sagen:graessepreussenii161
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| + | ====== Der gespenstige Schuster zu Breslau ====== | ||
| + | S. Schlesisches histor. Labyrinth S. 351 etc. | ||
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| + | Im Jahre 1591 am 20. September an einem Freitage früh schnitt sich ein wohlhabender Schuster in der Stadt Breslau in seinem hinter dem Hause gelegenen Garten die Kehle ab, aus welchem Grunde, wußte man nicht. Er hatte mit dem Kneife die Halsadern abgekerbt und mußte an der Wunde sterben. Als sein Weib solches gesehen und ihren Schwestern erzählte, wurden sie alle über diesen plötzlichen Unglücksfall auf's Höchste bestürzt, suchten aber denselben, welchen sie für eine große Schande hielten, auf jede Weise zu verheimlichen. Sie sprach also zu Allen, so sie um ihres Mannes Tod fragten, es habe ihn der Schlag gerührt; sie ließ auch die Thüre verriegeln, damit Niemand sehen könne, was geschehen war. Wenn aber ihre Nachbarn und Bekannten kamen, um mit ihr zu sprechen und sie zu trösten, da ließen es die Schwestern der Wittwe nicht zu und sagten, sie erkenne ihre Liebe und Wohlwollen recht wohl, allein der Todte brauche ihre Dienste nicht und die Wittwe wolle in der ersten Bestürzung Niemanden vor sich lassen, sie möchten also, wenn sie wollten, in einiger Zeit wiederkommen. Sie schickten nun zu den Kirchvätern und bestellten bei ihnen das Begräbniß, | ||
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| + | Ob nun wohl die Verwandten des Verstorbenen meinten, der Mord werde zugedeckt bleiben, weil sie Alles so vorsichtig verrichtet, ist doch gleichwohl ein Gerede unter die Leute gekommen, als hätte sich der Mann selbst ermordet und sei nicht vom Schlage getroffen worden. Anfangs hat man es nicht glauben wollen, allein nichtsdestoweniger ist das Gerede immer stärker geworden, so daß der Rath sich genöthigt sah, Alle, die bei dem Todten gewesen waren, genau zu befragen und sie aufzufordern, | ||
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| + | Als nun die Sache wirklich ein Verbot nach sich zog, da ward das Unwesen immer ärger. Denn gleich nach Sonnenuntergang war das Gespenst da, und weil Niemand davon frei war, sah sich ein Jeder alle Augenblicke nach demselben um. Am meisten wurden die geplagt, welche nach schwerer Arbeit ausruhen wollten; manchmal trat es an ihr Bett, bald legte es sich gar mit hinein und wollte die Leute ersticken, ja es drückte sie so heftig, daß man nicht ohne Verwunderung die Flecken sah, welche von den Fingern desselben gemacht waren, daher man leicht den Schlag beurtheilen konnte. Auf solche Art wurden die an sich schon furchtsamen Leute noch furchtsamer gemacht, also daß sie in ihren Häusern nicht weiter blieben, sondern sicherere Oerter suchen wollten. Die meisten, die in der Schlafkammer nicht sicher waren, blieben in den Zimmern, nachdem sie viele Andere mit hierhin genommen, damit durch die Menge die Furcht vertrieben werde. Allein obschon Alle bei brennenden Lichtern wachten, kam doch das Gespenst, welches manchmal Alle, manchmal aber nur Etliche sahen, von denen es auch allemal Einige quälte. | ||
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| + | Indem nun das Geschrei von Tage zu Tage ärger ward und die ganze Stadt das Wesen bestätigte, | ||
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| + | Da nun aber das Gespenst so ganz abscheulich rasete und sowohl vielen Bürgern als seinen guten Freunden selbst große Ungelegenheit machte, so ging die Wittwe zu dem Rath und erklärte, sie wolle Alles zugeben, man möge mit ihrem gewesenen Manne nach aller Schärfe verfahren. Es war aber in der kurzen Zeit vom 24. April bis 7. Mai der Körper viel völliger von Fleisch geworden, was ein Jeder sah, der sich erinnerte, wie er vorher ausgesehen hatte. Hierauf ließ der Rath den Körper am 7ten durch den Henker aus dem andern Grabe nehmen, dann wurde ihm der Kopf abgestoßen, | ||
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sagen/graessepreussenii161.1737486560.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
