sagen:graessepreussenii152
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| + | ====== Die eiserne Jungfrau auf der Burg in Breslau ====== | ||
| + | Nach Ziehnert Bd. II. S. 190 etc. | ||
| + | und Gödsche S. 39 etc. | ||
| + | Anders erzählt von Selt, Sagen aus Breslau' | ||
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| + | Am Oderthor, wo jetzt das Matthiasstift ist, stand ehemals die alte Kaiserburg, die von Kaiser Sigismund oder noch früher erbaut worden ist. In einem unterirdischen Raume derselben soll ehemals eine sogenannte eiserne Jungfrau, eine Martermaschine gestanden haben, die ein verborgenes Räderwerk in sich schloß, welches, wenn es durch den Tritt eines Menschen in Bewegung gesetzt ward, die eiserne Jungfrau soweit in Bewegung setzte, daß sie die Arme öffnete und den Unglücklichen, | ||
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| + | Zu jener Zeit war Werner von Bruneck Verwalter der Burg, der eine Tochter, Namens Maria hatte, die als die schönste Jungfrau der Stadt Breslau galt. Der Tempelritterorden war aufgehoben und die Güter desselben sollten vertheilt werden. Dies veranlaßte einen jungen Ritter des deutschen Ordens, Konrad von Salza, der später der berühmteste Hochmeister desselben ward, in der Breslauer Burg seinen Aufenthalt zu nehmen. Dort sah er das Mädchen, sie gefiel ihm nicht wenig, er ihr aber noch mehr und da er einsah, daß aus dieser Liebe nichts werden könne, da er als deutscher Ordensritter überhaupt sich nicht verehelichen durfte, so beschloß er durch seine Entfernung der Sache ein Ende zu machen. Er schrieb also am Abend vor dem Tage, wo er abreisen wollte, einen Brief an Werner und einen an dessen Tochter und ging dann ins Freie. | ||
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| + | Bei seiner Rückkehr verirrte er sich aber in der weitläufigen, | ||
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| + | Plötzlich sah sich der Ritter Konrad am Rande einer erleuchteten Tiefe, in der er die Riesengestalt der eisernen Jungfrau sitzend erblickte. Wie ein Wildverzweifelnder jagte die männliche Spukgestalt die weibliche hinab und stürzte sich dann selbst ihr nach, worauf sich das schreckliche Rauschen der Räder, das Wimmern und Röcheln wiederholte. Von einem unnennbaren Entsetzen ergriffen trat Konrad in die Halle zurück und fand die beiden Unglücklichen vor sich stehen, die von ihm ihr Urtheil zu erwarten schienen. Er gewann Geistesgegenwart genug um sie zu fragen, ob er sie retten könne und wodurch. Da zeigte die männliche Gestalt mit ihrem Arme auf eine Schrift über der Thüre zu dem Orte der eisernen Jungfrau, Konrad folgte dem Winke und las: »Entsagung bringt Erlösung!« – »Ihr seid erlöst!« rief Konrad mit fester Stimme. Da trat der Mann mit heitrer Miene auf ihn zu und reichte ihm eine Pergamentrolle, | ||
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| + | Als er wieder zur Besinnung kam, befand er sich in seinem von innen verriegelten Gemache und es war heller Tag. Er hätte die ganze Erscheinung für ein lebhaftes Traumbild gehalten, wenn er nicht die Pergamentrolle vor sich gesehen hätte. Er wußte nicht, ob er sie lesen solle oder nicht, aber indem er noch da stand und nachdachte, meldete ihm sein Knappe, daß das Nebengebäude der Burg, wo die eiserne Jungfrau steht, in der letzten Nacht bei einem heftigen Sturm in Schutt und Trümmer zerfallen sei. Dieses neue wundersame Ereigniß veranlaßte ihn, die Rolle zu öffnen und ihren Inhalt zu lesen. Er entfaltete sie und fand darin die Geschichte jener Unglücklichen, | ||
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| + | Von der alten Kaiserburg ist jedoch heute nichts mehr zu schauen, als allein noch eine uralte Mauer. | ||
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sagen/graessepreussenii152.1737486462.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
