sagen:graessepreussenii357
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| - | An der nordöstlichen Küste der Insel Usedom hat vor mehr als tausend Jahren eine große Stadt gestanden, Wineta genannt, mit einem großen Hafen. Diese Stadt ist aber umfangreicher gewesen, denn irgend eine andere in Europa. Bewohnt haben sie Griechen, Slaven, Wenden und andere Völker. Auch die Sachsen haben darin wohnen dürfen, doch das Christenthum zu bekennen war ihnen nicht erlaubt, denn alle Bürger sind Heiden geblieben bis zur endlichen Zerstörung und dem Untergang der Stadt. Trotzdem sind aber die Einwohner in Zucht, Sitte und Herberge bescheiden und so fromm gewesen, als irgend eine andere Nation. Die Stadt ist aber stets voll gewesen von jeglicherlei Waaren und hat Alles gehabt, was nur seltsam, angenehm und nöthig gewesen ist. | + | An der nordöstlichen Küste der Insel [[region:Usedom]] hat vor mehr als tausend Jahren eine große Stadt gestanden, |
| - | Wann die Stadt untergegangen ist, weiß man nicht. Die Bewohner dieser Stadt waren aber durch ihren Handel so wohlhabend geworden, daß ihre Stadtthore aus Erz und Glockengut, die Glocken aber aus Silber gemacht waren, und das Silber war überhaupt so gemein in der Stadt, daß man es zu den gewöhnlichsten Dingen gebrauchte und die Kinder auf den Straßen mit den harten Thalern spielten. Allein durch diesen Reichthum und Luxus verschlimmerten sich auch die Sitten der Bürger, sie fingen an unter sich uneinig zu werden, weil jedes der hier wohnenden Völker den Vorzug vor dem andern haben wollte. Daher sollen die Einen die Schweden, die Andern die Dänen zu Hilfe gerufen haben und jene natürlich bereitwillig gekommen sein, nicht um ihnen zu helfen, sondern um die reiche Stadt zu zerstören und gute Beute zu machen. Dies soll zu den Zeiten Karl's des Großen geschehen sein. Nach einer anderen Sage aber hätten nicht äußere Feinde, sondern die strafende Hand Gottes die üppige Stadt zerstört, sie wäre vom Meere verschlungen worden. Darauf seien die Schweden mit Schiffen aus Gothland gekommen, hätten aus dem Meere eine große Masse von Silber, Gold, Erz und andern Kostbarkeiten herausgefischt und wären dann mit den erzenen Stadtthoren, | + | Wann die Stadt untergegangen ist, weiß man nicht. Die Bewohner dieser Stadt waren aber durch ihren Handel so wohlhabend geworden, daß ihre Stadtthore aus Erz und Glockengut, die Glocken aber aus Silber gemacht waren, und das Silber war überhaupt so gemein in der Stadt, daß man es zu den gewöhnlichsten Dingen gebrauchte und die Kinder auf den Straßen mit den harten Thalern spielten. Allein durch diesen Reichthum und Luxus verschlimmerten sich auch die Sitten der Bürger, sie fingen an unter sich uneinig zu werden, weil jedes der hier wohnenden Völker den Vorzug vor dem andern haben wollte. Daher sollen die Einen die Schweden, die Andern die Dänen zu Hilfe gerufen haben und jene natürlich bereitwillig gekommen sein, nicht um ihnen zu helfen, sondern um die reiche Stadt zu zerstören und gute Beute zu machen. Dies soll zu den Zeiten |
| - | Angeblich soll man aber noch heutigen Tages sehen können, wo sie gestanden hat. Wenn man nämlich von Wolgast über die Peene in die Gegend von Usedom geht und in die Nähe des Dorfes Damerow kommt, da sah man noch zur Zeit Kanzow' | + | Angeblich soll man aber noch heutigen Tages sehen können, wo sie gestanden hat. Wenn man nämlich von [[geo:Wolgast]] über die Peene in die Gegend von Usedom geht und in die Nähe des Dorfes Damerow kommt, da sah man noch zur Zeit Kanzow' |
| Man erzählt nun aber jetzt noch wunderliche Dinge über das, was man bei stillem Wetter auf dem Meeresgrunde, | Man erzählt nun aber jetzt noch wunderliche Dinge über das, was man bei stillem Wetter auf dem Meeresgrunde, | ||
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