sagen:graessesachsen005
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| - | [[capitel:graessesachsenneu1|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 1]] | | + | **[[capitel:graessesachsen1|Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen - Band 1]]** | |
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| + | ====== Der Traum des Churfürsten Friedrich III. oder des Weisen ====== | ||
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| + | Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz des Meißnischen Obererzgebirges. Lpzg. 1699. 4. S. 809. sq. | ||
| + | S. A. Heumann. Poecile T. III. L. II. p. 88. sq. | ||
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| + | Im Jahre 1591 lebte zu Joachimsthal Magister Bartholomäus Schönbach, ein Geistlicher, | ||
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| + | „Der ehrwürdige Herr Georg Spalatinus hat mir, Antonio Musae, glaubwürdig erzehlet einen Traum, welchen Herzog Friedrich, Churfürst zu Sachsen, gehabt hat zu Schweidnitz, | ||
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| + | Herr Bruder, Euer Liebe muß ich erzehlen, was mir diese Nacht geträumet hat, und möchte ich gerne seine Bedeutung wissen, denn ich ihn so eigentlich und wohl gemerket und mir so tief eingebildet, | ||
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| + | Churfürst Friedrich sagte: Ich will’s E. L. sagen: Als ich mich auff dem Abend zu Bette legte, ziemlich matt und müde, war ich balb über dem Gebet eingeschlaffen, | ||
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| + | Nach Mitternacht war ich bald auff solche Gedanken wieder eingeschlaffen, | ||
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| + | Ich ließ ihm durch den Canzler sagen: Weil mich GOtt solches heist, und er auch sein gewaltig Zeugniß hat, so möchte er schreiben, was ihm befohlen. Darauff fähet der Mönch an zu schreiben, und machte so grobe Schrifft, daß ich sie hier zu Schweinitz erkennen kunte; er führete auch eine so lange Feder, daß sie auch bis gen Rom mit ihrem Hintertheil reichte, und einem Löwen, der zu [[geo:Rom]] lag, mit dem Sturtz in ein Ohr stach, daß der Sturtz zum andern Ohr wieder heraus ging, und strackte sich die Feder ferner biß an der Päbstlichen Heiligkeit dreyfache Krone und stieß so hart daran, daß sie begunte zu wackeln und wolte ihrer Heiligkeit vom Haupte fallen. Wie sie nun also im Fall ist, däucht mich, ich und E. L. stunden nicht weit davon, strackte auch meine Hand aus, und wolte sie helffen halten: in denselben geschwinden zugreiffen erwachte ich und hielt meinen Arm noch in die Höhe, war ganz erschrocken und auch zornig mit auff den Mönch, daß er seine Feder im Schreiben nicht bescheidener führete. | ||
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| + | Als ich mich aber recht besann, da war es ein Traum, ich aber war noch voll Schlaffs, gingen mir die Augen bald wieder zu, und ich war wieder fest eingeschlaffen, | ||
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| + | Darüber erwachte ich zum andern mahl, verwunderte mich, daß der Traum wiederkommen war, ließ mich doch so gar nichts anfechten, bat aber, GOtt wolle Päbstl. Heiligkeit für alle Uebel behüten und schlieff also zum dritten mahl wieder ein. Da kam mir der Mönch wider zum dritten mahl vor, und wir bemüheten uns sehr, dieses Mönches Feder zu zerbrechen, und den Pabst hinwegzuleiten, | ||
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| + | Nichtsdestoweniger ließ ich den Mönch fragen (denn jetzt war ich zu [[geo: | ||
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| + | Er hätte sie auch selbst temperiret: daß sie aber so lang wehret und so fest wäre, käme daher, weil man ihr den Geist nicht nehmen, noch die Seele, wie mit andern Federn geschicht, herausziehen konte, darüber er auch sich selbst nicht genug verwundern könne. Bald darnach kommt ein ander Geschrey aus, es wären aus der langen Mönchsfeder unzehlig viel andere Schreibfedern hier zu [[geo: | ||
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| + | Da ich nun gäntzlich im Traum bey mir beschloß, mich je eher je besser mit dem Mönch in eigner Person zu unterreden, da wachte ich endlich zum dritten mahl auf, und war jetzo Morgen worden, wunderte mich sehr über den Traum, gedacht ihm nach und bildete mir wohl ein, wie er mir nach einander vorkommen und zeichnete mir bald die vornehmsten Stücke zum Gedächtniß auf, bei gäntzlicher Meinung, dieser Traum sey nicht ohne Bedeutung, weil er mir so oft ist vorkommen, und bin bald willens, ihn meinem Beichtvater zu offenbaren, doch habe ich E. L. vorhin auch etwas wissen lassen, E. L. und Cantzler sagen mir ihr Gutdünken davon. | ||
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| + | Herzog Johann sagte: Herr Cantzler, was dünket euch? von Träumen ist nicht viel allemal zu halten, doch sind sie auch nicht gar zu verwerffen! Wenn wir hier einen verständigen, | ||
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| + | Herzog Johann sagte: Ich halte es mit euch, Herr Cantzler, denn daß wir uns lange darüber grämen und martern sollen, ist nicht zu achten, GOTT wird alles, so dieser Traum von ihm herkommt, wissen zum besten zu wenden, und uns zu seiner Zeit die rechte Bedeutung mitzutheilen, | ||
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