sagen:graessepreussenii214-4
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| + | ====== Der goldene Schleier ====== | ||
| + | Zu derselben Zeit, wo sich der Brautritt auf dem Kynast ereignete, also gegen das Jahr 1270, lebte auf dieser Burg wenig beachtet eine Verwandte der schönen Kunigunde, Namens Irmgard, welche der Vater derselben als Waise in sein Haus genommen hatte. Ihre Thätigkeit war lediglich der Hauswirthschaft gewidmet, und da sie nicht besonders schön war, ward ihre Abwesenheit von den lediglich der Besitzerin der Burg wegen dorthin kommenden Rittern nicht bemerkt. Da begab es sich, daß einst einige verwandte Frauen zum Besuche auf die Burg kamen und da dieselben natürlich nicht an den Jagdparthieen Kunigundens Theil nehmen konnten oder wollten, letztere aber keine Lust hatte, ihrer wegen zu Hause still zu sitzen, so erhielt Irmgard den Auftrag, sie zu unterhalten. Um ihnen die Zeit zu vertreiben, schlug sie ihnen vor, eine kleine Reise in das Riesengebirge zu machen. Einige der jungen Ritter, die gerade auf der Burg verweilten, erboten sich sie zu begleiten und so zogen sie denn hinreichend mit Mundvorräthen versehen hinaus in die im frischen Frühlingsgrün prangenden Auen. Nachdem sie einige Stunden marschirt waren, kamen sie auf eine lachende Waldwiese am Hochwald und beschlossen hier ihr Frühstück einzunehmen. Um dasselbe zu würzen brachte Irmgard die Rede auf Rübezahl, den hier heimischen Berggeist, und erzählte einige seiner Possen. Der fremde Besuch hörte zwar aufmerksam zu, allein man sah wohl, daß kein rechter Glaube an diesen mächtigen Dämon vorhanden war. Da vernahm man plötzlich im nahen Unterholz ein lautes Krachen und Prasseln und plötzlich stürzte ein ungeheurer Eber, einen Pfeil in der Seite, heraus auf die Waldblöße, | ||
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| + | Jetzt wußten Alle, wer unter ihnen gewesen sei, sie fühlten sich jedoch etwas unheimlich und so brachen sie denn zusammen nach dem nächsten Dorfe auf, um dort zu übernachten. Der fremde Ritter ward von Irmgard zwar eingeladen, auf den Kynast zu kommen und sein Glück bei ihrer Base zu versuchen, allein er wies die Einladung mit kurzen Worten zurück und trennte sich am nächsten Morgen von ihnen. Er verweilte auch nicht mehr lange bei seinen Verwandten, sondern brach mit seinem Knappen bald auf, um seine Reise weiter fortzusetzen. Allein da er keinen Führer mitgenommen hatte, so verirrten sie sich sehr bald in den dichten Schluchten des Gebirges; sie irrten rathlos hin und her und als nun, wie es dort sehr oft der Fall ist, plötzlich dicker Nebel die ganze Gegend einhüllte, wollte plötzlich das Roß des Ritters nicht weiter; er spornte es zwar, allein es bäumte sich widerspenstig, | ||
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| + | Mittlerweile trug es sich aber zu, daß die arme Irmgard zu Anfange des Frühlings des nächsten Jahres, als sie ihrer Gewohnheit nach in den den Kynast umgebenden Thälern herumstreifte, | ||
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