sagen:graessesachsen156
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| ====== Die Sage von der Mordgrundbrücke ====== | ====== Die Sage von der Mordgrundbrücke ====== | ||
| - | Auf der königl. Bibliothek zu Dresden befindet sich eine Handschrift (S. G. Nr. 138b. 4.) aus dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts, | + | Auf der königl. Bibliothek zu Dresden befindet sich eine Handschrift (S. G. Nr. 138b. 4.) aus dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts, |
| - | Gegen Ende des 13. Jahrhunderts, | + | Gegen Ende des 13. Jahrhunderts, |
| Der alte reiche Hans von Clohmen war Wittwer und besaß nur ein einziges 19jähriges Töchterlein von wunderbarer Schönheit, Elsbeth geheißen. Sein Nachbar Benno von Birken, ein schöner Mann, war eben erst aus fernen Landen zurückgekehrt, | Der alte reiche Hans von Clohmen war Wittwer und besaß nur ein einziges 19jähriges Töchterlein von wunderbarer Schönheit, Elsbeth geheißen. Sein Nachbar Benno von Birken, ein schöner Mann, war eben erst aus fernen Landen zurückgekehrt, | ||
| - | Natürlich folgte ihr ihr [[typ:Bräutigam]], und da derselbe an dem prunkliebenden Hofe des Fürsten fast täglich Gelegenheit fand, mit ihr zusammen zu kommen, so lernte sich das junge Paar bald so lieben, daß ihnen das Jahr zu einem Jahrzehend ward. Indeß hatte im Jahre 1289 [[vip: | + | Natürlich folgte ihr ihr Bräutigam, und da derselbe an dem prunkliebenden Hofe des Fürsten fast täglich Gelegenheit fand, mit ihr zusammen zu kommen, so lernte sich das junge Paar bald so lieben, daß ihnen das Jahr zu einem Jahrzehend ward. Indeß hatte im Jahre 1289 Friedrich der Kleine Dresden und die umliegenden Gegenden an den böhmischen [[vip:wenzelii|König Wenzel]], später sogar an [[vip: |
| - | Da jedoch die Herzen der Dresdner immer noch an ihrem rechtmäßigen Landesherrn hingen, so konnte Wenzel selbst noch 1299, wo es zum Kriege kam, nie recht zum wirklichen Besitz des verkauften Landes gelangen, er dachte also auf Mittel, sich die Gemüther der Mächtigen und Reichen zu gewinnen, und sendete einen gewissen Grafen Lodomar Kinsky nach Dresden, der durch Verheißung von Gütern und Ehrenstellen den Adel auf seine Seite bringen sollte. Gelang diesem dies unter andern auch bei Hans von Clohmen, so blieb der von Birken dafür mit desto größerer Treue seinem alten Herrn zugethan. Da nun aber der böhmische Graf, der noch unbeweibt war, die Hoffnung hegte, daß er als Schwiegersohn eines der mächtigsten Ritter im Sachsenland desto besser für König Wenzel wirken könne, so bat er um die Hand der schönen Elsbeth von Clohmen und erhielt sie auch sofort zugesagt, und als ihr [[typ:Bräutigam]] ihren Vater an sein gegebenes Wort mahnte, so erklärte dieser, er halte sich desselben für entbunden, weil nur ein Freund König Wenzels seine Tochter zum Altare führen solle. Indeß fanden die Liebenden noch einmal Gelegenheit, | + | Da jedoch die Herzen der Dresdner immer noch an ihrem rechtmäßigen Landesherrn hingen, so konnte Wenzel selbst noch 1299, wo es zum Kriege kam, nie recht zum wirklichen Besitz des verkauften Landes gelangen, er dachte also auf Mittel, sich die Gemüther der Mächtigen und Reichen zu gewinnen, und sendete einen gewissen Grafen Lodomar Kinsky nach Dresden, der durch Verheißung von Gütern und Ehrenstellen den Adel auf seine Seite bringen sollte. Gelang diesem dies unter andern auch bei Hans von Clohmen, so blieb der von Birken dafür mit desto größerer Treue seinem alten Herrn zugethan. Da nun aber der böhmische Graf, der noch unbeweibt war, die Hoffnung hegte, daß er als Schwiegersohn eines der mächtigsten Ritter im Sachsenland desto besser für König Wenzel wirken könne, so bat er um die Hand der schönen Elsbeth von Clohmen und erhielt sie auch sofort zugesagt, und als ihr Bräutigam ihren Vater an sein gegebenes Wort mahnte, so erklärte dieser, er halte sich desselben für entbunden, weil nur ein Freund König Wenzels seine Tochter zum Altare führen solle. Indeß fanden die Liebenden noch einmal Gelegenheit, |
| Der Ritter von Birken hatte unterdeß seine Besitzung an der [[region: | Der Ritter von Birken hatte unterdeß seine Besitzung an der [[region: | ||
| - | Siehe, wie er noch sinnend dastand, was er nun weiter beginnen solle, da öffnete sich ein Pförtchen und seine Elsbeth, weiß gekleidet wie ein [[typ:Engel]], stürzte in seine Arme. Schnell entschlossen, | + | Siehe, wie er noch sinnend dastand, was er nun weiter beginnen solle, da öffnete sich ein Pförtchen und seine Elsbeth, weiß gekleidet wie ein [[wesen:Engel]], stürzte in seine Arme. Schnell entschlossen, |
| - | Wild tobte der Sturm, sie hatten den Weg verfehlt und Fackelschein verkündete die sie Suchenden von allen Seiten, da gaben sich beide das Versprechen, | + | Wild tobte der Sturm, sie hatten den Weg verfehlt und Fackelschein verkündete die sie Suchenden von allen Seiten, da gaben sich beide das Versprechen, |
| Mit diesen Worten drang er wüthend auf den Böhmen ein, der nothgedrungen sein Schwert zog, aber nach kurzer Vertheidigung tödtlich verwundet zu Boden sank. Da rief die Jungfrau: „Heil Dir, Du hast keinen Mord begangen, sondern nur Dein Vaterland von einem fremden Wütherich befreit, laß uns aber jetzt eilen, die Reise in ein Land anzutreten, wo uns keine Verfolgung mehr drohen kann, von Deiner Hand, mein Benno, will ich sterben.“ | Mit diesen Worten drang er wüthend auf den Böhmen ein, der nothgedrungen sein Schwert zog, aber nach kurzer Vertheidigung tödtlich verwundet zu Boden sank. Da rief die Jungfrau: „Heil Dir, Du hast keinen Mord begangen, sondern nur Dein Vaterland von einem fremden Wütherich befreit, laß uns aber jetzt eilen, die Reise in ein Land anzutreten, wo uns keine Verfolgung mehr drohen kann, von Deiner Hand, mein Benno, will ich sterben.“ | ||
| - | Mit diesen Worten reichte Elsbeth dem Ritter den scharfen | + | Mit diesen Worten reichte Elsbeth dem Ritter den scharfen Dolch, er setzte die Spitze desselben auf die Brust des geliebten Mädchens; doch seine Hand zitterte, da erfaßte die schöne Schwärmerin mit beiden Händen krampfhaft Benno’s Hand und stieß sich den Dolch tief in ihre reine Brust. Sie schwankte, doch hatte sie noch soviel Kraft, den Stahl aus der blutenden Wunde zu ziehen, und matt lächelnd reichte sie denselben ihrem Benno mit den Worten: „es hat nicht geschmerzt, hier, mein Geliebter, nimm ihn und folge mir.“ Ungestüm durchbohrte sich nun auch Benno und sank sterbend auf sie hin, und so hauchten sie Arm in Arm ihr Leben aus. |
| Auf dieser Stelle nun, wo sie geendet hatten, wurden sie auf Befehl Clohmens, der jetzt seine Härte tief bereuete, beerdigt, der [[typ: | Auf dieser Stelle nun, wo sie geendet hatten, wurden sie auf Befehl Clohmens, der jetzt seine Härte tief bereuete, beerdigt, der [[typ: | ||
| - | In jener alten Schrift war die Stelle, wo der [[typ:Mord]] geschehen war, so genau angegeben, daß derjenige, welcher diese Sage abgeschrieben hatte, dieselbe leicht wiederfand, und für die Nachwelt sie durch folgende in einen Baum, der freilich jetzt wohl schwerlich aufzufinden seyn dürfte, eingeschnittene Worte, wie er sagt, bezeichnete: | + | In jener alten Schrift war die Stelle, wo der Mord geschehen war, so genau angegeben, daß derjenige, welcher diese Sage abgeschrieben hatte, dieselbe leicht wiederfand, und für die Nachwelt sie durch folgende in einen Baum, der freilich jetzt wohl schwerlich aufzufinden seyn dürfte, eingeschnittene Worte, wie er sagt, bezeichnete: |
| Vereint laßt uns sterben, es schließt ein Grab uns ein,\\ | Vereint laßt uns sterben, es schließt ein Grab uns ein,\\ | ||
| Wir werden noch verbunden in bessern Welten sein. | Wir werden noch verbunden in bessern Welten sein. | ||
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sagen/graessesachsen156.1678720481.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
