst wieder ein wenig erholt hatte, verfolgte er den wohlbekannten Heimweg mit eiligen Schritten und dachte der wunderbaren Begebenheit nach. Er ärgerte sich im Geheim nicht wenig über die höllische Belohnung, die er in seinem Hute vor sich hin trug, und hätte die Kohlen gern auf die Seite geworfen, wenn er nicht die vermeinten bösen Geister, die im Windberge hauseten, wider sich aufzubringen befürchtet hätte. Es war ihm ohnedies nicht wohl dabei zu Muthe, daß der Hut immer schwerer wurde, die Last nahm mit jedem Schritte zu und kaum vermochte er sie mehr zu tragen: allein die Furcht gab ihm Kräfte, und so schleppte er sie geduldig mit fort. | ||
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| + | Kaum aber hatte er seine Wohnung erreicht und die Hausthüre aufgeschlossen, | ||
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| + | Als er am Morgen erwachte, stand der ganze Zauber mit aller Lebhaftigkeit wieder vor ihm da. Er sprang sogleich aus dem Bette, um seinen Hut zu besehen, der seiner Meinung nach ganz verbrannt sein mußte, aber zu seinem größten Erstaunen fand er den Hut unversehrt. Indem er ihn so verwundert von allen Seiten herumdrehte, | ||
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| + | Da stand nun Rothkopfs Görge und kratzte sich hinter den Ohren, daß er sein Glück so verscherzt hatte. Das in dem Hute gefundene Goldstück machte ihn ärmer als er gewesen war, weil es ihn beständig an seinen Verlust erinnerte. Da er aber als lustiger Spielmann von Natur keinen Hang zur Schwermuth besaß, so ergab er sich endlich darein, und nach einigen Jahren schien er sogar froh darüber, daß er nicht zum reichen Manne geworden war. „Denn“, sprach er zuweilen, „schon das eine Goldstück hat mir Unmuth und Sorgen genug gemacht, wie sehr würde mich nicht erst ein ganzer Hut voll solcher Goldstücke gepeinigt haben.“ | ||
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