sagen:graessepreussenii204
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| + | ====== Der Zobtenberg in Schlesien ====== | ||
| + | S. Goth. Henr. Burghart, Iter Sabothicum d.i. ausführliche Beschreibung einiger im | ||
| + | Jahre 1733 auf den Zothen-Berg gethanen Reisen. Breslau und Leipzig 1736 in 8°. | ||
| + | Schles. Histor. Labyrinth S. 715. | ||
| + | Abr. v. Frankenberg bei Fibiger' | ||
| + | Müller, Vaterl. Bilder S. 56 etc. | ||
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| + | Der Zobten- oder Zothenberg, lateinisch auch mons Sabothus oder mons Silensis genannt, liegt 5 Meilen von Breslau und 2 von Schweidnitz und man sieht, wenn es hell ist, oben von seiner Höhe aus den größten Theil Schlesiens um ihn herum ausgebreitet liegen, an der einen Seite die Städte Breslau, Schweidnitz, | ||
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| + | Auf diesem Berge hat nun bereits 1103 ein Schloß gestanden, welches unter andern im Jahre 1296 von dem Herzog von Schweidnitz Bolco bewohnt ward. Nachgehens hat dasselbe ums Jahr 1428 ein Hussitischer Hauptmann, Hans Cholda, eingenommen und sich desselben als Raubnest gegen das umliegende Land bedient. Sein Andenken lebt noch jetzt unter dem Volke, indem man von ihm unter dem Namen »Hammerschlag« berichtet, er habe stets einen großen eisernen Hammer in seinem Gürtel getragen, mit dem er jedem Gefangenen, den seine Raubgesellen einbrachten, | ||
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| + | Eine andere merkwürdige Geschichte ist aber auf den Bericht gegründet, welchen ein sechzigjähriger Arzt, Johann Springer, im Jahre 1624 mündlich von den Erlebnissen seines Lehrers, eines Naturphilosophen Johannes Beer aus Schweidnitz († 1600) machte und die letzterer übrigens auch in der Vorrede zu einem zu Amsterdam im Jahre 1639 in Duodez gedruckten Büchlein »Gewinn und Verlust himmlischer Güter« betitelt (Bl. 10 und 11), veröffentlicht hat. | ||
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| + | Dieser Johann Beer ist im Jahre 1570 auf dem Zobtenberge spazieren gegangen und hat über die wunderbaren Wirkungen Gottes in der Natur Betrachtungen angestellt. Da hat sich ihm an einer Stelle des Berges ein sonderbarer Eingang geöffnet, in welchen er sich aus Neugierde hineinbegeben hat. Indem er nun immer weiter darin fortgeschritten, | ||
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| + | Beer klopfte zu dreien verschiedenen Malen an, worüber gedachte Thüre geöffnet wurde. Da sieht er mit Verwunderung drei lange ganz abgemagerte Männer um einen runden Tisch einander gegenüber sitzen; sie trugen altdeutsche oder spanische Baretts auf den Häuptern, sahen zitterig und sehr trübselig aus, hatten auch ein schwarzsammtnes mit Gold beschlagenes Buch vor sich auf dem Tische, also daß manchem Herzhaften wohl der Muth entfallen wäre. Unser Gottesmann aber schreitet im Namen Gottes mit unerschrockenem Geiste zu ihnen über die Schwelle dieser Höhle hinein, steht still und spricht: »Pax vobiscum (Friede sei mit Euch).« Sie antworten: »Hic nulla pax (hier ist kein Friede).« Er thut den andern Schritt und spricht: »Pax vobiscum in nomine Domini (Friede sei mit Euch im Namen des Herrn).« Sie erzittern sehr, sagen jedoch mit halber Stimme: »Hic non pax (hier ist nicht Friede).« Er thut nun den dritten Schritt bis nahe an den Tisch und spricht: »Pax vobiscum in nomine Domini Jesu Christi (Friede sei mit Euch im Namen unseres Herrn Jesu Christi).« Sie verstummen mit großem Schrecken, Furcht und Zittern, legen ihm darauf das schwarze Buch vor, das macht er auf, besieht den Titel, der lautet: Liber obedientiae (das Buch des Gehorsams). Ob nun obedientia spirituum, der Noth- oder Gehorsamszwang der Geister, oder was anderes darin begriffen, hatte Beer nicht vernommen. Darauf fragt er sie, wer sie wären. Sie sagen, sie kenneten sich selber nicht. Er fragt weiter, was sie an diesem Orte machten? Sie antworten, sie erwarteten mit Schrecken das große und strenge Gericht Gottes zu empfahen, was ihre Thaten werth seien. Er fragt, was sie bei Lebzeiten gewirkt? Sie zeigen auf einen Vorhang, dahinter werde er die Zeichen und Zeugen ihrer Handlungen finden. | ||
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| + | Er zieht den Vorhang beiseite, sieht eine große Menge von allerlei mörderischen Waffen, auch alte theils halb theils ganz verwesete Materien von unterschiedenen Dingen gleich einem Meßkram oder Jahrmarktwaaren, | ||
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| + | Ein anderes Mal((S. Burghart S. 99.)) ist ein Bauerjunge gegen das Ende des 17. Jhdts. auf dem Zobtenberge herumgekrochen und hat Vogelnester gesucht. Wie er nun in eine wilde wüste Steinrücke kommt, so sieht er eine Höhle mit einer offenstehenden Thüre, jene ist sehr groß, zwar nicht ganz finster, geht aber doch weit in den Berg hinein. Da fing er an sich zu fürchten, blieb stehen, sah sich ganz erschrocken um und bedachte sich, was er thun sollte. Weil er aber merkte, daß er ohne Schwierigkeiten hinein konnte, und auch Niemanden dabei gewahr ward, der ihm den Weg verrennt hätte, so ging er getrost hinein und durchstenkerte alle Winkel. Er stutzte aber gewaltig, als er einen erschrecklich großen Haufen ganz frei daliegendes und von keiner Seele bewachtes Gold und Geld antraf. Da hättet Ihr sehen sollen, wie er zugegriffen hat, er steckte und stopfte sich alle Schubsäcke voll und ging mit der guten gemachten Beute wieder glücklich hinaus. Er war so voller Freuden, daß er sich nicht einmal die in der Gegend befindlichen Sträucher oder Bäume zeichnete, sondern sich auf andere bekannte Wahrzeichen verließ, weswegen er auch, als er nachgehens diese Höhle etliche Male wieder suchte, dieselbe nicht finden konnte, sondern allemal unverrichteter Sache wieder fortgehen mußte. | ||
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| + | Ein anderes Mal((S. Schles. histor. Labyrinth S. 731.)) hat ein blödsichtiger Mann, ingleichen ein unmündiges Mädchen eine sonderbare Thüre in dem Berge gesehen, sie sind in selbige, die offen stand, hineingegangen, | ||
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sagen/graessepreussenii204.1737491122.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
