sagen:graessesachsen015
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| ====== Der Traum des Churfürst August ====== | ====== Der Traum des Churfürst August ====== | ||
| - | In der Hausbibliothek der alten Churfürsten von Sachsen, welche bis auf Churfürst Friedrich August in dem alleinigen Besitz und Verschluß des jedesmaligen Churfürsten war((Die öffentliche kurfürstl. Bibliothek befand sich von 1728–1786, | + | In der Hausbibliothek der alten Churfürsten von Sachsen, welche bis auf [[vip: |
| - | „1555 besuchte der Gottselige [[vip: | + | „1555 besuchte der Gottselige [[vip: |
| - | Er ist aber kaum ins Bette gewesen, so hat in einem Augenblick Jemand die Thüre aufgemacht und kommen in das Zimmer getreten ein [[typ:Mönch]] und eine [[typ:Nonne]], welche beide nach dem Tische, wo die Bibel gelegen und ein Tisch gestanden, gegangen. Der [[typ:Mönch]] aber hat die Bibel aufgehoben und lieset darinnen, doch ganz mit Verdruß, legt aber die Bibel wieder hin und will das Licht ausblasen, setzet also mit starkem Blasen dem Lichte zu, kanns aber nicht prästiren, geht also in Eyl mit verdrießlicher Miene nach der Thür zu, welches die [[typ:Nonne]] mit angesehn. | + | Er ist aber kaum ins Bette gewesen, so hat in einem Augenblick Jemand die Thüre aufgemacht und kommen in das Zimmer getreten ein [[wesen:spukmönch|Mönch]] und eine [[wesen:spuknonne|Nonne]], welche beide nach dem Tische, wo die Bibel gelegen und ein Tisch gestanden, gegangen. Der Mönch aber hat die Bibel aufgehoben und lieset darinnen, doch ganz mit Verdruß, legt aber die Bibel wieder hin und will das Licht ausblasen, setzet also mit starkem Blasen dem Lichte zu, kanns aber nicht prästiren, geht also in Eyl mit verdrießlicher Miene nach der Thür zu, welches die Nonne mit angesehn. |
| - | Als sie beide bei der Thüre sind, kehret die [[typ:Nonne]] wieder zu dem Lichte zu, versucht solches auszublasen und zwar mit stärkerer Macht als der [[typ:Mönch]], bläst auch das Licht aus, jedoch nicht gar, allein in der Meinung, sie hätte solches gar ausgeblasen. | + | Als sie beide bei der Thüre sind, kehret die Nonne wieder zu dem Lichte zu, versucht solches auszublasen und zwar mit stärkerer Macht als der Mönch, bläst auch das Licht aus, jedoch nicht gar, allein in der Meinung, sie hätte solches gar ausgeblasen. Da sich aber die Nonne gewendet, und dem Lichte den Rücken gekehrt, hat das Licht wieder angefangen in heller Flamme zu brennen, da denn auch der Mönch in Zorne fortgehet und die Thür mit Gewalt zuschmeißt. Weil nun der Minister meinet, der Churfürst schlafe und der Churfürst glaubt, der Minister schlafe, hat Keiner nichts gesprochen. |
| - | Da sich aber die Nonne gewendet, und dem Lichte den Rücken gekehrt, hat das Licht wieder angefangen in heller Flamme zu brennen, da denn auch der Mönch in Zorne fortgehet und die Thür mit Gewalt zuschmeißt. Weil nun der Minister meinet, der Churfürst schlafe und der Churfürst glaubt, der Minister schlafe, hat Keiner nichts gesprochen. | + | |
| Morgen darauf wünscht der Kanzler dem Churfürsten einen guten Morgen, desgleichen auch der Churfürst dem Kanzler. Der Churfürst fragt ihn, wie er geschlafen? Er sollte von Grund des Herzens sagen, was ihm die Nacht geträumet? oder was er gesehen? der Kanzler antwortet: was ihn hätte träumen sollen, da er die ganze Nacht nicht geschlafen? Da ihn nun der Churfürst gefragt, was er denn gesehen? hat der Kanzler geantwortet: | Morgen darauf wünscht der Kanzler dem Churfürsten einen guten Morgen, desgleichen auch der Churfürst dem Kanzler. Der Churfürst fragt ihn, wie er geschlafen? Er sollte von Grund des Herzens sagen, was ihm die Nacht geträumet? oder was er gesehen? der Kanzler antwortet: was ihn hätte träumen sollen, da er die ganze Nacht nicht geschlafen? Da ihn nun der Churfürst gefragt, was er denn gesehen? hat der Kanzler geantwortet: | ||
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| Darauf hat der Churfürst zum Kanzler gesagt: weißest du wohl, was dieses vor eine Bedeutung und nach sich ziehen werde? solches will ich dir sagen. Es wird einstmals nach meinem Tode sich auch ein Augustus in der Regierung befinden (nach e. a. Abschrift eine Frau) welcher gesinnt sein wird, die Evangelische Lehre in meinem Lande auszurotten und zu vertilgen, wird aber solches nicht enden können, aber Gottes Wort und [[vip: | Darauf hat der Churfürst zum Kanzler gesagt: weißest du wohl, was dieses vor eine Bedeutung und nach sich ziehen werde? solches will ich dir sagen. Es wird einstmals nach meinem Tode sich auch ein Augustus in der Regierung befinden (nach e. a. Abschrift eine Frau) welcher gesinnt sein wird, die Evangelische Lehre in meinem Lande auszurotten und zu vertilgen, wird aber solches nicht enden können, aber Gottes Wort und [[vip: | ||
| - | Soweit das Mscr. Nach einer anderen Sage hätte der Churfürst eben dem Kanzler vorgeschlagen, | + | Soweit das Mscr. Nach einer anderen Sage hätte der Churfürst eben dem Kanzler vorgeschlagen, |
| - | Prophezeiung des Rabbi Mardochai an den Durchlauchtigsten [[vip: | + | |
| Adonai Sebaoth sei unsere Hülfe. Sela. Feuer und Wasser sind unentbehrlich in der Welt. Durch diese zwei Stücke wird Alles erhalten, ernährt und fruchtbar gemacht, hätte die irdische Welt die Sonne nicht, wo wollte sie leben, hätte die irdische Welt kein Salz nicht, wo wollte die Natur etwas hervorbringen. (Ich gebe dieser Rede hier Beifall. August.) Ich behaupte, daß das Feuer und Salz der erste Ursprung aller Metalle, Pflanzen und Thiere, ja gar das Leben aller Dinge sei. Der große Naturkundiger Plinius sagt mit Recht, es sey allen elementarischen Körpern nichts dienlicher und heilsamer als die Sonne und das Salz. (Ist Wahrheit. August). | Adonai Sebaoth sei unsere Hülfe. Sela. Feuer und Wasser sind unentbehrlich in der Welt. Durch diese zwei Stücke wird Alles erhalten, ernährt und fruchtbar gemacht, hätte die irdische Welt die Sonne nicht, wo wollte sie leben, hätte die irdische Welt kein Salz nicht, wo wollte die Natur etwas hervorbringen. (Ich gebe dieser Rede hier Beifall. August.) Ich behaupte, daß das Feuer und Salz der erste Ursprung aller Metalle, Pflanzen und Thiere, ja gar das Leben aller Dinge sei. Der große Naturkundiger Plinius sagt mit Recht, es sey allen elementarischen Körpern nichts dienlicher und heilsamer als die Sonne und das Salz. (Ist Wahrheit. August). | ||
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| Dein Ehegemahl wird zwar noch eher als Du von hinnen scheiden, Du aber wirst ihr bald nachfolgen. Deine Kinder werden auch nicht lange die Chur regieren((Kurfürstin Anna † 1. Oct. 1585, Kurfürst August † 11. Febr. 1586, ihr Sohn Christian I. † 25. Septbr. 1591. Acht Söhne starben vor K. August’s Tode.)) und nach ihrem Abschiede wird sich auch die Herrlichkeit des großen Steins aller Weisheit mit ihnen verlieren. Deren aus ihren Lenden (entsproßenen) Nachfolger werden sich wohl um dieses Kleinod bemühen, aber Adonay will es ihnen nicht gönnen. Das goldene Säculum wird nach diesem sich in ein silbernes transmutiren, | Dein Ehegemahl wird zwar noch eher als Du von hinnen scheiden, Du aber wirst ihr bald nachfolgen. Deine Kinder werden auch nicht lange die Chur regieren((Kurfürstin Anna † 1. Oct. 1585, Kurfürst August † 11. Febr. 1586, ihr Sohn Christian I. † 25. Septbr. 1591. Acht Söhne starben vor K. August’s Tode.)) und nach ihrem Abschiede wird sich auch die Herrlichkeit des großen Steins aller Weisheit mit ihnen verlieren. Deren aus ihren Lenden (entsproßenen) Nachfolger werden sich wohl um dieses Kleinod bemühen, aber Adonay will es ihnen nicht gönnen. Das goldene Säculum wird nach diesem sich in ein silbernes transmutiren, | ||
| - | Dann in dem 17. Säculo, wird [[land: | + | Dann in dem 17. Säculo, wird [[land: |
| - | )) Er wird ein segensvoller Vater von Kindeskindern. Er wird dem Römischen Reiche mit besonderer Liebe zugethan seyn, doch dabei die dreifache Krone über alles beehren. (Er behüte solches, damit der Papst in unsern Landen nichts einführen darf. August.) Er wird viele Neuerungen mit großen Schatzungen, | + | |
| - | Denn diese Satzungen kommen ihm nicht zum Segen, sondern er wird ein Scheußal anderer Länder, denn sein Einkommen ist doch nicht hinlänglich und muß andere Länder um Vorschuß ansprechen. Die Religion leidet Noth mit dem Lande, aber Adonay siehet darein, kommt dem Lande zu Hülfe, verkürzet dieses Regenten Tage und wird wenig Gutes von ihm geredet und gehöret werden (Gott verhüte dieses alles, wie wir hoffen wollen. August.) Sein Nachkömmling((Friedrich Christian regierte nur v. 5/10-17/12 1763.)) wird keine Königliche Krone tragen, doch wird er besser als sein Vater, obgleich nicht so lange, im Frieden regieren. Die Last der Unterthanen wird dessen Nachfolger in etwas erleichtern, | + | Denn diese Satzungen kommen ihm nicht zum Segen, sondern er wird ein Scheußal anderer Länder, denn sein Einkommen ist doch nicht hinlänglich und muß andere Länder um Vorschuß ansprechen. Die Religion leidet Noth mit dem Lande, aber Adonay siehet darein, kommt dem Lande zu Hülfe, verkürzet dieses Regenten Tage und wird wenig Gutes von ihm geredet und gehöret werden (Gott verhüte dieses alles, wie wir hoffen wollen. August.) Sein Nachkömmling((Friedrich Christian regierte nur v. 5/10-17/12 1763.)) wird keine Königliche Krone tragen, doch wird er besser als sein Vater, obgleich nicht so lange, im Frieden regieren. Die Last der Unterthanen wird dessen Nachfolger in etwas erleichtern, |
| - | )), wie seinem Vater auch widerfaren, möge hingerichtet werden. Er wird Spuren von dem großen Schatz der Weißheit zwar sehen, doch nicht denselben nach der Vollkommenheit besitzen. (Dieses sind nur Muthmaßungen. August.) | + | |
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| Ich Mardochäus de Nelle beklage, beweine und betrübe mich, daß die Herrlichkeit dero ganzen Lands künftig je mehr und mehr wieder abnehmen, alles Geheimniß verschwinden, | Ich Mardochäus de Nelle beklage, beweine und betrübe mich, daß die Herrlichkeit dero ganzen Lands künftig je mehr und mehr wieder abnehmen, alles Geheimniß verschwinden, | ||
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| Es wird geschehen, ja es wird geschehen, denn der Hochmuth, Stolz und Pracht und Unterdrückung derer Unterthanen wird diese zukünftigen Regenten stürzen, sie werden Zuflucht bei andern Ländern nehmen, werden solche auch mit Noth erhalten, aber deren unschuldigen Unterthanen wird es höchst schädlich seyn.((K. v. Weber. S. 240 etc. ist nur des Styls wegen zweifelhaft über die Aechtheit der Prophezeiung. Adelung, Gall. d. N. Proph. am Schlusse d. Abdr. glaubt, sie sey ein nach der Aemterreformation (1784-93) von einem Christen abgefaßtes Machwerk. Dies ist jedoch unmöglich, da Hauber, Bibl. Mag. Bd. II. S. 404 fgg. bereits im J. 1739 sie aus einem weit älteren Werke citirt. Der obgedachte Traum steht übrigens auch bei Hasche, Anecd. z. Sächs. Gesch. Bd. II. S. 67-70. (S. a. Hilscher, Reform. Jubelpredigt 1717. S. 335.))) Sie werden vor Noth und Angst nicht wissen, wo und wie sie ihr Leben mehr zubringen und fristen sollen. Adonay wird sich aber doch wieder über das Land erbarmen und nach heftigem Blutvergießen die Sonne seiner großen Kraft wieder helle scheinen lassen. Schwarze Farbe ist gefährlich vor Sachsen, aber die blaue noch gefährlicher. Adonay verhüte, damit das Land nicht in zukünftigen Zeiten mit solcher bekleidet werden möge, denn es hat zu viel Andenkens. | Es wird geschehen, ja es wird geschehen, denn der Hochmuth, Stolz und Pracht und Unterdrückung derer Unterthanen wird diese zukünftigen Regenten stürzen, sie werden Zuflucht bei andern Ländern nehmen, werden solche auch mit Noth erhalten, aber deren unschuldigen Unterthanen wird es höchst schädlich seyn.((K. v. Weber. S. 240 etc. ist nur des Styls wegen zweifelhaft über die Aechtheit der Prophezeiung. Adelung, Gall. d. N. Proph. am Schlusse d. Abdr. glaubt, sie sey ein nach der Aemterreformation (1784-93) von einem Christen abgefaßtes Machwerk. Dies ist jedoch unmöglich, da Hauber, Bibl. Mag. Bd. II. S. 404 fgg. bereits im J. 1739 sie aus einem weit älteren Werke citirt. Der obgedachte Traum steht übrigens auch bei Hasche, Anecd. z. Sächs. Gesch. Bd. II. S. 67-70. (S. a. Hilscher, Reform. Jubelpredigt 1717. S. 335.))) Sie werden vor Noth und Angst nicht wissen, wo und wie sie ihr Leben mehr zubringen und fristen sollen. Adonay wird sich aber doch wieder über das Land erbarmen und nach heftigem Blutvergießen die Sonne seiner großen Kraft wieder helle scheinen lassen. Schwarze Farbe ist gefährlich vor Sachsen, aber die blaue noch gefährlicher. Adonay verhüte, damit das Land nicht in zukünftigen Zeiten mit solcher bekleidet werden möge, denn es hat zu viel Andenkens. | ||
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