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sagen:graessepreussenii634

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     S. Hennenberger S. 257.     S. Hennenberger S. 257.
  
-In Groß-Lichtenau, einem Kirchdorfe im großen oder Marienburgischen Werder unter Conrad von Jungingen, dem XXII. Hochmeister, waren stolze und gottlose Leute; sie hatten sich verschworen ein ganzes Jahr nicht aus dem Kruge zu kommen, darin sie große Schalkheiten, eine nach der andern begingen. Es kam in dies Dorf von Danzig ein weiser Mönch, Montags vor Corporis Christi, terminiren und ging in den Krug zu den fröhlichen Bauern, die schenkten ihm ein. Da er trunken ward hießen sie ihn einen Narren, einen Mönch, der Mann aber ward zornig, hieß sie Esel, Ochsen, Sauen, Ackerschollen. Dies verdroß die Bauern, doch fürchteten sie sich vor den Bann, durften ihm nichts thun. Er aber sprach: »So ich nicht mehr denn Euer schonte, ich wüßte wohl, was ich thun wollte.« Die Bauern hielten vor der Thür einen Rath und vier hielten draußen vor der Thüre einen großen Hopfensack auf, etliche liefen mit ihrer Wehr in die Stube, warfen mit Bierkannen und stellten sich, als ob sie einander erwürgen wollten. Dem Mönche ward bang und er besorgte, er möchte irregularis werden, er wollte zur Stube hinaus, lief den Bauern in den Hopfensack, diese bald mit dem Sack und Mönch über das Feuer in den Rauch, legen nasse Spähne und faul Holz an, der Mönch schalt erstlich, es half ihm aber nicht, denn darüber lachten die Bauern nur hier aussen und machten sich lustig darüber, endlich gab er gute Worte, bat sehr und demüthiglich, da sagte einer: »Gut Ding, die Henne gackert, sie will Eier legen«, ein anderer sagt: »Legt sie nicht Eier, so kommt sie auch nicht aus dem Neste!« Dies währete lang, da erbarmt sich ein altes Mütterlein seiner und bringt ihm von oben heimlich vier Eier, dies erfreut den Mönch und er sagt: »Liebe Herren, ich habe vier Eier gelegt!« Aber die Bauern verstunden andere Eier, er mußte ihnen geloben eins zu essen, damit kam er aus dem Rauche und Hopfensacke, zog heim und starb, und dies blieb also, denn geistliche Leute sollen denen nicht fluchen, von denen sie das Almosen sammeln.+In Groß-Lichtenau, einem Kirchdorfe im großen oder Marienburgischen Werder unter [[vip:konradvonjungingen|Conrad von Jungingen]], dem XXII. Hochmeister, waren stolze und gottlose Leute; sie hatten sich verschworen ein ganzes Jahr nicht aus dem Kruge zu kommen, darin sie große Schalkheiten, eine nach der andern begingen. Es kam in dies Dorf von [[geo:Danzig]] ein weiser Mönch, Montags vor Corporis Christi, terminiren und ging in den Krug zu den fröhlichen Bauern, die schenkten ihm ein. Da er trunken ward hießen sie ihn einen Narren, einen Mönch, der Mann aber ward zornig, hieß sie Esel, Ochsen, Sauen, Ackerschollen. Dies verdroß die Bauern, doch fürchteten sie sich vor den Bann, durften ihm nichts thun. Er aber sprach: »So ich nicht mehr denn Euer schonte, ich wüßte wohl, was ich thun wollte.« Die Bauern hielten vor der Thür einen Rath und vier hielten draußen vor der Thüre einen großen Hopfensack auf, etliche liefen mit ihrer Wehr in die Stube, warfen mit Bierkannen und stellten sich, als ob sie einander erwürgen wollten. Dem Mönche ward bang und er besorgte, er möchte irregularis werden, er wollte zur Stube hinaus, lief den Bauern in den Hopfensack, diese bald mit dem Sack und Mönch über das Feuer in den Rauch, legen nasse Spähne und faul Holz an, der Mönch schalt erstlich, es half ihm aber nicht, denn darüber lachten die Bauern nur hier aussen und machten sich lustig darüber, endlich gab er gute Worte, bat sehr und demüthiglich, da sagte einer: »Gut Ding, die Henne gackert, sie will Eier legen«, ein anderer sagt: »Legt sie nicht Eier, so kommt sie auch nicht aus dem Neste!« Dies währete lang, da erbarmt sich ein altes Mütterlein seiner und bringt ihm von oben heimlich vier Eier, dies erfreut den Mönch und er sagt: »Liebe Herren, ich habe vier Eier gelegt!« Aber die Bauern verstunden andere Eier, er mußte ihnen geloben eins zu essen, damit kam er aus dem Rauche und Hopfensacke, zog heim und starb, und dies blieb also, denn geistliche Leute sollen denen nicht fluchen, von denen sie das Almosen sammeln.
  
 Zu den Bauern kam ein Jacobsbruder, ging von Haus zu Haus, bekam nicht nach seinem Willen und ging zornig in den Krug, wo er alle Bauern beisammen fand. Die schenkten ihm ein und er ward trunken. Da fing er an und sprach: »Ich bin gewest, Gott unverweist, viermal zu Rom, einmal auf St. Michaels Berg, dreimal zu St. Jacob und da habe ich die große Glocke geläutet, von Lindenblättern gemacht; welcher St. Jacobsbruder die läutet, mit einem jeglichen Anschlag erlöset er eine Seele und war solches Rühmens viel. Doch bin ich mein Tage nicht gekommen unter schalkhaftigere, verdammtere, unbarmherzigere Bauern, denn die sind in diesem Dorfe, da man mir weniger gegeben hätte denn hier. Darum in Kraft des heiligen St. Jacobs fluch ich über sie alles Unglück, den Donner und den Tod, bis so lange ich mein Gebet wieder für sie thue.« Dies verdroß die Bauern gar übel; nach Beratschlagung fragt ihn ein Bauer und sagt: »Du seliger Glöckner der wunderbarlichen Glocken zum finstern Stern, was gelüstet Dich zu essen, daß Du von uns abwendest Deinen Grimm und Zorn?« Er sagte: »Bratet mir einen guten Braten!« Die Bauern verstanden, sie sollten ihn braten, und sie nahmen ihn, banden ihn nackend an einen Wißbaum, legten ihn wie einen Braten zum Feuer, wendeten ihn um, betropften ihn mit heißer Butter, nach einer guten Weile nahmen sie ihn ab, beschütteten ihn mit kleinem Salz, und er ging vor das Dorf und starb und dies blieb auch ungestraft. Denn Bettler sollen gute Leute nicht zum Almosen drängen mit Lügen. Der Krug hieß aber seitdem »zur Höllen.« Zu den Bauern kam ein Jacobsbruder, ging von Haus zu Haus, bekam nicht nach seinem Willen und ging zornig in den Krug, wo er alle Bauern beisammen fand. Die schenkten ihm ein und er ward trunken. Da fing er an und sprach: »Ich bin gewest, Gott unverweist, viermal zu Rom, einmal auf St. Michaels Berg, dreimal zu St. Jacob und da habe ich die große Glocke geläutet, von Lindenblättern gemacht; welcher St. Jacobsbruder die läutet, mit einem jeglichen Anschlag erlöset er eine Seele und war solches Rühmens viel. Doch bin ich mein Tage nicht gekommen unter schalkhaftigere, verdammtere, unbarmherzigere Bauern, denn die sind in diesem Dorfe, da man mir weniger gegeben hätte denn hier. Darum in Kraft des heiligen St. Jacobs fluch ich über sie alles Unglück, den Donner und den Tod, bis so lange ich mein Gebet wieder für sie thue.« Dies verdroß die Bauern gar übel; nach Beratschlagung fragt ihn ein Bauer und sagt: »Du seliger Glöckner der wunderbarlichen Glocken zum finstern Stern, was gelüstet Dich zu essen, daß Du von uns abwendest Deinen Grimm und Zorn?« Er sagte: »Bratet mir einen guten Braten!« Die Bauern verstanden, sie sollten ihn braten, und sie nahmen ihn, banden ihn nackend an einen Wißbaum, legten ihn wie einen Braten zum Feuer, wendeten ihn um, betropften ihn mit heißer Butter, nach einer guten Weile nahmen sie ihn ab, beschütteten ihn mit kleinem Salz, und er ging vor das Dorf und starb und dies blieb auch ungestraft. Denn Bettler sollen gute Leute nicht zum Almosen drängen mit Lügen. Der Krug hieß aber seitdem »zur Höllen.«
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