sagen:graessepreussenii212
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:graessepreussenii212 [2025/01/21 20:54] – angelegt ewusch | sagen:graessepreussenii212 [2025/01/30 17:50] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Die Sagen von der Burg Greiffenstein ====== | ||
| + | Nach Bergemann, Beschreibung der alten Burgveste Greiffenstein [Bunzlau 1833] S. 175 bis 364, | ||
| + | bei Gödsche S. 223 etc. | ||
| + | Fischer, Gesch. der Burgvesten Preußens Bd. I. S. 227 etc. | ||
| + | |||
| + | Die Burg Greiffenstein im Löwenberger Kreise, 3/4 Meilen von Greiffenberg auf einem 1360 Fuß hohen Basaltkegel gelegen, gehört zu den schönsten Ruinen des Schlesischen Landes und soll ihren Namen davon haben, daß bei dem Bau derselben die Arbeiter auf dem Gipfel des Berges ein Nest mit jungen Greifen gefunden hätten, worauf Herzog Boleslav der Lange ihr (1198) den Namen Greiffenstein zur Erinnerung daran beigelegt habe. Anders aber erzählt diesen Umstand die Volkssage und bringt denselben mit dem Begründer der Schafgottschen Familie in Verbindung. | ||
| + | |||
| + | Im 14. Jhdt. wohnten am Fuß des sich zwischen den Städtchen Friedland und Greiffenberg hinziehenden Waldgebirges friedliche Hirten, allein plötzlich ward die ganze Gegend unsicher gemacht durch einen ungeheuern Greif, der sich in dem undurchdringlichen Walde am Queis ein Nest gebaut hatte und zum Futter für seine Jungen tagtäglich Menschen und Thiere raubte und dorthin trug. Niemand wagte mehr sein Vieh auf die Weide zu treiben oder das Feld zu bestellen, aus Furcht von dem Ungeheuer entführt zu werden, und so trat natürlich dort allgemeine Hungersnoth ein, darum ließ der Herzog Bolko durch seine Herolde großen Landbesitz und eine mächtige Summe Geld dem versprechen, | ||
| + | |||
| + | Als sich aber Niemand durch die Hoffnung auf so reichen Gewinn bewegen ließ, das Wagstück zu unternehmen, | ||
| + | |||
| + | Nun wohnte aber in der Nähe des Kalenberges und der Neuburg ein junger Schäfer, Gottsche Schaf mit Namen, ein muthiger und stattlicher Jüngling, der täglich seine Heerde ins Gebirge zu treiben pflegte. Derselbe hatte aber einstmals die schöne Herzogstochter auf Burg Lehnhaus gesehen und sich sterblich in dieselbe verliebt. Er beschloß also für den Besitz derselben sein Leben zu wagen. Er begab sich demnach eines Tages nur mit einer Stange und mit einer scharfen Axt bewaffnet aus seinem väterlichen Hause ins Gebirge um vorerst das Nest des Vogels zu suchen. Allein er strich bereits mehrere Tage durch den dichtesten Wald ohne dasselbe entdecken zu können und wollte schon sein Unternehmen in halber Verzweiflung aufgeben, als er am dritten Tage, nachdem er schon die mitgenommenen Lebensmittel fast aufgezehrt und vor Ermattung kaum noch weiter konnte, nachdem er sich zum Ausruhen auf den Boden geworfen, plötzlich über sich ein starkes Rauschen vernahm und den Greif erblickte, wie er ein starkes Rind zwischen seinen Klauen haltend sich auf einmal aus der Luft auf den Gipfel eines in der ganzen Umgegend unter dem Namen der Mahleiche wohl bekannten ungeheuern Baums niederließ. Gleichzeitig vernahm er nun auch aus der Höhe das gierige Geschrei seiner hungrigen Jungen. | ||
| + | |||
| + | Er wußte nun, wo das Nest war, und hatte weiter nichts zu thun, als während der Nacht ein sicheres Versteck zu suchen, denn daß der alte Greif am nächsten Morgen wieder nach Beute ausfliegen werde, sah er mit Recht als gewiß an. Als nun der alte Vogel, wie er erwartet, ausgeflogen war, sammelte Gottsche in er Nachbarschaft der Eiche dürres Reisig, band es zu einem Bündel zusammen und befestigte es an einer Stange, worauf er ein Stück an der Eiche hinaufklomm, | ||
| + | |||
| + | Er begab sich darauf nach der Hütte seines Vaters zurück, erzählte dort was er vollbracht und zog dann, umringt von seinen frohlockenden Nachbarn, nach der Mahleiche zurück, dort sammelten sie aus der Asche die Köpfe der drei jungen Greife, den alten aber umschlangen sie mit starken Seilen und schleppten ihn so von zwei tüchtigen Ochsen gezogen nach Neuburg, wo der Herzog damals Hof hielt, um ihm das erlegte Unthier zu zeigen, gleichzeitig aber auch für Gottsche die versprochene Belohnung zu verlangen. Als man dem Herzog das Geschehene erzählt, stand derselbe auch keine Minute an, sein gegebenes Wort zu erfüllen, er hieß ihn niederknieen und schlug ihn zum Ritter, verlobte ihn auch auf der Stelle mit seiner Tochter, obwohl seine Edelleute gewaltig murrten, daß er einem armen Schäfer seine Prinzessin vermählen wolle. Als Mitgift gab er ihm die Neuburg, die er zum Andenken an seine That Greifenstein nannte und befahl ihm dann, beim Aufgange der Sonne am nächsten Morgen seine Schafheerde aus dem Schloßthore zu treiben, soviel Land er bis zum Untergange der Sonne damit umziehen werde, das solle sein Eigenthum sein. Dies that er auch und am nächsten Abend war er einer der reichsten Herrn des Landes Schlesien. | ||
| + | |||
| + | Indeß fiel es ihm nicht ein auf die sofortige Vermählung mit der Herzogstochter zu dringen, er wollte sich einer solchen Erhöhung erst würdig zu machen suchen. Deshalb bat er seinen künftigen Schwiegervater ihm Unterricht in allen adeligen Künsten und Wissenschaften geben zu lassen, und als er dieselben hinreichend kennen gelernt zu haben glaubte, zog er hinaus ins Reich zum Heere des Kaisers. Dort fand er Gelegenheit, | ||
| + | |||
| + | Nach errungenem Siege bot ihm der Kaiser die Hand, weil aber von Schaffgotsch' | ||
| + | |||
| + | Nachdem nun der tapfere Gotsche bereits zwei Jahre abwesend gewesen war und seine Braut auf ihn harrte, da hielt ihr Vater, der Herzog Bolco, ein großes Turnier auf der Veste Lehnhaus ab und viele Ritter strömten dahin zusammen, um sich einen Preis ihrer Tapferkeit und Geschicklichkeit zu erkämpfen. Schon war die Festlichkeit bald zu Ende und eigentlich noch ziemlich unentschieden, | ||
| + | |||
| + | Mittlerweile nahm aber derselbe den Kampf mit allen denen auf, die bisher am nächsten zur Erringung des Siegespreises gewesen waren, er streckte in kurzer Frist einen seiner Gegner nach dem andern in den Sand, und so führten ihn die Kampfrichter dann zu dem Sitze der Prinzessin, um aus ihrer Hand den Dank zu erhalten. Hier mußte er natürlich das Visir öffnen und die schöne Agnes erkannte in dem wettergebräunten Tapfern die Züge ihres sehnlichst erwarteten Verlobten. Nun ließ aber auch die Vermählung mit ihr nicht mehr lange auf sich warten, Ritter Schaffgotsch ward der Stammvater des noch blühenden Geschlechtes; | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/graessepreussenii212.1737489263.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
