sagen:graessepreussenii203
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| + | ====== Der Poltergeist und Vampyr zu Bendschin ====== | ||
| + | S. Schles. Histor. Labyrinth. [Breslau und Leipzig 1737] S. 363-393. | ||
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| + | Bendschin oder Pentsch, ein Städtchen im Fürstenthume Jägerndorf an der Mährischen Grenze, ist ums Jahr 1592 durch eine Spukgeschichte gar sehr berühmt geworden. | ||
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| + | Ein Bürger dieser Stadt, Namens Johann Cuntze, gebürtig aus dem Dorfe Lichten, hat sich viele Jahre so brav und löblich aufgeführt, | ||
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| + | Am nächsten Morgen ist nun Cuntze' | ||
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| + | Cuntze war kaum todt, so entstand ein greuliches Gewitter, und bei dem Leichenconduct hat es so gewaltig gestürmt und geschneit, daß es die Leichenbegleiter kaum ausstehen mögen, sobald aber der todte Körper unter die Erde gebracht war, wurde es wiederum ganz helle und der rasende Wind legte sich. Es ist hierbei nicht zu vergessen, daß als ihn zwei arme Hausweiber in einer Wanne abwaschen sollten und ihm also die Hände auf den Rücken beugten, der todte Körper eine von diesen Händen gewaltig zurück auf denjenigen Ort des Bauches geworfen, wo der Pferdeschlag hingetroffen. Darüber wurde das eine Weib sehr stutzig, die andere aber sagte: »Schweig, daß wir von unserm Ausplaudern nicht Unglück haben.« | ||
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| + | Kaum waren nun aber einige Tage nach seiner Beerdigung hingegangen, | ||
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| + | Am 24. Februar ging der Pfarrer des Ortes nach gehaltener Katechismuslehre zu einem von den Stadtrichtern, | ||
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| + | Das Haus dieses Stadtschreibers stand nun aber neben dem Cuntzes, in welchem der Geist alle Nächte einen so erbärmlichen Lärm machte, daß die ganze Familie in eine Stube zusammenkroch und noch Wächter dingte, welche wechselsweise wachen mußten. Unter diesen waren ein Paar verwegene Kerle, die sich zum Wachen anboten, weil sie brav dabei zu trinken bekamen. Wie nun der Geist die Thüre bald öffnete, bald zusperrte, bald in der Küche, bald im Keller herumsauste, | ||
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| + | An den schwach brennenden Lichtern, auch sogar an den Laternen beurtheilte die schüchterne Familie die unsichtbare Anwesenheit des bösen Geistes, und sie erweckten deshalb einander aus dem Schlafe. Denn die, welche schliefen, wurden gedrückt und dergestalt abgemattet, daß man sie bei geschehener Erweckung mit Schlagwasser bestreichen und als Ohnmächtige fast vom Tode erretten mußte. Vielmals wurden auch die Schlafenden an der Seite ihrer Wächter entsetzlich gepeinigt, daß sie gleichsam die schwere Noth bekamen und mit den Füßen gewaltig strampelten, | ||
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| + | Es ist ein Wahn gemeiner Leute, daß wo Pillweisen oder Hexenmeister begraben liegen, sich unter ihren Grabsteinen Löcher zeigen, als wenn da Mäuse herausgekrochen wären. Ein Gleiches sah man bei Cuntze' | ||
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| + | Nachdem man nun obgedachten Cuntzes sowohl als anderer Leute Gräber und Särge geöffnet, fand sich an der Leiche ein bedenklicher Unterschied. Denn alle anderen Leichen, so vor und nach Cuntzen unter die Erde gekommen, waren schon großen Theils verweset oder standen in völliger Fäulniß, bei Cuntze aber war der Leichnam unversehrt, frisch und ganz, nur die Haut an der Brust und am Haupte sah schwärzlich aus, weil man sie beim Einlegen in den Sarg mit ungelöschtem Kalk überstreut, | ||
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| + | Damit man sich nun aber in der ganzen Sache nicht übereilen möchte, wurde mit klugen Leuten aus der Nachbarschaft darüber oft gerathschlagt, | ||
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| + | Gleich den Tag darauf aber, als man den Körper verbrannt hatte, ließ alles satanische Gepolter auf einmal nach. Man fragte die Nachtwächter und diese sagten, es wäre Alles die ganze Nacht hindurch stille gewesen. Jeder, der dem andern des Morgens begegnete, freute sich über die allgemeine Beruhigung, recht als wie wenn nach einem starken Donnerwetter und Platzregen der heitere Himmel und Sonnenschein Alles wieder erquicket, und so ist es auch eine Zeit lang geblieben, bis aus dem Cuntzischen Hause eine Magd gestorben und ehrhaft zu Grabe bestattet worden ist. Weil man sie aber in Verdacht hielt, sie möchte von dem alten Cuntze etwas gelernt haben und mit Hexengift angesteckt sein, so suchte man damit einer besorglichen Spukerei vorzubeugen, | ||
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sagen/graessepreussenii203.1737491112.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
