sagen:graessepreussenii472
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| + | ====== Die Pommerschen Menschenfresser ====== | ||
| + | S.I. Prätorius, Unerhörte Brodsverwandelung, | ||
| + | Stärkung und Ermangelung etc. im Wunder Jahr 1678 o.O.u.I. in 4°. Bogen B. | ||
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| + | Im Dorfe Wolsin, welches anderthalb Meilen Weges von Lippen gegen Stettin zu liegt, ist ein Mann, der vor diesem als fromm und aufrichtig und eines guten Gemüthes bekannt war, mit Namen Joachim Burckhard, von großen Hungers wegen, weil er etliche Jahre lang von seinen Gütern und Aeckern nichts genießen, noch einernten können, nach dem Städtlein Lippen zu gegangen mit zweien Söhnen, Adam und Fritzchen, bei seinem Weibe vorgebend, er wolle in die Stadt gehen und sich mit beiden Söhnen unterhalten lassen, sie aber solle sich fertig machen und nachkommen, weil sie Hungers halben keine Mittel mehr hätten, daß sie das Leben erhalten könnten. Weil sie aber so matt waren, daß sie Schwachheit halber die Stadt nicht erreichen konnten, sind sie zu Klein-Brödene, | ||
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| + | Nach diesem weiden sie die Leiche aus, schneiden und schälen das Fleisch ab und weil sie ein Tönnlein, darin grob Steinsalz, das in Heringen gewesen, gefunden, haben sie es eingesalzen und etliches eines Theils roh, eines Theils ein wenig gebraten gegessen, das Meiste aber mit zurück nach Hause genommen und also von dem ersten Vorsatz abgelassen, in die Stadt zu gehen. Wie er nach Hause kommt, spricht er: »Liebes Weib, hier bringe ich Fleisch, ich habe unterwegs ein wildes Schwein bekommen, das habe ich gemetzigt und bringe Dir auch etwas davon. Vielleicht wird es auch ein Mittel sein, das Leben zu erhalten!« Die Frau, welche auch hungerte, fuhr mit großer Begierde zu, sott es nur auf und aß es. Es sind aber die vier Personen, weil die Sechswöchnerin voll der Pestilenz gewesen, innerhalb vier Tagen alle gestorben, bis auf den jüngsten Sohn Friedrich Burckhard, der hernach im Amte zu Lippen solches ausgesagt hat und den zwölften Tag in gefänglicher Haft gestorben ist. Die Todtengräber haben darnach Haussuchung halten müssen und von dem Fleische mehr als die Hälfte gefunden, welches auf dem Kirchhofe selbigen Ortes nebst dem kleinen Kindlein, welches auch todt gefunden worden ist, begraben worden und ist den 2. Junius 1678 zu Lippen eine Tafel, darauf dieser Vorgang geschrieben, | ||
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