Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:graessesachsen005

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:graessesachsen005 [2024/03/06 18:19] ewuschsagen:graessesachsen005 [2025/01/30 17:51] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 14: Zeile 14:
 Herr Bruder, Euer Liebe muß ich erzehlen, was mir diese Nacht geträumet hat, und möchte ich gerne seine Bedeutung wissen, denn ich ihn so eigentlich und wohl gemerket und mir so tief eingebildet, daß mich dünket, ich könne ihn nicht vergessen, wenn ich auch 1000 Jahre leben sollte, weil er mir dreimal nach einander vorkommen, doch immer verbessert.  Herr Bruder, Euer Liebe muß ich erzehlen, was mir diese Nacht geträumet hat, und möchte ich gerne seine Bedeutung wissen, denn ich ihn so eigentlich und wohl gemerket und mir so tief eingebildet, daß mich dünket, ich könne ihn nicht vergessen, wenn ich auch 1000 Jahre leben sollte, weil er mir dreimal nach einander vorkommen, doch immer verbessert. 
  
-[[vip:johann_der_bestaendige|Herzog Johannes]] fragte: War es denn ein guter oder böser Traum? Wir wissen es nicht, Gott weiß es, sagte der Churfürst. Herzog Johannes fragte weiter: Herr Bruder, E. L. setzen nicht viel darauff: Wenn mir etwas träumet, so bitte ich allezeit unsern HErrn GOtt, er wolle es zum Besten wenden, oder schlag mir’s aus dem Sinn, wiewohl ich auch dies bekennen muß, daß mir viele Träume, beyde gut und böse sind fürkommen, welche ich hernach allererst verstanden habe, aber gemeiniglich in schlechten Sachen, E. L. sagen doch, was war denn der Traum? +[[vip:johannwettin|Herzog Johannes]] fragte: War es denn ein guter oder böser Traum? Wir wissen es nicht, Gott weiß es, sagte der Churfürst. Herzog Johannes fragte weiter: Herr Bruder, E. L. setzen nicht viel darauff: Wenn mir etwas träumet, so bitte ich allezeit unsern HErrn GOtt, er wolle es zum Besten wenden, oder schlag mir’s aus dem Sinn, wiewohl ich auch dies bekennen muß, daß mir viele Träume, beyde gut und böse sind fürkommen, welche ich hernach allererst verstanden habe, aber gemeiniglich in schlechten Sachen, E. L. sagen doch, was war denn der Traum? 
  
 Churfürst Friedrich sagte: Ich will’s E. L. sagen: Als ich mich auff dem Abend zu Bette legte, ziemlich matt und müde, war ich balb über dem Gebet eingeschlaffen, und hatte bey dritthalb Stunden fein sanffte geruhet. Als ich nun erwachte und ziemlich munter worden, lag ich und hatte allerley Gedanken biß nach 12 Uhr: Gedachte unter andern, wie ich allen lieben Heiligen, und neben mir mein Hoffgesinde, zu Ehren bringen wollte, betete auch für die lieben Seelen im Fegfeuer, und beschloß bei mir, ihnen auch zu Hülffe in ihrer Gluth zu kommen, bat daher Gott um seine Gnade, daß er doch mich und meine Räthe und Landschafft in rechter Wahrheit wolle leiten und zur Seligkeit helffen, auch alle bösen Buben, die uns unser Regiment sauer machen, nach seiner Allmacht wehren.  Churfürst Friedrich sagte: Ich will’s E. L. sagen: Als ich mich auff dem Abend zu Bette legte, ziemlich matt und müde, war ich balb über dem Gebet eingeschlaffen, und hatte bey dritthalb Stunden fein sanffte geruhet. Als ich nun erwachte und ziemlich munter worden, lag ich und hatte allerley Gedanken biß nach 12 Uhr: Gedachte unter andern, wie ich allen lieben Heiligen, und neben mir mein Hoffgesinde, zu Ehren bringen wollte, betete auch für die lieben Seelen im Fegfeuer, und beschloß bei mir, ihnen auch zu Hülffe in ihrer Gluth zu kommen, bat daher Gott um seine Gnade, daß er doch mich und meine Räthe und Landschafft in rechter Wahrheit wolle leiten und zur Seligkeit helffen, auch alle bösen Buben, die uns unser Regiment sauer machen, nach seiner Allmacht wehren. 
Zeile 34: Zeile 34:
 Herzog Johann sagte: Herr Cantzler, was dünket euch? von Träumen ist nicht viel allemal zu halten, doch sind sie auch nicht gar zu verwerffen! Wenn wir hier einen verständigen, frommen Joseph oder Daniel hätten, der könte es treffen. Der Cantzler spricht: E. Churf. Gnaden wissen, daß man pflegt zu sagen: Jungfrauen, gelehrter Leuten und großer Herren Träume haben gemeiniglich etwas hinter sich. Allein, was es sey, wird man allererst gewahren, wenn sie sich nach etlicher Zeit, da sich etwa Händel zutragen, daraus man alsdann Vermuthungen nimmet, entdecken, da man spricht: Siehe, darauff hat gewißlich jener Traum gewiesen, wie E. Churf. Gnaden viel solcher Exempel werden bekand sein. So spricht Joseph: Träume auslegen, stehet GOTT allein zu, und Daniel sagt: GOTT im Himmel allein kan verborgene Dinge offenbaren. Darum befehlen E. L. und E. Churfürstl. Gnaden nur diesen Traum den lieben GOtt, die Mönche haben offt bey großen Herrn viel Unglück gestifftet. An diesem Traum vom Mönche ist diß das beste, daß er von GOTT gesand ist, es wäre dann, daß der [[wesen:teufel|Teuffel]] unter einen guten Schein sein Spiel haben wolte. E. Churfürstl. Gnaden wird am besten wissen, den Sachen neben andächtigen Gebet, Christlich nachzudencken.  Herzog Johann sagte: Herr Cantzler, was dünket euch? von Träumen ist nicht viel allemal zu halten, doch sind sie auch nicht gar zu verwerffen! Wenn wir hier einen verständigen, frommen Joseph oder Daniel hätten, der könte es treffen. Der Cantzler spricht: E. Churf. Gnaden wissen, daß man pflegt zu sagen: Jungfrauen, gelehrter Leuten und großer Herren Träume haben gemeiniglich etwas hinter sich. Allein, was es sey, wird man allererst gewahren, wenn sie sich nach etlicher Zeit, da sich etwa Händel zutragen, daraus man alsdann Vermuthungen nimmet, entdecken, da man spricht: Siehe, darauff hat gewißlich jener Traum gewiesen, wie E. Churf. Gnaden viel solcher Exempel werden bekand sein. So spricht Joseph: Träume auslegen, stehet GOTT allein zu, und Daniel sagt: GOTT im Himmel allein kan verborgene Dinge offenbaren. Darum befehlen E. L. und E. Churfürstl. Gnaden nur diesen Traum den lieben GOtt, die Mönche haben offt bey großen Herrn viel Unglück gestifftet. An diesem Traum vom Mönche ist diß das beste, daß er von GOTT gesand ist, es wäre dann, daß der [[wesen:teufel|Teuffel]] unter einen guten Schein sein Spiel haben wolte. E. Churfürstl. Gnaden wird am besten wissen, den Sachen neben andächtigen Gebet, Christlich nachzudencken. 
  
-[[vip:johann_der_bestaendige|Herzog Johann]] sagte: Ich halte es mit euch, Herr Cantzler, denn daß wir uns lange darüber grämen und martern sollen, ist nicht zu achten, GOTT wird alles, so dieser Traum von ihm herkommt, wissen zum besten zu wenden, und uns zu seiner Zeit die rechte Bedeutung mitzutheilen, oder, so es ein böses bedeutet, abzuschaffen. +Herzog Johann sagte: Ich halte es mit euch, Herr Cantzler, denn daß wir uns lange darüber grämen und martern sollen, ist nicht zu achten, GOTT wird alles, so dieser Traum von ihm herkommt, wissen zum besten zu wenden, und uns zu seiner Zeit die rechte Bedeutung mitzutheilen, oder, so es ein böses bedeutet, abzuschaffen. 
  
 Der [[vip:friedrichiiisachsen|Churfürst]] sagte: Das thue der getreue GOTT, allein daß ich des Traumes indessen nicht vergesse, ich habe auch wohl bey mir meine Gedanken und Auslegung, aber die behalt ich noch zur Zeit bey mir allein, doch will ich sie auffzeichnen, es wird’s vielleicht die Zeit hernach geben, ob ichs recht getroffen habe, und wir wollen uns diese Tage wieder miteinander unterreden.“  Der [[vip:friedrichiiisachsen|Churfürst]] sagte: Das thue der getreue GOTT, allein daß ich des Traumes indessen nicht vergesse, ich habe auch wohl bey mir meine Gedanken und Auslegung, aber die behalt ich noch zur Zeit bey mir allein, doch will ich sie auffzeichnen, es wird’s vielleicht die Zeit hernach geben, ob ichs recht getroffen habe, und wir wollen uns diese Tage wieder miteinander unterreden.“ 
sagen/graessesachsen005.1709745590.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)