sagen:graessepreussenii767
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| + | ====== Die letzte Kaisernische und der letzte Krönungsbeutel ====== | ||
| + | Im Römer, dem Frankfurter Rathhaus, ist ein großer alterthümlicher Saal, der sogenannte Kaisersaal, an dessen hohen Fenstern sich der neugekrönte Kaiser dem auf dem Römerberge versammelten Volke in seiner Kaiserpracht zeigte und in dem dann die Majestäten speisten, bedient von Fürsten und Reichsgrafen. An den langen Seitenwänden dieses Saales sind Nischen, in Spitzbögen oben zulaufend angebracht. Dieselben sind schon seit Jahrhunderten zur Aufnahme der deutschen Kaiserbilder benutzt worden, in der neuesten Zeit aber wurden sie entfernt und sind durch Gemälde, welche die deutschen Kaiser von den Karolingern an bis auf Franz II. vorstellen, ersetzt worden. Als diese Nischen im 15. Jhdt. gebaut wurden, dachte man nicht daran, daß hier die Bilder der deutschen Kaiser aufgestellt werden sollten – Frankfurt, schon längst die deutsche Kaiserwahlstadt, | ||
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| + | Bekanntlich ward sonst bei jeder Kaiserkrönung ein Beutel voll goldner und silberner Krönungsmünzen unter das Volk geworfen, als nun die letzte Krönung d. 14. Juli 1792 stattfand und die Münzen unter die sich darum balgende und raufende Menge ausgestreut waren, flog auch zuletzt der Beutel, worin sie enthalten waren, durch die Luft zwischen die Menschenköpfe und einem Bäckergesellen gerade auf die Brust. Mit einem Freudenschrei kreuzte dieser hastig beide Arme über Brust und Beutel und wollte mit seiner Eroberung sich aus dem Staube machen, allein dies ging nicht so leicht, Mehrere hatten den Beutel fliegen sehen und wollten ihn nun seinem Besitzer entreißen. Darüber entspann sich nun ein heftiger Kampf, weil dieser sein Besitzthum männlich vertheidigte. So wälzte sich der um den Beutel kämpfende Haufe über den Römerberg in eine andere Gasse, woselbst ein Bürger Wache stand. Dieser glaubte, der Bäckergeselle habe den Beutel gestohlen und schlug ihn mit seinem Gewehrkolben zu Boden, der Beutel ward ihm entrissen und einer zerrte ihn nun dem andern aus den Händen, bis ihn endlich doch einer davontrug. Allein das Bäckerhandwerk nahm sich des Gesellen an, die richterliche Entscheidung erkannte denselben ihm auch zu und da man wußte, wer ihn hatte, so mußte ihn dieser wieder herausgeben. Als kostbares Besitzthum ward er von da an bis auf den heutigen Tag in der Gesellenlade aufbewahrt und bei Gesellengeboten und wenn ein Geselle zum Meister gemacht ward, legte man den Beutel auf den Deckel der aufgeschlagenen Lade gleich einem Heiligthum, welches an den Ernst und die Feierlichkeit des Augenblicks mahnte. Der Bäckergeselle ward in dem Spitale, wohin er in Folge jenes Schlages besinnungslos gebracht worden war, wieder gesund und hieß fernerhin spottweise das Krönungsköpfchen. | ||
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