sagen:graessesachsen015
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| - | [[capitel:graessesachsenneu1|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 1]] | | + | **[[capitel:graessesachsen1|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 1]]** | |
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| + | ====== Der Traum des Churfürst August ====== | ||
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| + | In der Hausbibliothek der alten Churfürsten von Sachsen, welche bis auf [[vip: | ||
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| + | „1555 besuchte der Gottselige [[vip: | ||
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| + | Er ist aber kaum ins Bette gewesen, so hat in einem Augenblick Jemand die Thüre aufgemacht und kommen in das Zimmer getreten ein [[wesen: | ||
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| + | Als sie beide bei der Thüre sind, kehret die Nonne wieder zu dem Lichte zu, versucht solches auszublasen und zwar mit stärkerer Macht als der Mönch, bläst auch das Licht aus, jedoch nicht gar, allein in der Meinung, sie hätte solches gar ausgeblasen. Da sich aber die Nonne gewendet, und dem Lichte den Rücken gekehrt, hat das Licht wieder angefangen in heller Flamme zu brennen, da denn auch der Mönch in Zorne fortgehet und die Thür mit Gewalt zuschmeißt. Weil nun der Minister meinet, der Churfürst schlafe und der Churfürst glaubt, der Minister schlafe, hat Keiner nichts gesprochen. | ||
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| + | Morgen darauf wünscht der Kanzler dem Churfürsten einen guten Morgen, desgleichen auch der Churfürst dem Kanzler. Der Churfürst fragt ihn, wie er geschlafen? Er sollte von Grund des Herzens sagen, was ihm die Nacht geträumet? oder was er gesehen? der Kanzler antwortet: was ihn hätte träumen sollen, da er die ganze Nacht nicht geschlafen? Da ihn nun der Churfürst gefragt, was er denn gesehen? hat der Kanzler geantwortet: | ||
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| + | Darauf hat der Churfürst zum Kanzler gesagt: weißest du wohl, was dieses vor eine Bedeutung und nach sich ziehen werde? solches will ich dir sagen. Es wird einstmals nach meinem Tode sich auch ein Augustus in der Regierung befinden (nach e. a. Abschrift eine Frau) welcher gesinnt sein wird, die Evangelische Lehre in meinem Lande auszurotten und zu vertilgen, wird aber solches nicht enden können, aber Gottes Wort und [[vip: | ||
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| + | Soweit das Mscr. Nach einer anderen Sage hätte der Churfürst eben dem Kanzler vorgeschlagen, | ||
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| + | Adonai Sebaoth sei unsere Hülfe. Sela. Feuer und Wasser sind unentbehrlich in der Welt. Durch diese zwei Stücke wird Alles erhalten, ernährt und fruchtbar gemacht, hätte die irdische Welt die Sonne nicht, wo wollte sie leben, hätte die irdische Welt kein Salz nicht, wo wollte die Natur etwas hervorbringen. (Ich gebe dieser Rede hier Beifall. August.) Ich behaupte, daß das Feuer und Salz der erste Ursprung aller Metalle, Pflanzen und Thiere, ja gar das Leben aller Dinge sei. Der große Naturkundiger Plinius sagt mit Recht, es sey allen elementarischen Körpern nichts dienlicher und heilsamer als die Sonne und das Salz. (Ist Wahrheit. August). | ||
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| + | Das Feuer und Salz sind göttliche Sachen, ohne welches kein geheiligtes Opfer nicht geschehen kann. Ueber und unter uns ist Feuer und Salz. Diese sind das Band aller elementarischen Körpern. Sie halten die Anfänge aller Wesen zusammen, ohne dieselben sonst Alles zergehet und die dauerhaften Mineralien gleich dem Staube aus einander fallen. | ||
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| + | Durchlauchtigster Churfürst, Ew. Churf. Weisheit erlauben mir eine Vergleichung auf Dero theure Person mit Feuer und Salz zu machen. | ||
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| + | Ich Mardochaeus de Nelle Rabbi spreche: Du Weisheitsvoller Fürst bist Feuer und Salz, aus welchem Dich Elohim gleich wie die ganze Welt erschaffen hat. Urium Aesch Jah wird bei uns das heiligste Feuer des Herrn genennet mit welchem das Opfer angezündet worden, welches bey unserer Vorfahren Gefangenschaft in eine Grube verwahrlich beygelegt, nach vieler Anzahl Jahre aber nicht mehr daselbst in Gestalt eines Feuers, sondern als ein dickes, zähes Wasser herausgehoben worden ist. (Ist aus der heiligen Schrift bekannt. August.) Mit diesem geheimnißvollen Wasser hat man durch die Strahlen der Sonne ein großes Feuer, welches von Neuem das ganze Opfer mit dem Götzen vernichtete, | ||
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| + | O glückseliges Feuer und Salz, Durchlauchtigster Churfürst, welches anders nichts als ein geheiligtes Wasser ist, giebst Du Deinem ganzen Churfürstenthum zu trinken. (Ich thue was mir mein Gott befohlen hat und ich verantworten kann. August.) Du erquickest Deine Unterthanen als ein theurer gnädigster Landesvater damit, daß sie jauchzend singen. (Nach Gottes Willen. August.) Denn Du machest ihnen ihr Joch leichte, Du legest ihnen nicht mehr auf, als sie ertragen können, daher Dein ganzes Land jubilirt und saget: es lebe noch lange Jahre unser gnädigster Landesvater August und Landesmutter Anna, samt der jungen Herrschaft, im Segen unsers Vaters Abrahams, Israels und Jacobs. | ||
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| + | Dieses wünsche ich Mardochäus Rabbi de Nelle von Adonay, Du allerweisester Salomon, als Sachsens Erhalter und Versorger. Wenn((Von hier an fängt der Abdruck an in der Gallerie alter und neuer Propheten. Zeitz 1804. S. 104 (eing. Bd. VIII. von Adelung, Gesch. d. menschl. Narrh.) u. in d. Merkwürd. Prophezeiungen a. d. christl. Ihdten. Lpzg. (1807). Bd. II. S. 51. fgg.)) ich aber meine Cabbalistischen Betrachtungen durchgehe, so finde ich Durchlaucht. Churfürst, daß Du bald wirst zu Deinen Vätern gesendet werden und Adonay wird Dich zu sich nehmen. (Hierzu finde mich alle Tage bereit vor Gott zu erscheinen. Er wird mich und die meinigen nicht von sich stoßen. Denn solches alles steht bey Gott, er mache es mit uns, wie es ihm gefällt. August.) | ||
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| + | Dein Ehegemahl wird zwar noch eher als Du von hinnen scheiden, Du aber wirst ihr bald nachfolgen. Deine Kinder werden auch nicht lange die Chur regieren((Kurfürstin Anna † 1. Oct. 1585, Kurfürst August † 11. Febr. 1586, ihr Sohn Christian I. † 25. Septbr. 1591. Acht Söhne starben vor K. August’s Tode.)) und nach ihrem Abschiede wird sich auch die Herrlichkeit des großen Steins aller Weisheit mit ihnen verlieren. Deren aus ihren Lenden (entsproßenen) Nachfolger werden sich wohl um dieses Kleinod bemühen, aber Adonay will es ihnen nicht gönnen. Das goldene Säculum wird nach diesem sich in ein silbernes transmutiren, | ||
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| + | Dann in dem 17. Säculo, wird [[land: | ||
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| + | Denn diese Satzungen kommen ihm nicht zum Segen, sondern er wird ein Scheußal anderer Länder, denn sein Einkommen ist doch nicht hinlänglich und muß andere Länder um Vorschuß ansprechen. Die Religion leidet Noth mit dem Lande, aber Adonay siehet darein, kommt dem Lande zu Hülfe, verkürzet dieses Regenten Tage und wird wenig Gutes von ihm geredet und gehöret werden (Gott verhüte dieses alles, wie wir hoffen wollen. August.) Sein Nachkömmling((Friedrich Christian regierte nur v. 5/10-17/12 1763.)) wird keine Königliche Krone tragen, doch wird er besser als sein Vater, obgleich nicht so lange, im Frieden regieren. Die Last der Unterthanen wird dessen Nachfolger in etwas erleichtern, | ||
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| + | Ich Mardochäus de Nelle beklage, beweine und betrübe mich, daß die Herrlichkeit dero ganzen Lands künftig je mehr und mehr wieder abnehmen, alles Geheimniß verschwinden, | ||
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| + | Es werden grausame gefährliche Zeiten nach Ew. Churfürstl. Gnaden Versammlung zu unsern Vätern sich in Dero Erbländern hervorthun, böse Regenten werden den Segen Gottes mit Uebermaaß verschwenden. Was sie übrig lassen, wird Kriegsunruhe, | ||
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| + | Lange nach Ew. Churf. Gnaden Versammlung zu ihren Vätern werden die Sturmwetter groß seyn über Sachsenland. Der gekrönte Löwe aus Mitternacht((Karl XII. König von Schweden.)) wird in das Land einfallen und sich darin satt fressen, bei dem einen Regenten. Bei dessen Nachfolger aber wird es vollends gar aus werden und ein mächtiger schwarzer [[vip: | ||
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| + | Es wird geschehen, ja es wird geschehen, denn der Hochmuth, Stolz und Pracht und Unterdrückung derer Unterthanen wird diese zukünftigen Regenten stürzen, sie werden Zuflucht bei andern Ländern nehmen, werden solche auch mit Noth erhalten, aber deren unschuldigen Unterthanen wird es höchst schädlich seyn.((K. v. Weber. S. 240 etc. ist nur des Styls wegen zweifelhaft über die Aechtheit der Prophezeiung. Adelung, Gall. d. N. Proph. am Schlusse d. Abdr. glaubt, sie sey ein nach der Aemterreformation (1784-93) von einem Christen abgefaßtes Machwerk. Dies ist jedoch unmöglich, da Hauber, Bibl. Mag. Bd. II. S. 404 fgg. bereits im J. 1739 sie aus einem weit älteren Werke citirt. Der obgedachte Traum steht übrigens auch bei Hasche, Anecd. z. Sächs. Gesch. Bd. II. S. 67-70. (S. a. Hilscher, Reform. Jubelpredigt 1717. S. 335.))) Sie werden vor Noth und Angst nicht wissen, wo und wie sie ihr Leben mehr zubringen und fristen sollen. Adonay wird sich aber doch wieder über das Land erbarmen und nach heftigem Blutvergießen die Sonne seiner großen Kraft wieder helle scheinen lassen. Schwarze Farbe ist gefährlich vor Sachsen, aber die blaue noch gefährlicher. Adonay verhüte, damit das Land nicht in zukünftigen Zeiten mit solcher bekleidet werden möge, denn es hat zu viel Andenkens. | ||
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