sagen:graessepreussenii360
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| + | ====== Die Bekehrung der Pommern durch Bischof Otto von Bamberg ====== | ||
| + | S. Kanngießer S. 548-623. | ||
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| + | Nachdem nun Bischof Otto den Neugetauften den ersten Unterricht im christlichen Glauben ertheilt hatte, legte er zu Pyritz den Grund zu einer Kirche und richtete gleichzeitig auch den Gottesdienst daselbst ein, dann aber begab er sich nach der Residenz des Herzogs, dem damals sehr kleinen Flecken Kammin (24. Juni 1124), wo ihm aber Helia, die Gemahlin des Herzogs, eine Christin, bereits den Weg geebnet hatte, so daß die ganze Bevölkerung der Stadt und Umgegend sich sofort bereit zeigte, die Taufe anzunehmen. Ebendaselbst trat denn auch der Herzog Wratislav selbst zum Christenthum über und schwur gleichzeitig auch, daß er seine 24 Kebsweiber, die er nach heidnischem Gebrauche neben seiner Ehegemahlin angenommen hatte, aufgeben wolle. Zur Herstellung des regelmäßigen Gottesdienstes ward nun aber auch hier in aller Eile eine Kirche errichtet. Eine einzige Person zeigte sich jedoch zu Kammin widerspenstig, | ||
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| + | Von Kammin begab sich nun der Bischof zu Schiffe nach Julin, ward aber von dem Frachtführer Domeslav, Vater und Sohne, unterwegs bange gemacht und verleitet, sich des Nachts in Julin heimlich einzuschleichen. Darüber entstand ein Auflauf und Otto sammt seinen Begleitern ward genöthigt, das herzogliche Schloß in Julin wieder zu verlassen. Bei seinem Rückzuge aus der Stadt warf indeß plötzlich ein roher Mann mit einem gewaltigen Stocke nach dem Kopfe des Bischofs, dieser aber wendete den Kopf und empfing den Schlag auf die Schulter, jedoch ward ihm davon auch das Knie erschüttert. Da noch ein anderer Mann aus der Entfernung einen Prügel nach ihm warf, so fiel der Bischof, welchen seine Begleiter der Oberst Paulitius und der Priester Hiltan in ihrer Mitte am Arme führten, von der Fußbrücke in den Koth; zwar halfen sie ihm wieder auf die Beine, allein er mußte doch die Stadt verlassen. Vor derselben verweilte er fünf Tage, die Vorsteher der Stadt entschuldigten sich und legten einigen Hitzköpfen aus dem Pöbel die Schuld bei, allein als sie wegen Annahme des Christenthums sich mit der Bürgerschaft berathschlagten, | ||
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| + | Unterdessen kam nun aber die von Otto an Boleslaus geschickte Gesandtschaft zurück und brachte von diesem zur Antwort, wenn die Pommern das Christenthum annähmen, so wolle er die Steuern und den Druck der Knechtschaft, | ||
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| + | Außer diesem Tempel Triglafs, welcher zuerst zertrümmert wurde, gab es damals in Stettin noch drei Versammlungshäuser, | ||
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| + | Bischof Otto ging nun nach Cherg und Lubinum (jetzt Lebbahn, ein Vorwerk) und führte daselbst das Christenthum ein, von da aber wieder nach Julin, wo er diesmal mit den größten Ehrenbezeugungen aufgenommen ward und die Einwohner ohne die allermindeste Schwierigkeit bekehrte. Blos die bisherigen Priester der Götzen widerstanden seinen Lehren, allein sie hatten keine Macht mehr gegen ihn, da das gesammte Volk ihm zuströmte, sie mußten sich also damit begnügen, ihn mit Verleumdungen und Schmähreden anzugreifen, | ||
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| + | Nachdem nun Bischof Otto noch die Einwohner von Clodona, des jetzigen Gollnow, so wie die einer verwüsteten Stadt, unter der man sich wahrscheinlich Naugard zu denken hat, getauft hatte, führte er auch in Colberg und Belgard das Christenthum ein, begab sich aber, als er alle eingerichteten Gemeinden bereist und die indessen fertig gewordenen Kirchen geweiht hatte, endlich durch Böhmen nach Bamberg zurück, wo er am 18. März 1125 wieder eintraf. Indeß hatte er nur das Land zwischen der Oder und Persante bekehrt, das linke Ufer der Oder war heidnisch geblieben, und so kam es, daß der Anblick der den alten Götzen noch dienenden Landsleute auch die schon bekehrten Pommern wieder vom Christenthum abwendig zu machen anfing, denn zwölf Kirchen und zwölf bis zwanzig von ihm in dem bekehrten Theile Pommerns zurückgelassene Geistliche reichten nicht hin, die neue Religion zu befestigen und wahrhaft christlichen Geist zu verbreiten. | ||
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| + | Es war also nöthig, daß Otto zum zweiten Male nach Pommern ging, um sein so schön begonnenes Werk zu Ende zu führen, allein die politischen Wirren in Deutschland seit der Erhebung Herzogs Lothar von Sachsen zum deutschen König hinderten ihn, eher als im Jahre 1128 seine zweite Reise nach Pommern anzutreten, wo namentlich die Städte Julin und Stettin rückfällig zur Abgötterei geworden waren. Er ging über Merseburg und Halle nach Magdeburg, wo er sich mit dem h. Norbert unterredete, | ||
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| + | Mittlerweile hatten aber die christlich gewordenen Freiherrn und Städte in Pommern geglaubt, durch die Annahme des Christenthums in die Rechte eines freien Volkes eingesetzt worden zu sein, hatten ihre Steuern an Boleslaus von Polen nicht mehr bezahlt und so kam es, daß dieser im Jahre 1128 mit einem Heere an die Pommersche Grenze rückte, um sie eines Bessern zu belehren. Da bekamen aber die Pommern Furcht und baten den Bischof, sich mit einem Ausschusse ihrer Stände in das Polnische Lager zu begeben und den Herzog zu begütigen. Dies gelang ihm auch. Boleslaus bestätigte den Frieden und zog sich zurück. Inzwischen hatte Otto erfahren, daß die heidnischen Rugier aus Zorn, daß durch seine Bemühungen die Pommern zum Christenthum bekehrt worden waren, gedroht, ihn mit dem Tode zu bestrafen, wenn er sich einfallen lassen werde, auf ihre Insel zu kommen. Aber gerade diese Nachricht erregte in ihm die Begierde nach Rügen zu ziehen und sich dort die Krone des Martyrthums zu erwerben. Allein seine Gefährten ließen es nicht zu und stellten ihm vor, daß sein längeres Leben ihnen allen zu nützlich und ganz unentbehrlich sei und so gestattete er es denn, daß an seiner Statt einer seiner thätigsten Gehilfen, Udalrich genannt, dorthin ziehe. Dieser bestieg also ein Schiff und fuhr unter den heißen Segenswünschen seiner bisherigen Gefährten ab. Allein nur drei Stunden blieb der Wind günstig, dann ward das Schiff von Stürmen hier und dahin geworfen und endlich ans Ufer zurückgetrieben. Udalrich, obwohl vom Regen durchnäßt und ganz erschöpft, war gleichwohl von seinem Vorhaben nicht abzubringen, | ||
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| + | Er zerstörte dann die noch übrigen Tempel und sonstigen Heiligthümer des Heidenthums, | ||
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| + | Nachdem Otto nun noch die Stadt Stettin mit ihrem Herzog wieder ausgesöhnt hatte, bestieg er ein Schiff und fuhr nach Julin. Unterwegs aber hatte jener heidnische Priester, der ihn damals bei seiner Rede unterbrochen hatte, an einer engen Stelle des Fahrwassers eine Schaar Mordgesellen in einen Hinterhalt gelegt, welche in das Schiff sprangen, über die Reisenden herfielen und den Bischof zu ermorden suchten, allein sie wurden von den Matrosen überwältigt und wieder zum Schiffe hinausgetrieben. Jener Priester aber, welcher den Ueberfall veranstaltet hatte und zu derselben Stunde bei seinen Freunden in Stettin saß, ward in derselben Minute vom Schlage getroffen, sein Kopf ward auf den Rücken gedreht und unter fürchterlichen Zuckungen hauchte er sein Leben aus, während ein entsetzlicher Gestank seinem weit geöffneten Munde entströmte. Nun war aber die Stadt Julin das Jahr vorher durch Feuer, welches vom Himmel gefallen war, an demselben Tage, wo sich die Bürger versammelt hatten, um einige bisher verborgen gehaltene Götzenbilder wieder aufzustellen und anzubeten, verzehrt worden. Auch die hölzerne Kirche zu St. Adalbert war mit abgebrannt, blos der Theil, wo der Altar sich befand, war, ob er gleich mit Rohr bedeckt und Leinwand darunter, um die Würmer abzuhalten, ausgespannt gewesen war, vom Feuer verschont worden. Als nun der Bischof anlangte, so bedurfte es nach einem solchen Wunder keines großen Zuredens von Seiten desselben, sie mit der Kirche auszusöhnen. Indeß verrichtete er verschiedene Wunder, heilte unter andern einen Mondsüchtigen, | ||
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| + | Obwohl nun Bischof Otto abermals auf seinen alten Plan zurückkam, die Rugier zu bekehren, ließ er sich doch von den Stettinern schließlich davon abbringen. Er kehrte endlich durch Polen und Sachsen wieder nach Bamberg in sein Bisthum zurück, wo er den 20. Dezember 1128 anlangte, aber so lange er lebte in Verbindung mit Pommern blieb, bis er im 70. Jahre seines Alters, den 30. Juni 1139, starb. Er ward im Jahre 1189 vom Papst Clemens III. unter die Heiligen versetzt und sein Grab, auf dem er im bischöflichen Ornate in Stein gehauen ist, gilt noch jetzt als ein Heilsort für alle, welche an Gicht, Rheumatismus und ähnlichen Uebeln leiden. | ||
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sagen/graessepreussenii360.1737487133.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
