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sagen:graessepreussenii328

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 +> Sage des Monats Oktober 2025
  
 ====== Der Schatz auf der Landskrone ====== ====== Der Schatz auf der Landskrone ======
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 Einmal hat eine arme Frau mit ihrem Kinde auf der Landeskrone sich ergangen und das Kind hat gespielt und so in seiner Unschuld die Thüre zu dem Schatze gefunden, ist hingegangen, hat auch seiner Mutter zugeschrieen, die dem Kinde nachgegangen und so ebenfalls in das Gewölbe gekommen ist, wo sie nun sehr viel Gold und Edelsteine aufgerafft und mitgenommen hat. Sie hat aber vergessen ihr Kindlein, welches neben ihr auf der Erde sitzen geblieben war, mitzunehmen, hat auch erst zu Hause wieder an das Kind gedacht, ist zwar in großer Angst nach dem Berge zurückgelaufen, das Kind zu suchen, hat aber weder die Thüre zu dem Gewölbe noch das Kind wiederfinden können. Das Geld und Gut ist bald zerronnen und hat die Mutter dann weder Geld noch Kind gehabt, was sie nicht ertragen gekonnt. Sie hat sich deshalb verzweiflungsvoll in einen tiefen Born gestürzt. Einmal hat eine arme Frau mit ihrem Kinde auf der Landeskrone sich ergangen und das Kind hat gespielt und so in seiner Unschuld die Thüre zu dem Schatze gefunden, ist hingegangen, hat auch seiner Mutter zugeschrieen, die dem Kinde nachgegangen und so ebenfalls in das Gewölbe gekommen ist, wo sie nun sehr viel Gold und Edelsteine aufgerafft und mitgenommen hat. Sie hat aber vergessen ihr Kindlein, welches neben ihr auf der Erde sitzen geblieben war, mitzunehmen, hat auch erst zu Hause wieder an das Kind gedacht, ist zwar in großer Angst nach dem Berge zurückgelaufen, das Kind zu suchen, hat aber weder die Thüre zu dem Gewölbe noch das Kind wiederfinden können. Das Geld und Gut ist bald zerronnen und hat die Mutter dann weder Geld noch Kind gehabt, was sie nicht ertragen gekonnt. Sie hat sich deshalb verzweiflungsvoll in einen tiefen Born gestürzt.
  
-Es war am Ende des 16. Jhdts. als [[vip:jacobboehme|Jacob Böhme]], der Sohn eines Landmannes aus Alt-Seidenberg, welcher in der Nähe von Görlitz bei einem wohlhabenden Bauer Hirtenstelle versah, seine Heerde in der Nähe der Landeskrone auf die Weide trieb. Träumerisch, wie der Knabe war, welcher später die Stadt Görlitz, seinen Wohnsitz im Mannesalter so berühmt machen sollte, kam er vom Wege und den Plätzen, wo das Vieh geweidet werden sollte, immer weiter ab, und wie er denn überhaupt sich gern aus der Nähe der Menschen in das Dickicht des Waldes zurückzuziehen pflegte, so dachte er auch heute nicht an seine Heerde, er kletterte über bemooste Felsen, wand sich durch die dichten Gruppen der Farrenkräuter und kam so ohne es zu wollen immer höher hinauf, bis es ihm endlich einfiel, daß er doch wieder zu seinen Thieren zurück müsse; er suchte nun eilig bergab zu kommen und erblickte beim Herabklettern einen offenen Eingang in den Berg, von welcher Oeffnung aber er noch nie etwas gesehen oder reden gehört hatte. Rings waren Gestrüpp und Sträucher aller Art gewachsen und das Eindringen nicht leicht, doch schimmerten die rothen Steine vor der Höhle zu lockend für den neugierigen Knaben, daß er nicht hätte versuchen sollen, in das geheimnißvolle Innere zu dringen. Nach einiger Zeit gelang es ihm endlich. Allein wie staunte er, als beim Eintritt ihm eine Bütte aufstieß, deren Inhalt bei genauer Betrachtung sich als pures, reines Gold erwies. Anfangs starrte der Knabe regungslos auf den kostbaren Schatz, dessen kleinster Theil hingereicht haben würde, ihn und seine mühsam ihr Leben fristenden Eltern zu wohlhabenden Leuten zu machen. Schon streckte er die Hände aus nach der Bütte, da fielen ihm auf einmal alle die Spukgeschichten ein, die er als Kind von Berggeistern und Kobolden gehört hatte. Er stürzte eilends fort aus der gefährlichen Nähe des verlockenden Goldes, drängte sich blindlings durch die hemmenden Sträucher, achtlos auf die Dornen, welche sich an ihn hakten und seine Kleider zerrissen, und lief hastigen Schrittes den Berg hinab, froh, der drohenden Gefahr entgangen zu sein, als er endlich wieder seine ruhig weidende Heerde erreichte. Wohl erzählte er sein Abenteuer zu Hause, wohl versuchten Andere den Schatz zu heben, allein sie kehrten stets fruchtlos zurück, Keiner hatte den Eingang zu der verzauberten Höhle gefunden.+Es war am Ende des 16. Jhdts. als [[vip:jakobboehme|Jacob Böhme]], der Sohn eines Landmannes aus Alt-Seidenberg, welcher in der Nähe von Görlitz bei einem wohlhabenden Bauer Hirtenstelle versah, seine Heerde in der Nähe der Landeskrone auf die Weide trieb. Träumerisch, wie der Knabe war, welcher später die Stadt Görlitz, seinen Wohnsitz im Mannesalter so berühmt machen sollte, kam er vom Wege und den Plätzen, wo das Vieh geweidet werden sollte, immer weiter ab, und wie er denn überhaupt sich gern aus der Nähe der Menschen in das Dickicht des Waldes zurückzuziehen pflegte, so dachte er auch heute nicht an seine Heerde, er kletterte über bemooste Felsen, wand sich durch die dichten Gruppen der Farrenkräuter und kam so ohne es zu wollen immer höher hinauf, bis es ihm endlich einfiel, daß er doch wieder zu seinen Thieren zurück müsse; er suchte nun eilig bergab zu kommen und erblickte beim Herabklettern einen offenen Eingang in den Berg, von welcher Oeffnung aber er noch nie etwas gesehen oder reden gehört hatte. Rings waren Gestrüpp und Sträucher aller Art gewachsen und das Eindringen nicht leicht, doch schimmerten die rothen Steine vor der Höhle zu lockend für den neugierigen Knaben, daß er nicht hätte versuchen sollen, in das geheimnißvolle Innere zu dringen. Nach einiger Zeit gelang es ihm endlich. Allein wie staunte er, als beim Eintritt ihm eine Bütte aufstieß, deren Inhalt bei genauer Betrachtung sich als pures, reines Gold erwies. Anfangs starrte der Knabe regungslos auf den kostbaren Schatz, dessen kleinster Theil hingereicht haben würde, ihn und seine mühsam ihr Leben fristenden Eltern zu wohlhabenden Leuten zu machen. Schon streckte er die Hände aus nach der Bütte, da fielen ihm auf einmal alle die Spukgeschichten ein, die er als Kind von Berggeistern und Kobolden gehört hatte. Er stürzte eilends fort aus der gefährlichen Nähe des verlockenden Goldes, drängte sich blindlings durch die hemmenden Sträucher, achtlos auf die Dornen, welche sich an ihn hakten und seine Kleider zerrissen, und lief hastigen Schrittes den Berg hinab, froh, der drohenden Gefahr entgangen zu sein, als er endlich wieder seine ruhig weidende Heerde erreichte. Wohl erzählte er sein Abenteuer zu Hause, wohl versuchten Andere den Schatz zu heben, allein sie kehrten stets fruchtlos zurück, Keiner hatte den Eingang zu der verzauberten Höhle gefunden.
  
-Der alte [[lex:Postillon]] Matthes aus [[geo:buchholzvierkirchen|Krischa]], der daselbst nach seiner Dienstentlassung noch im Jahre 1826 lebte, ging jede [[geo:Johannisnacht]] auf die Landeskrone und erhob dort von dem Schatze des Ziscibor jedesmal soviel, als er das Jahr über brauchte. In der Gegend umher glaubten dies die Leute steif und fest, und die Weissenberger Bürger schickten einst Abgeordnete zu ihm, die ihm vieles Geld boten, wenn er sie mit dort hinauf nehmen wollte, denn die Bürger hofften so die Stadtschulden bezahlen zu können, die ihnen gar zu viel zu schaffen machten, allein er wies ihre Bitten stets zurück.+Der alte [[lex:Postillon]] Matthes aus [[geo:buchholzvierkirchen|Krischa]], der daselbst nach seiner Dienstentlassung noch im Jahre 1826 lebte, ging jede [[zeit:Johannisnacht]] auf die Landeskrone und erhob dort von dem Schatze des Ziscibor jedesmal soviel, als er das Jahr über brauchte. In der Gegend umher glaubten dies die Leute steif und fest, und die Weissenberger Bürger schickten einst Abgeordnete zu ihm, die ihm vieles Geld boten, wenn er sie mit dort hinauf nehmen wollte, denn die Bürger hofften so die Stadtschulden bezahlen zu können, die ihnen gar zu viel zu schaffen machten, allein er wies ihre Bitten stets zurück.
  
 Man sagt, daß wenn man in das Gewölbe hineinkomme, wo der Schatz liegt, so sehe man Ziscibor vor sich sitzen, mit einer weichen Semmel in der Hand. Der Schatz besteht aus drei Tonnen voll geprägter Münzen. In der einen Tonne liegen die Goldstücken, in der andern die harten Thaler und in der dritten die kleine Münze. Wenn man nun drei ganz schwarze Thiere, an denen kein weißes Härchen sein darf, nämlich eine Katze, einen Ziegenbock und einen Hund bekommen könne, so wäre der Schatz leicht zu heben. Denn wenn man mit diesen auf der Landeskrone ankomme, so werde sich die Thüre von selbst aufthun und man könne dann nehmen, soviel man wolle. Beim Weggehen aber müsse man sich hüten, einen Blick rückwärts zu thun, wenn auch das Kettengerassel noch so furchtbar sein sollte. Man sagt, daß wenn man in das Gewölbe hineinkomme, wo der Schatz liegt, so sehe man Ziscibor vor sich sitzen, mit einer weichen Semmel in der Hand. Der Schatz besteht aus drei Tonnen voll geprägter Münzen. In der einen Tonne liegen die Goldstücken, in der andern die harten Thaler und in der dritten die kleine Münze. Wenn man nun drei ganz schwarze Thiere, an denen kein weißes Härchen sein darf, nämlich eine Katze, einen Ziegenbock und einen Hund bekommen könne, so wäre der Schatz leicht zu heben. Denn wenn man mit diesen auf der Landeskrone ankomme, so werde sich die Thüre von selbst aufthun und man könne dann nehmen, soviel man wolle. Beim Weggehen aber müsse man sich hüten, einen Blick rückwärts zu thun, wenn auch das Kettengerassel noch so furchtbar sein sollte.
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-{{tag>sagen graesse sagenbuchpreussen2 oberlausitz görlitz buchholzvierkirchen 952 1826 johannisnacht Ziscibor schatz landeskrone jacobboehme armut münze gold edelstein kind vergessen quelle selbstmord monatplanung v2}}+{{tag>sagen graesse sagenbuchpreussen2 oberlausitz görlitz buchholzvierkirchen 952 1826 johannisnacht Ziscibor schatz landeskrone jakobboehme armut münze gold edelstein kind vergessen quelle selbstmord Postillon monat 2025 v2}}
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