sagen:graessepreussenii328
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| ====== Der Schatz auf der Landskrone ====== | ====== Der Schatz auf der Landskrone ====== | ||
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| - | Als eine Art Vorwacht des Riesengebirges erhebt sich eine Stunde von Görlitz ein hoher Berg mit reizender Aussicht; seine Gestalt mit den zwei Wipfeln gleicht der Krone des weiland heiligen römischen Reiches und deshalb hat ihn der Volksmund die Landeskrone genannt. Einst zierten diese beiden Gipfel zwei stattliche Schlösser sammt einem Meierhofe; eine alte Grundmauer an der Mitternachtsseite des Berges bezeichnet noch den Umfang des einen Schloßhofes, | + | Als eine Art Vorwacht des [[region: |
| - | Es war im Jahre 952, unter der Regierung des großen deutschen Kaisers Otto im h. Römischen Reiche und während Markgraf Gero in den Gauen der Lausitz herrschte, daß ein gewisser Aloys Ziscibor auf Biesnitz, ein kaiserlicher pensionirter Oberstlieutenant vom Longobardischen Regiment, ein ebenso kluger als tapferer Mann, der aber in der Schlacht ein Bein durch eine große Steinkugel verloren hatte, auf den Gedanken kam, auf diesem waldumsäumten Berge sich zwei Schlösser und einen Meierhof zu bauen. Um die Baumaterialien auf den Berg zu schaffen, wurden in Biesnitz zwei ganzer Jahre lang nicht weniger als zwölf große Pferde gehalten, das Bauholz führte man aus der markgräflichen Haide Stambulum mit großer Mühe durch Moräste und über Bäche herbei, die Steine brach man bei dem Dorfe Gerlois oder Gerlachs, woraus später die Stadt Görlitz entstand, viele auch an und auf der Landeskrone selbst und der Kalk wurde bei den Dörfern Hennsdorf und Lumanns- oder Ludwigsdorf von dem Bauer Marcus Sprengel erkauft. Im Sommer des schon genannten Jahres wurden nun die Baumaterialien bis nahe an den Berg gefahren und das Holz von geprüften Zimmergesellen auf der Morgenseite der Landeskrone bearbeitet. Hundert Stöße Bruchsteine, | + | Es war im Jahre 952, unter der Regierung des großen deutschen |
| - | Im April 953 wurde der Anfang mit dem Wohnhause in dem Meierhofe gemacht; dieses Haus ward ein Stockwerk hoch gemauert und enthielt vier Stuben und einen sehr großen Pferdestall. Nach Vollendung dieses Gebäudes fing man mit dem Bau des ersten Schlosses auf dem Gipfel des Berges gegen Mitternacht zu an. Dieses Schloß ward sehr fest gebaut, es war drei Stockwerke hoch und bekam ein italienisches oder welsches Dach. Der Bauherr gab sich nun die größte Mühe, es sehr fest bauen zu lassen, daher er aus Schlesien sehr vielen Gips holen ließ, die Mauern halb mit Gips und halb mit Kalk mauern, auch mit Cement verschmieren und mit sehr starken eisernen Bändern verankern und verriegeln ließ. Die Fenster des untern Stockswerks bekamen eiserne Stäbe, eines Mannes Arm stark. In das Schloß führten drei Thüren von starken eichenen Doppelbretern und jede Thüre ward von innen mit drei eisernen Riegeln von der Stärke eines Beines verriegelt und versperrt. Die Gewölbe hatten die stärksten eisernen Thüren und der Eingang wurde durch eine verborgene Art und Weise gemacht. Als nun das Schloß fertig war und die mächtigen dreistöckigen Keller gewölbt, hat dieser Oberstlieutenant Ziscibor viele Nächte hintereinander alle seine silbernen und goldenen Geräthschaften, | + | Im April 953 wurde der Anfang mit dem Wohnhause in dem Meierhofe gemacht; dieses Haus ward ein Stockwerk hoch gemauert und enthielt vier Stuben und einen sehr großen Pferdestall. Nach Vollendung dieses Gebäudes fing man mit dem Bau des ersten Schlosses auf dem Gipfel des Berges gegen Mitternacht zu an. Dieses Schloß ward sehr fest gebaut, es war drei Stockwerke hoch und bekam ein italienisches oder welsches Dach. Der Bauherr gab sich nun die größte Mühe, es sehr fest bauen zu lassen, daher er aus [[region:Schlesien]] sehr vielen Gips holen ließ, die Mauern halb mit Gips und halb mit Kalk mauern, auch mit Cement verschmieren und mit sehr starken eisernen Bändern verankern und verriegeln ließ. Die Fenster des untern Stockswerks bekamen eiserne Stäbe, eines Mannes Arm stark. In das Schloß führten drei Thüren von starken eichenen Doppelbretern und jede Thüre ward von innen mit drei eisernen Riegeln von der Stärke eines Beines verriegelt und versperrt. Die Gewölbe hatten die stärksten eisernen Thüren und der Eingang wurde durch eine verborgene Art und Weise gemacht. Als nun das Schloß fertig war und die mächtigen dreistöckigen Keller gewölbt, hat dieser Oberstlieutenant |
| - | Man baute nun rüstig weiter, allein es fielen manche Unannehmlichkeiten vor, so daß Jocant Faust, ein Sorbe und sächsischer Unterthan, von dem Bauherrn den Abschied begehrte, ihn aber nicht erhielt. Hernach rebellirten die Handwerker, es entstanden unter ihnen Händel und große Schlägereien, | + | Man baute nun rüstig weiter, allein es fielen manche Unannehmlichkeiten vor, so daß Jocant Faust, ein Sorbe und sächsischer Unterthan, von dem Bauherrn den Abschied begehrte, ihn aber nicht erhielt. Hernach rebellirten die Handwerker, es entstanden unter ihnen Händel und große Schlägereien, |
| - | Nun fing man auch das andere Schloß zu bauen an; es wurde zwar nicht so prächtig als das erste gebaut, jedoch aber aus Steinen und Kalk gemauert und ebenso befestigt. Dieses Schloß enthielt nun aber im ersten und zweiten Stockwerk die schönsten Stuben und Kammern, im dritten aber die anmuthigsten Erker und Söller. Von Außen ging eine Gallerie um das Schloß herum. Es stand an der Mittagsseite des Berges. Zuletzt wurde noch ein Stallgebäude und ein Wagenschuppen gebaut und der Hof mit einer Mauer umgeben. Nachdem Alles fertig war, zog der Ritter Tugomir mit seinen Reisigen in die Winterquartiere und die Handwerker kehrten in ihre Heimath zurück, ausgenommen die Tischler, welche noch viele Arbeit zu fertigen hatten. Der Zimmermeister war von Gabel in Böhmen und hieß Marcus Dorheide, der Tischlermeister war aus Prag und hieß Hans Scabino, der Schlossermeister eben daher, Franz Ziska geheißen, und der Stubenmaler mit Namen Andreas Haborvormius ein Franzose. | + | Nun fing man auch das andere Schloß zu bauen an; es wurde zwar nicht so prächtig als das erste gebaut, jedoch aber aus Steinen und Kalk gemauert und ebenso befestigt. Dieses Schloß enthielt nun aber im ersten und zweiten Stockwerk die schönsten Stuben und Kammern, im dritten aber die anmuthigsten Erker und Söller. Von Außen ging eine Gallerie um das Schloß herum. Es stand an der Mittagsseite des Berges. Zuletzt wurde noch ein Stallgebäude und ein Wagenschuppen gebaut und der Hof mit einer Mauer umgeben. Nachdem Alles fertig war, zog der Ritter Tugomir mit seinen Reisigen in die Winterquartiere und die Handwerker kehrten in ihre Heimath zurück, ausgenommen die Tischler, welche noch viele Arbeit zu fertigen hatten. Der Zimmermeister war von Gabel in Böhmen und hieß Marcus Dorheide, der Tischlermeister war aus [[geo:Prag]] und hieß Hans Scabino, der Schlossermeister eben daher, Franz Ziska geheißen, und der Stubenmaler mit Namen Andreas Haborvormius ein Franzose. |
| - | In der zweiten Woche vor Weihnacht zog Ziscibor mit seiner Familie in das auf der mitternächtlichen Spitze des Berges gelegene Schloß, ebenso die Familie des Herrn Zenko von Wartenberg, und 50 bewaffnete Sorben wurden als Bedeckung in den Meierhof gelegt. | + | In der zweiten Woche vor Weihnacht zog Ziscibor mit seiner Familie in das auf der mitternächtlichen Spitze des Berges gelegene Schloß, ebenso die Familie des Herrn Zenko von Wartenberg, und 50 bewaffnete |
| Dies ist die Sage von dem Untergange des Schatzes, nach dem sich so viele Herzen seit jener Zeit gesehnt. Man hat zu verschiedenen Zeiten Versuche gemacht, ihn zu heben, und namentlich hat ein gewisser Reinhard Adelmann, der sich selbst einen offenbaren Notarius von kaiserlicher und päpstlicher Gewalt und Freikünstler in der Kunst Nigromantia nannte, durch einen an den Rath von Görlitz abgedruckten Brief (abgedr. in d. Beschr. d. Landeskr. S. 28 u.d. Datum 1447 [1647?]) sich erboten den Schatz zu heben. | Dies ist die Sage von dem Untergange des Schatzes, nach dem sich so viele Herzen seit jener Zeit gesehnt. Man hat zu verschiedenen Zeiten Versuche gemacht, ihn zu heben, und namentlich hat ein gewisser Reinhard Adelmann, der sich selbst einen offenbaren Notarius von kaiserlicher und päpstlicher Gewalt und Freikünstler in der Kunst Nigromantia nannte, durch einen an den Rath von Görlitz abgedruckten Brief (abgedr. in d. Beschr. d. Landeskr. S. 28 u.d. Datum 1447 [1647?]) sich erboten den Schatz zu heben. | ||
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| Einmal hat eine arme Frau mit ihrem Kinde auf der Landeskrone sich ergangen und das Kind hat gespielt und so in seiner Unschuld die Thüre zu dem Schatze gefunden, ist hingegangen, | Einmal hat eine arme Frau mit ihrem Kinde auf der Landeskrone sich ergangen und das Kind hat gespielt und so in seiner Unschuld die Thüre zu dem Schatze gefunden, ist hingegangen, | ||
| - | Es war am Ende des 16. Jhdts. als Jacob Böhme, der Sohn eines Landmannes aus Alt-Seidenberg, | + | Es war am Ende des 16. Jhdts. als [[vip: |
| - | Der alte Postillon Matthes aus Krischa, der daselbst nach seiner Dienstentlassung noch im Jahre 1826 lebte, ging jede Johannisnacht auf die Landeskrone und erhob dort von dem Schatze des Ziscibor jedesmal soviel, als er das Jahr über brauchte. In der Gegend umher glaubten dies die Leute steif und fest, und die Weissenberger Bürger schickten einst Abgeordnete zu ihm, die ihm vieles Geld boten, wenn er sie mit dort hinauf nehmen wollte, denn die Bürger hofften so die Stadtschulden bezahlen zu können, die ihnen gar zu viel zu schaffen machten, allein er wies ihre Bitten stets zurück. | + | Der alte [[lex:Postillon]] Matthes aus [[geo: |
| Man sagt, daß wenn man in das Gewölbe hineinkomme, | Man sagt, daß wenn man in das Gewölbe hineinkomme, | ||
| - | Nach einer andern Sage soll dem der Schatz zu Theil werden, welcher in der heiligen Christnacht, | + | Nach einer andern Sage soll dem der Schatz zu Theil werden, welcher in der heiligen |
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