sagen:graessepreussenii1347
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| sagen:graessepreussenii1347 [2025/03/20 15:53] – angelegt ewusch | sagen:graessepreussenii1347 [2025/03/20 16:47] (aktuell) – ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Das Osethal ====== | ||
| + | Nach Smidt Bd. I. S. 160 etc. | ||
| + | |||
| + | Auf Sylt befindet sich ein Dorf, welches Wenningstede heißt. Dort lebte einst ein wohlhabender Landmann, Namens Wilken Hahn, der eine fleißige und schöne Frau besaß, Frau Ose genannt. Es war seine Gewohnheit, weil er ziemlich der reichste Mann im ganzen Dorfe war, zur jedesmaligen Ernte, wenn dieselbe recht gut ausgefallen war, seinen Dorfnachbarn ein Erntebier, womit ein tüchtiger Schmaus verbunden war, zu geben und so geschah es, daß er eines Tages auch seiner Frau nach gehabter reicher Ernte die Absicht ankündigte, | ||
| + | |||
| + | Der nächste Sonntag war dazu ausersehen, das Haus wurde mit Laubwerk und Garben geschmückt, | ||
| + | |||
| + | Als die Obrigkeit anlangte und die Auslieferung des Mörders verlangte, war dieser nirgends zu finden, und Frau Ose, welche natürlich vorgefordert ward um über ihn Auskunft zu geben, erklärte, sie könne dies nicht, sie wisse selbst nicht, wohin er sich geflüchtet habe. Unterdessen war aber nichts versäumt worden, um den Mörder aufzufinden, | ||
| + | |||
| + | Ob nun aber wohl Frau Ose bereits nicht mehr in den Jahren der Jugend, sondern schon im vorgerückten Alter war, so war sie doch noch eine stattliche Frau, die immer noch einem Mann gefallen konnte, und so geschah es, daß ein reicher Wittwer im Dorfe sein Auge auf sie warf und den Plan faßte, sie zu ehelichen, denn ihr Mann war ja längst verschollen und galt für todt. Er wählte also seine alte Muhme zur Freiwerberin und schickte sie hin zu Frau Ose, um ihr seinen Antrag zu machen. Diese aber wollte von keiner Wiederverheirathung etwas wissen, erklärte, sie könne ja gar keinen andern Mann nehmen, da der ihrige ja alle Tage zurückkehren könne, allein es half nichts, die alte Muhme setzte ihr immer mehr zu, bis sie endlich böse ward und ihr die Thüre wies. Da rief diese, »es werde wohl einen andern Grund haben, daß sie ihren Vetter nicht wolle, sie müsse einen heimlichen Liebhaber haben, denn man sehe ja schon die Folgen ihres Umgangs.« Leider war es so, was anfangs wohl nur boshafte Vermuthung gewesen war, bewahrheitete sich, Frau Ose war in gesegneten Umständen. Nun war auf einmal alle Achtung gegen die arme Frau weg, Jedermann wies mit Fingern auf sie, und der Geistliche ließ sie zu sich kommen, um ihr ins Gewissen zu reden und ihr das Aergerniß, welches sie durch ihre Aufführung im ganzen Dorfe gegeben hatte, ernstlich zu verweisen. Frau Ose aber vertraute ihm unter dem Siegel der Beichte ihr Geheimniß an und Niemand begriff, warum der Pastor von Stund an betheuern konnte, daß Frau Ose eine unbescholtene Frau sei, welche die höchste Achtung verdiene, und wie Jeder, der ihr zu nahe trete, sich einer großen Sünde theilhaftig mache. Natürlich beruhigten sich namentlich die Frauen der Dörfler hierbei nicht, sondern sie beschlossen, | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
sagen/graessepreussenii1347.1742482434.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch
