sagen:graessepreussenii959
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| + | ====== Die geflügelten Ameisen zu Spangenberg ====== | ||
| + | S. Lyncker a.a.O. S. 131 etc., | ||
| + | nach d. hess. Zeitrechnung u.d.J. 1693. | ||
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| + | Im Schlosse zu Spangenberg kann man bis auf den heutigen Tag am Laurentiustag (10. August) oder auch einen Tag früher oder später eine merkwürdige Erscheinung beobachten. Man sieht nämlich große Schaaren sogenannter geflügelter Ameisen (formica nigra) durch den Schornstein, | ||
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| + | Es wohnte vor langen, langen Jahren auf Schloß Spangenberg ein mächtiger Graf, dem alle Dörfer im Umkreise gehörten und der nebenbei ein eifriger Jäger war. Dieser hatte eine sehr schöne junge Frau und bei dieser zu ihrer Bedienung einen Edelknaben, der leider gegen die Reize derselben nicht gleichgiltig blieb und seine Gefühle zuweilen offenbar an den Tag legte, mehr als es sich für die Stellung, welche er einnahm, paßte. Sein Herr hatte mehrmals Gelegenheit gehabt, dies wahrzunehmen und ihm auch in Folge davon die ernstesten Warnungen zugehen lassen, allein sei es, daß er doch noch hoffte, seinen Zweck zu erreichen, oder daß er zuviel von der Nachsicht seines Gebieters erwartete, er schlug alle Vorsicht in den Wind und wagte es auch fernerhin die Gräfin mit seinen frechen Anträgen zu verfolgen. Pflichtgetreu setzte sie ihren Mann davon in Kenntniß, dieser ließ ihn festnehmen und ins Burgverließ werfen. An einem der folgenden Tage ließ er alle seine Freunde und Nachbarn zu einer großen Jagd in seinen Wäldern am Bromsberge und dem gegenüberliegenden Junkerkopfe einladen, dieselben erschienen auch in großer Anzahl, man zog hinaus in den Wald, erlegte eine Masse Wild und versammelte sich Abends zur festlichen Tafel in der Halle des Schlosses. Als Alles beim Becher saß, da fragte der Burgherr wie zum Spaße seine Gäste, was sie wohl mit dem machen würden, der während sie hier schmausten, zu Hause ihre Gattinnen zu verführen trachtete. Die Angetrunkenen überboten sich im Ersinnen von Martern, welche sie einem solchen Frevler anthun wollten, einer aber meinte: »Ich würde einen solchen Buben nackt ausziehen, seinen Körper mit Honig beschmieren, | ||
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