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sagen:graessesachsen256

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 Weiter (S. 125) wird von einem Goldschmied in [[land:Ungarn]] erzählt, er habe bezauberte Erze also aufthun können, er habe den Neumond beobachtet, und wenn dieser am Freitag früh einfiel, da schnitt er ein noch warmes, neubackenes Brod auf, griff dreimal im Namen der h. Dreifaltigkeit hinein und nahm soviel Brosamen, als er erfassen konnte. Wenn ihm nun solch bezaubertes Golderz gebracht ward, um es zu tractiren, sott er es erst in Menschenurin gehörig ab, procedirte dann wie gewöhnlich und brauchte dazu die vorgenannten Brosamen. Einst hat ihm Jemand ein Stück Golderz, das verzaubert war, gebracht und hat sich mit der Hälfte des Werthes begnügt, den jener ihm auch gegeben hat. Weiter (S. 125) wird von einem Goldschmied in [[land:Ungarn]] erzählt, er habe bezauberte Erze also aufthun können, er habe den Neumond beobachtet, und wenn dieser am Freitag früh einfiel, da schnitt er ein noch warmes, neubackenes Brod auf, griff dreimal im Namen der h. Dreifaltigkeit hinein und nahm soviel Brosamen, als er erfassen konnte. Wenn ihm nun solch bezaubertes Golderz gebracht ward, um es zu tractiren, sott er es erst in Menschenurin gehörig ab, procedirte dann wie gewöhnlich und brauchte dazu die vorgenannten Brosamen. Einst hat ihm Jemand ein Stück Golderz, das verzaubert war, gebracht und hat sich mit der Hälfte des Werthes begnügt, den jener ihm auch gegeben hat.
  
-Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und deshalb hat der Aberglaube sie zu [[wesen:zauberer|Zauberern]] und [[wesen:teufelsbanner|Teufelsbannern]] gestempelt. So wird (S. 128) folgende Geschichte erzählt. Im J. 1469 starb zu Eger Sigismund Wann, der eine Venetianerin Katharina, eine geborne Wahlin auf seiner Wanderschaft geheirathet, welche die Kunst, das Gold vom Zinne zu scheiden, von ihren Eltern gelernt hatte, und da sie mit gedachtem ihrem Manne nach [[geo:Wunsiedel]] gezogen, hat sie daselbst mit großem Nutzen es practicirt und sind sie um viele tausend Thaler reich geworden, so daß sie im Jahre 1439 das [[typ:Hospital]] zu Wunsiedel, das arme Brüderhaus, gestiftet mit zwölf Brüdern, die mit Beten, Kirchengehen und andern guten Werken den Orden führen sollten, dahin seine Grabschrift führt, die also lautet:+Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und deshalb hat der Aberglaube sie zu [[wesen:zauberer|Zauberern]] und [[wesen:teufelsbanner|Teufelsbannern]] gestempelt. So wird (S. 128) folgende Geschichte erzählt. Im J. 1469 starb zu Eger Sigismund Wann, der eine Venetianerin Katharina, eine geborne Wahlin auf seiner Wanderschaft geheirathet, welche die Kunst, das Gold vom Zinne zu scheiden, von ihren Eltern gelernt hatte, und da sie mit gedachtem ihrem Manne nach [[geo:Wunsiedel]] gezogen, hat sie daselbst mit großem Nutzen es practicirt und sind sie um viele tausend Thaler reich geworden, so daß sie im Jahre 1439 das Hospital zu Wunsiedel, das arme Brüderhaus, gestiftet mit zwölf Brüdern, die mit Beten, Kirchengehen und andern guten Werken den Orden führen sollten, dahin seine Grabschrift führt, die also lautet:
  
 Ao Dni 1451 Jahr Als die Stiftbrief sagen für wahr Ist dies löblich Haus gefangen an, Gebaut durch ein christlichen Mann, Sigismund Wann ist er genannt, Seinem Vaterlande wohl bekannt. Eine Wahlin gehabt zum Weib, Ohne Leibeserben verschied beyder Leib. Von Gott mit dieser Kunst begnad, Wie man von alter Urkund hat, Das Gold von Zinn zu scherren Dadurch sich ihre Güther thäten mehren etc. Ao Dni 1451 Jahr Als die Stiftbrief sagen für wahr Ist dies löblich Haus gefangen an, Gebaut durch ein christlichen Mann, Sigismund Wann ist er genannt, Seinem Vaterlande wohl bekannt. Eine Wahlin gehabt zum Weib, Ohne Leibeserben verschied beyder Leib. Von Gott mit dieser Kunst begnad, Wie man von alter Urkund hat, Das Gold von Zinn zu scherren Dadurch sich ihre Güther thäten mehren etc.
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 Weiter beym Schweizerbette ist ein großer Steinfels, daran sind unterschiedene Zeichen gehauen, von denselben gehe zweyhundert Schritte, da wirst Du einen sehr mächtigen Gang antreffen, der soviel Gold, Silber und Kupfer hält, daß es nicht zu beschreiben. Der Gang kommt aus halbern Abend und Mittag und streichet oben bey Tage aus. Der Berg sieht oben ganz röthlich aus, und ist sehr hoch. Weiter beym Schweizerbette ist ein großer Steinfels, daran sind unterschiedene Zeichen gehauen, von denselben gehe zweyhundert Schritte, da wirst Du einen sehr mächtigen Gang antreffen, der soviel Gold, Silber und Kupfer hält, daß es nicht zu beschreiben. Der Gang kommt aus halbern Abend und Mittag und streichet oben bey Tage aus. Der Berg sieht oben ganz röthlich aus, und ist sehr hoch.
  
-Ferner diesem Berg über das Wasser, die [[region:Weißeritz]] genannt, liegt ein Gründgen nahe bey einem Dorfe, so Coschitz heißt, unten am Gründgen ist ein Goldgang, der aber mehr Silber als Gold hält, jedoch ist viel gediegen Gold und Körner, dem Hanfe und Wicken gleich, welche ganz graulich aussehen und inwendig voller Gold sind, dabei befindlich. „Weiter hinauf am Gründlein ist ein [[typ:Stollen]], darinnen viel Silber und Kupfer ist, und ist sehr milde und schmeidig. Im Bächlein, das in die Weißeritz läuft, findet man gediegene Goldkörner sehr schwarzbraun.+Ferner diesem Berg über das Wasser, die [[region:Weißeritz]] genannt, liegt ein Gründgen nahe bey einem Dorfe, so Coschitz heißt, unten am Gründgen ist ein Goldgang, der aber mehr Silber als Gold hält, jedoch ist viel gediegen Gold und Körner, dem Hanfe und Wicken gleich, welche ganz graulich aussehen und inwendig voller Gold sind, dabei befindlich. „Weiter hinauf am Gründlein ist ein Stollen, darinnen viel Silber und Kupfer ist, und ist sehr milde und schmeidig. Im Bächlein, das in die Weißeritz läuft, findet man gediegene Goldkörner sehr schwarzbraun.
  
 Vom Schweizerbette, eine kleine Viertel Meile ohngefähr, kommt man an einen steinigten Weg durch Erlen und Haselsträucher auf einem lustigen ebenen Fleck, und oben auf dem Berge stehet ein Haus, vor selbigem nahe dabei kommt ein mächtiger Kupfergang, darbey Rothgülden-Erz ist, und ist zum Wahrzeichen unten am Berge ein Graben, darinnen die Erde ganz kupfern sieht. Ingleichen halten die Steine auf der Erde hierum viel Gold und Kupfer. Vom Schweizerbette, eine kleine Viertel Meile ohngefähr, kommt man an einen steinigten Weg durch Erlen und Haselsträucher auf einem lustigen ebenen Fleck, und oben auf dem Berge stehet ein Haus, vor selbigem nahe dabei kommt ein mächtiger Kupfergang, darbey Rothgülden-Erz ist, und ist zum Wahrzeichen unten am Berge ein Graben, darinnen die Erde ganz kupfern sieht. Ingleichen halten die Steine auf der Erde hierum viel Gold und Kupfer.
  
-Fernerhin kommt man zu einem kiefernen Busche, unten am Fußsteige liegen viel Steine auf einander, von der Steinrücke fünfzig Schritte ist ein großer [[typ:Stein]], da dann zwey Kreuze gegen Mitternacht, und wo das längste [[typ:Kreuz]], der Strich gegen Mitternacht hinweiset, da scharre ein wenig Erde auf, so findest du Rothgülden-Erz und Kupferglas-Erz, eine halbe Elle hoch, und eine Viertelelle breit, von da ist viel weggetragen worden. Der Berg ist so reich, daß es nicht zu beschreiben.+Fernerhin kommt man zu einem kiefernen Busche, unten am Fußsteige liegen viel Steine auf einander, von der Steinrücke fünfzig Schritte ist ein großer Stein, da dann zwey Kreuze gegen Mitternacht, und wo das längste Kreuz, der Strich gegen Mitternacht hinweiset, da scharre ein wenig Erde auf, so findest du Rothgülden-Erz und Kupferglas-Erz, eine halbe Elle hoch, und eine Viertelelle breit, von da ist viel weggetragen worden. Der Berg ist so reich, daß es nicht zu beschreiben.
  
-Gehe am Gebürge an den Felsen hin, durch die Wiesen, so kommst du zu einem Wege, der aufs näheste Dorf gehet, gehe den Weg etwa hundert Schritte im Gesträuche am Berge hinauf nach, so findest du eine rothe [[typ:Höhle]], darinnen ist ein [[typ:Schatz]] eines Königsreichs werth an Roth- und Weißgüldenerz, und viele Edelgesteine.+Gehe am Gebürge an den Felsen hin, durch die Wiesen, so kommst du zu einem Wege, der aufs näheste Dorf gehet, gehe den Weg etwa hundert Schritte im Gesträuche am Berge hinauf nach, so findest du eine rothe Höhle, darinnen ist ein Schatz eines Königsreichs werth an Roth- und Weißgüldenerz, und viele Edelgesteine.
  
 Bey Sambsdorf im hohlen Wege streicht ein mächtiger Silbergang zu Tage aus. Bey Sambsdorf im hohlen Wege streicht ein mächtiger Silbergang zu Tage aus.
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 Der Windberg über der Weißeritz nahe bei [[geo:potschappel|Botschappel]] ist so reich an Gold und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Es kommt ein Flüßlein vom Berge gegen halb Mitternacht und Morgen, darinnen findet man viel Goldkörner, und gehet ihnen nichts ab denn die Oberhaut. Der Windberg über der Weißeritz nahe bei [[geo:potschappel|Botschappel]] ist so reich an Gold und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Es kommt ein Flüßlein vom Berge gegen halb Mitternacht und Morgen, darinnen findet man viel Goldkörner, und gehet ihnen nichts ab denn die Oberhaut.
  
-Im [[geo:tharandt|Tharandischen]] Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich an [[typ:Gold]] und [[typ:Silber]], daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von [[geo:Höckendorf]] geht, darunter liegt ein [[typ:Bergwerk]], ist so reich an Silber, daß vor viel tausend Thaler daraus genommen worden.+Im [[geo:tharandt|Tharandischen]] Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich an Gold und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von [[geo:Höckendorf]] geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber, daß vor viel tausend Thaler daraus genommen worden.
  
 Nicht weit davon liegt der grüne Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem Wasser nach dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein reiches Bergwerk, darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, auch bereits das Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze Keulhaue und unter dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze gehauen. Weiter hinauf in dem Walde wird man mehr Zeichen an Bäumen finden, und mitten durch die Bäume streichet ein sehr mächtiger Kupfergang einer Elle breit, und liegt der ganze Mann da, der sich nach dem Wasser, der halbe Theil oder Arm nach Freiberg, und das ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie die Zeichen vermelden. Nicht weit davon liegt der grüne Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem Wasser nach dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein reiches Bergwerk, darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, auch bereits das Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze Keulhaue und unter dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze gehauen. Weiter hinauf in dem Walde wird man mehr Zeichen an Bäumen finden, und mitten durch die Bäume streichet ein sehr mächtiger Kupfergang einer Elle breit, und liegt der ganze Mann da, der sich nach dem Wasser, der halbe Theil oder Arm nach Freiberg, und das ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie die Zeichen vermelden.
  
-Zu [[geo:Höckendorf]], wo das reiche [[typ:Silber]]-[[typ:Bergwerk]] ist, welches aber durch Gottes Strafe wegen [[typ:übermut|Uebermuths]] überschwemmt ist, hat ein Bauer 1660 gediegen [[typ:Silber]] ausgeackert.+Zu Höckendorf, wo das reiche Silber-Bergwerk ist, welches aber durch Gottes Strafe wegen Uebermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer 1660 gediegen Silber ausgeackert.
  
 Anno 1681 im Junio ist N. N. durch den rothen Gang mit fleißigem Gebethe gegangen, und den ganzen Stock auf etliche hundert Schritte übers Kreuz angetroffen, und wäre allda das Glück mit Gott zu suchen durch Absenkung des Schachts auf etliche Lachtern etc.“ Anno 1681 im Junio ist N. N. durch den rothen Gang mit fleißigem Gebethe gegangen, und den ganzen Stock auf etliche hundert Schritte übers Kreuz angetroffen, und wäre allda das Glück mit Gott zu suchen durch Absenkung des Schachts auf etliche Lachtern etc.“
  
-//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 1. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 226; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Graesse_Sagenschatz_Sachsens_I_231.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]//+//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenschatzsachsen|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen]], Band 1. Schönfeld, Dresden 1874, Seite 226//
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