sagen:graessepreussenii156
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| + | ====== Der Hahnenstein oder die Hahnenkrähe vor dem Nicolaithore zu Breslau ====== | ||
| + | S. Schäfer in der Illustr. Ztg. 1858 Bd. I. S. 257. | ||
| + | Selt S. 5 etc. [mit Abbild.] | ||
| + | und etwas verschieden bei Gödsche S. 37 etc. | ||
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| + | Eine sehr alte, anscheinend dem Anfange des 13. Jahrhdts. angehörige Weichbildssäule oder sogenannte Martersäule vor dem St. Nicolaithore auf dem Wege nach Lissa führt im Munde des Volkes seit undenklicher Zeit den Namen der Hahnkrähe, welche Benennung unbedingt nur dem Hahne, der mit erhobenen Flügeln an der westlichen Seite der Krönung der Säule oberhalb des Kapitals derselben als Relief gehauen, obschon bereits sehr verwittert zu sehen ist, seine Entstehung verdanken mag. Dieser Hahn soll sicherlich den Hahn vorstellen, der nach der dreimaligen Versündigung des Petrus an seinem Herrn und Meister seinen Mahnungsruf in die Ohren des verzagten Jüngers Jesu nach der Voraussagung desselben erschallen ließ. Auf der nördlichen Seite ist die Kreuzigung, auf der Morgenseite hingegen ist nur noch eine ganz schwache Spur der Dreieinigkeitsdarstellung, | ||
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| + | Die Volkssage berichtet, daß vor vielen Jahrhunderten ein ehrsamer und tapferer Ritter aus dem Geschlechte derer von Wiesenburg (nach Andern hieß er Hedlow von Wildburg) gelebt hat, mit Namen Henzko (d.i. die slavische Form für »Heinze« oder den provinziell verstümmelten Namen »Heinrich«). Dieser Henzko hatte eine eben so schöne als tugendhafte Gemahlin, die er über Alles liebte und die sein ganzes Lebensglück ausmachte. Als daher Herzog Heinrich (IV.?) das Kreuz nahm und nach Palästina zog, da mußte der Ritter demselben die Lehnsfolge leisten. Daß das Herausreißen aus seinem ehelichen Himmel dem Ritter nicht eben gleichgültig sein konnte, verstand sich von selbst. Er bot Alles auf, sich dieser Pflicht zu entziehen; allein vergeblich, er mußte sich dem Zuge nach dem Morgenlande anschließen. | ||
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| + | Nach einer andern Erzählung mußte jedoch Henzko allein ziehen, um einen Auftrag des Herzogs dorthin auszurichten. Zu dieser so wenig erfreulichen Mission soll ihm aber ein mächtiger Günstling des Herzogs, Namens Leutko, verholfen haben, der schon seit längerer Zeit ein Auge auf Henzko' | ||
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| + | Drei Jahre hatte jetzt Henzko das Sklavenjoch getragen, als es ihm in einer Nacht träumte, daß seine Gemahlin an der Hand Leutko' | ||
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| + | Der Pact ward zwischen dem verliebten, aber dabei doch schlauen Ritter und dem Herrn Urian, der aber hier ein dummer Teufel war, vollzogen und Henzko schwang sich von seinem Lager behend auf den reiselustigen Hahn, eingedenk des Crucifixes, das er noch an seinem Halse trug und das ihm als Schutzmittel gegen des Teufels Macht dienen sollte. Im Nu ging es wie auf Sturmesfittigen von dannen; außerdem hatte aber der Ritter bei sich erwogen, daß sie doch möglicher Weise nicht vor Tagesanbruch dort ankommen würden ober daß der Teufel schon dadurch hintergangen sein würde, daß er, obschon er auf dem Hahne alsbald entschlummert sein werde, doch sofort erwachen müßte, sobald der Hahn nach aller Hähne Gebrauch vor Tagesanbruch krähen würde, und mit dem Erwachen werde dann auch der Vertrag mit dem Teufel gelöst sein. So geschah es auch; der Hahn krähte; sie befanden sich gerade über Breslau, als eben die ersten Strahlen der Sonne die Stadt beschienen; das Crucifix aber schützte den Ritter vor der Gewalt des Satans, der dies allerdings nicht geahnt hatte. Der Hahn, vor dem Nicolaithore niedergegangen, | ||
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sagen/graessepreussenii156.1737486211.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
