sagen:graessepreussenii135
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| + | ====== Der gewippte Ritter ====== | ||
| + | Nach Merck a.a.O. S. 53 etc. | ||
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| + | Oberhalb Oberfell, wenn der Wanderer eine schroffe Felsenwand, welche sich ehedem bis in den Fluß erstreckte, überschritten hat, schaut ihm von beträchtlicher Höhe die im Jahre 1198 erbaute Burg Thuron mit dem Flecken Alken entgegen. Im Jahre 1231 sendete Otto, Pfalzgraf von Baiern, der mit seinem fürstlichen Freunde, Kaiser Friedrich II., vom Papst Innocenz IV. in den Bann gethan worden war, hierher seinen Feldhauptmann Zorno, um diese seine Burg gegen den Erzbischof Arnold II. von Trier zu schützen. Dieser Zorno war aber zwar ein tapferer, aber auch grausamer Mann, und als es ihm gelungen war, eine Anverwandte des Erzbischofs in seine Hände zu bekommen, vergaß er sich soweit, ein Kind, welches jene hier in der Burg geboren hatte, der Mutter von der Brust zu reißen und es vor ihren Augen in den Abgrund zu schleudern. Durch Bestechung gelang es indeß der Unglücklichen in seiner Abwesenheit von der Burg zu entkommen, sie eilte zu ihrem Verwandten und rief dessen mächtige Hilfe gegen den Wütherich an. Der Erzbischof, welcher inzwischen vernommen hatte, daß der Pfalzgraf selbst an der Spitze eines kleinen Heeres zum Entsatze seiner Burg anrücke, wußte sich den Beistand seines geistlichen Mitbruders, des Erzbischofs Conrad von Hochstetten zu Cölln zu verschaffen, | ||
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| + | Indeß war dieselbe mit allem zur Vertheidigung Nöthigem so wohl versehen, daß ihr Vertheidiger der Belagerung ruhig entgegensah, | ||
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| + | Er sprach höhnend zu dem Wehrlosen: »Du begehrtest, meine Burg zu verlassen, ich werde Dir in wenig Tagen die Möglichkeit an die Hand geben, Deinen Wunsch zu erfüllen!« | ||
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| + | Auf der Zinne des nach Osten gelegenen Thurmes ward ein mächtiges Gerüst gezimmert und eine Wurfmaschine mit einem ungeheuren Treibbalken daran gebaut. Vermittelst dieser Maschine sollte nämlich der unglückliche Brenner über den Abgrund nach dem gegenüber liegenden Standquartier des Erzbischofs geschleudert werden. Als die Belagerer mit geheimem Entsetzen dem Bau des Gerüstes zusahen, rief ihnen Zorno höhnend hinüber, er wolle ihnen einen Stellvertreter senden, an dem der Herr Erzbischof seine Lust, ihn bei Gefangennahme in den Abgrund zu schleudern, büßen könne. Als nun die Maschine zu Stande gekommen war und alles Bitten und Flehen Brenners den harten Sinn Zorno' | ||
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| + | Der Erzbischof ließ ihn sogleich vor sich führen und versprach ihm die vollste Rache an dem Unmenschen. Allein als der Brenner ihm den Zustand der Belagerten schilderte und nicht verhehlte, daß durch einen Sturm Thuron nicht einzunehmen, | ||
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| + | Zum ewigen Gedächtniß dieses glorreichen Sieges bauten aber der Erzbischof und Brenner, seinem Gelübde gemäß, an der Stelle, wo Letzterer niedergefallen war, der h. Jungfrau eine Kapelle und diese Kapelle auf dem Bleidenberg ist bis zum Anfange dieses Jahrhunderts ein sehr besuchter Wallfahrtsort geblieben. Jetzt steht sie gleich Thuron verödet. In dem am Fuße des Berges liegenden Schlosse aber befindet sich noch jetzt ein altes, leider sehr beschädigtes Gemälde auf Leinwand, auf welchem man noch ganz deutlich den über den Abgrund schwebenden Ritter Brenner, einen Theil des Flecken Alken, die Burg und die Kapelle auf dem Bleidenberge erkennen kann. | ||
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sagen/graessepreussenii135.1737485861.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
