sagen:graessesachsen025
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| - | [[capitel:graessesachsenneu1|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 1]] | | + | **[[capitel:graessesachsen1|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 1]]** | |
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| + | ====== Anna, Tochter Churfürst August’s I. erscheint nach ihrem Tode wieder ====== | ||
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| + | S. Hasche, Anecdoten a. d. Sächs. Gesch. Bd. II. (Lpzg. 1792.) S. 70. | ||
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| + | Der Stifter der mit seinem Tode (28. April 1707) wieder erloschenen Sachsen-Eisenbergischen Linie Herzog Christian, der fünfte Sohn Herzog Ernst des Frommen von Sachsen-Gotha, | ||
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| + | Als der Herzog, den bei dieser Gelegenheit ein kleiner Schauer überfiel, sich in die Höhe gerichtet hatte, fragte er dieselbe, was ihr Begehren sey? Sie antwortete: „entsetze Dich nicht, ich bin kein böser Geist, Dir soll nichts Uebles widerfahren.“ Der Herzog, welcher sich wieder erholt hatte, fragte nun weiter, wer sie wäre? Sie gab ihm zur Antwort: „ich bin eine von Deinen Vorfahren und mein Gemahl ist eben der gewesen, der Du bist, nämlich Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg, | ||
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| + | Als der Herzog weiter nachforschte, | ||
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| + | Als der Herzog ihr deswegen üble Einwürfe machte, widerlegte sie ihm dieselben, daß sie nicht hierher gehörten und sie nicht angingen; ferner erzählte sie, daß, sobald der Herzog in die Ewigkeit gekommen, er wohl erkannt habe, daß einer von ihren Nachkommen sie versöhnen würde, und er sich sehr gefreut habe, da er ihn, den Herzog, als ein Werkzeug Gottes hierzu erkannt habe. Endlich gab sie dem Herzog acht Tage Bedenkzeit, nach deren Verlauf wollte sie wiederkommen und seine Erklärung abwarten. Hierauf verschwand sie. | ||
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| + | Der Herzog lebte mit dem damaligen Superintendent Hofkunzen zu [[geo: | ||
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| + | Der Herzog ließ unterdessen in den Geschichtsschreibern nachforschen und fand, daß Alles wirklich sich so verhalte, was ihm der Geist erzählt, auch sogar, daß die Kleidung der begrabenen Fürstin und des erschienenen Geistes genau auf einander übereingetroffen. Da die bestimmte Stunde kam, legte sich der Herzog wieder auf’s Bette, nachdem er der Wache vor dem Zimmer scharfen Befehl gegeben, keinen einzigen Menschen hereinzulassen. Und wie er diesen Tag mit Beten, Fasten und Singen angefangen hatte, also erwartete er den Geist, indem er in der Bibel las. | ||
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| + | Dieser stellte sich gerade um die Stunde, wie vor acht Tagen ein, und trat auf des Herzog’s Hereinrufen in voriger Kleidung in’s Cabinet. Gleich anfangs fragte der Geist den Herzog, ob er sich entschlossen habe, sein Verlangen zu erfüllen. Der Herzog antwortete, wenn ihr Begehren nicht wider Gottes Wort liefe, auch sonst nichts Abergläubisches bei sich führte, so wolle er es in Gottes Namen thun, sie solle ihm nur anzeigen, wie er sich dabei zu verhalten hätte. Auf diese Erklärung des Herzogs sagte der Geist: „mein Gemahl hatte mich bei meinem Leben wegen Untreu in Verdacht, weil ich mich mit einem frommen Cavalier insgeheim manchmal von geistlichen Sachen unterredet, er faßte deswegen einen unversöhnlichen Haß gegen mich, welcher so heftig war, daß, ob ich gleich meine Unschuld hinlänglich bewies und ihn auf meinem Todtenbette um Versöhnung bitten ließ, er doch seinen Argwohn nicht ablegte und durchaus nicht zu mir kommen wollte. | ||
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| + | Da ich nun alles gethan hatte, was ich thun konnte, starb ich zwar im wahrem Glauben auf meinem Heiland, kam auch in die ewige Ruhe und Stille, genieße aber die völlige Anschauung Gottes noch nicht. Mein Gemahl hingegen bereuete, wie ich schon gesagt habe, nach meinem Tode seine Unversöhnlichkeit gegen mich und starb endlich auch im wahren Glauben, doch ist er bisher zwischen Zeit und Ewigkeit in Angst, Kälte und Finsterniß gewesen, nunmehr ist aber die von Gott bestimmte Zeit gekommen, daß Du uns auf dieser Welt mit einander aussöhnen und uns dadurch zu unserer vollkommenen Seligkeit befördern sollst.“ „Was soll ich aber hierbei thun?“ antwortete der Herzog, „und wie verhalte ich mich bei der Sache? | ||
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| + | Der Geist sagte: „künftige Nacht halte Dich fertig, da will ich und mein Gemahl zu Dir kommen, denn ob ich gleich am Tage komme, so kann doch dieses mein Gemahl nicht thun, und dann soll ein jedes von uns die vorgefallenen Uneinigkeiten erzählen, hierauf sollst Du das Urtheil sprechen, welcher von uns Beiden Recht habe, unsere beiden Hände zum Zeichen der Versöhnung in einander legen, den Segen des Herrn über uns sprechen und hierauf Gott mit uns loben.“ Nachdem der Herzog dies alles zu thun versprochen hatte, verschwand der Geist. | ||
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| + | Der Herzog setzte seine Andacht bis auf den Abend fort, alsdann befahl er seiner Wache ausdrücklich, | ||
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| + | Hierauf trat der Geist des Fürsten in ordentlicher fürstlicher Tracht herein, aber mit sehr blassem und todtenfarbigem Gesichte, und erzählte dem Herzog die Uneinigkeit mit seiner Gemahlin auf eine ganz verschiedene Art. Hierauf fällte der Herzog das Urtheil, daß der Geist des Fürsten Unrecht habe, welches dieser auch gestand und sagte: „Du hast recht geurtheilet.“ Der Herzog nahm nun die eiskalte Hand des Fürsten, legte sie in die Hand der Fürstin, welche ganz natürliche Wärme hatte, und sprach den Segen über sie, wozu sie beide Amen sagten. Der Herzog fing alsdann das Lied: „Herr Gott Dich loben wir“ an zu singen, und es kam ihm vor, als wenn Beide mitsängen. Da das Lied zu Ende war, sagte die Fürstin zum Herzog: „den Lohn wirst Du von Gott bekommen und bald bei uns seyn!“ worauf sie beide verschwanden. | ||
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| + | Von dieser Unterredung hatte aber die Wache nichts als die Worte des Herzogs gehört. | ||
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