sagen:graessepreussenii150
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| + | ====== Der steinerne Kopf an der Mittagsseite der Kathedrale St. Johannis des Täufers zu Breslau ====== | ||
| + | S. Illustr. Ztg. 1858 S. 226. | ||
| + | Ziehnert, Preußische Volkssagen Bd. I. S. 18 etc. | ||
| + | Selt, Sagen aus Breslau' | ||
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| + | An der Mittagsseite der im Jahre 1270 aus Back- und Quadersteinen vollendeten Domkirche, welche nach der ursprünglichen Anlage vier Thürme erhalten sollte, von denen jedoch nur zwei bis zur Spitze ausgeführt wurden und deren südwestlicher in den Jahren 1510, 1632 und 1759 zum Theil zerstört ward, sieht man an einem seitwärts angeblendeten Giebel in ziemlicher Höhe eine fensterähnliche Nische, aus der ein Kopf etwas hervorragt, welcher einem schlafenden Jünglinge nicht ganz unähnlich zu sein scheint. Ob nun dieser Kopf, wie der Kopf des angeblichen Verräthers, | ||
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| + | In Breslau lebte einst ein sehr geschickter Goldschmied, | ||
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| + | Indeß ging es mit ihm nicht so, wie er gedacht hatte, wo er auch hinkam und um Arbeit fragte, da wollte man seine Kundschaft sehen, und da er keine aufzuweisen hatte, so ward er überall abgewiesen und wie ein Herumtreiber angesehen und behandelt. So kam er denn bald ganz herunter, und irrte planlos herum, in zerrissenen Kleidern und halb verhungert. Als er eines schönen Tages von seiner Lagerstätte im Walde, denn ein anderes Unterkommen konnte er überhaupt nicht finden, erwachte, standen einige wild aussehende Männer um ihn, mit scharfen Waffen und Schießgewehr wohl versehen, welche ihn fragten, was er hier mache und wer er sei. Auf seine Antwort luden sie ihn ein, einer der ihrigen zu werden, sie seien Straßenräuber und führten ein lustiges Leben. Leider ließ er sich durch die Noth verleiten, den Lockungen der Bösewichter Gehör zu geben und schloß sich ihnen an. Er blieb über zwei Jahre bei ihnen und hatte das Glück, während alle seine Kameraden in die Hände der Gerechtigkeit fielen, allein der Strafe zu entgehen. | ||
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| + | Mit den zusammengeraubten Schätzen beladen, in bessern Kleidern ritt er in seine Vaterstadt wieder ein. Sein erster Gang war zu seiner früheren Geliebten, dieselbe empfing ihn mit offenen Armen und hörte seine Lügen über die Glücksfälle, | ||
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| + | Wüthend und Rache schnaubend eilte der Räuber nach der Insel des Doms, wo der Domthurmwart, | ||
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| + | Es giebt jedoch noch eine zweite Sage über die Bedeutung des Kopfes. Diese bringt nämlich denselben mit der Geschichte von der Armesünderglocke in Verbindung und erzählt, der Rath habe, weil der Guß so vortrefflich gelungen, dem Goldschmied die Todesstrafe erlassen, allein der Meister selbst habe sich doch seine That so zu Herzen genommen, daß er seinen Mitbürgern nicht mehr unter die Augen treten wollte. Deshalb bewarb er sich um die gerade offen gewordene Stelle eines Wächters auf dem Domthurme. Nun entstand aber eines Tags Feuer auf der Dominsel, das rasch und unaufhaltsam um sich griff und auch das innere Gebälk der beiden Thürme erfaßte. Als das Feuer ausbrach, da hatte der wachsame Thürmer seinen Kopf zum Schalloche herausgesteckt und Feuer gerufen. Als nun das Feuer immer näher kam und er sich eilig retten wollte, da war sein Kopf durch das Schreien und die Anstrengung so dick geworden und angeschwollen, | ||
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sagen/graessepreussenii150.1737486089.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
