sagen:graessepreussenii1337
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| sagen:graessepreussenii1337 [2025/03/20 15:52] – angelegt ewusch | sagen:graessepreussenii1337 [2025/03/20 16:45] (aktuell) – ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Das Glück der Grafen Ranzau ====== | ||
| + | ((Etwas Aehnliches ist das sogenannte Glück von Edenhall (Luck of Edenhall), jener Becher von Glas, orientalische Arbeit, in einem in Europa gefertigten Etui aus dem 15. Jhdt., der Familie Musgrave in Cumberland gehörig. Abgebildet in Lyson' | ||
| + | |||
| + | Verschieden erzählt bei Grimm, Deutsche Sagen Nr. 4 Bd. I. S. 45. | ||
| + | Happel, Relat. Curios. Bd. I. S. 236. [Hamburg 1683 in 4°.] | ||
| + | Müllenhoff S. 329 etc. | ||
| + | Hier nach Smidt, Schleswig-Holstein Bd. II. S. 243 etc. | ||
| + | |||
| + | Eins der berühmtesten und ältesten Geschlechter in Holstein, ursprünglich von den Herzögen in Schlesien abstammend, ist das der Grafen von Ranzau. Nun wohnte einst ein solcher Graf von Ranzau auf Schloß Breitenberg, | ||
| + | |||
| + | Den Grafen trieb es oft in den Wald, und wenn er Morgens mit dem frühesten Strahl hinauszog, kam er erst spät in der Nacht vom fröhlichen Jagen heim. Diese Abwesenheit benutzte die fromme Gräfin, dem Herrn der Herren wohlgefällig zu dienen, sie versah sich mit Speise, Wein und heilsamen Arzneien, ging in die Hütten der Armen und Kranken, wo sie im Namen ihres Gemahls, um Jesu willen, Werke der Barmherzigkeit übte und beim Abschiede den Leuten empfahl, eifrig für das Wohl ihres Gebieters zu beten, damit sie fortfahren könne ihnen beizustehen. Allein der Graf wußte ihr diese Sorge für sein Seelenheil wenig Dank, er verbot ihr sogar auf das Bestimmteste, | ||
| + | |||
| + | Die Gräfin aber befand sich plötzlich in einem großen Gewölbe, welches mit Gold, Silber und Krystall geschmückt war, Karfunkelsteine hingen von der Decke herab und strömten Tageshelle aus. Wohin die Gräfin sah, erblickte sie die kleinen unterirdischen Männer und Weiber, die Kinder aber waren so klein, daß sie sie nicht sehen konnte, denn sie ragten nicht über ihren Schuh hinaus. Alle trugen goldene Gefäße mit Edelsteinen gefüllt, die wie Früchte geformt waren. Sie boten ihre Schätze der Gräfin an, allein diese nahm nichts an, sondern folgte ihrer Führerin bis an das Ende des Gewölbes, wo die Kranke lag. Die Gräfin legte die Hand auf das Haupt der Leidenden und alsobald genas diese von einem gesunden Knaben. Darüber war große Freude bei den Unterirdischen, | ||
| + | |||
| + | Als nun für die Kranke jede Gefahr vorüber war, schritt das Weiblein wieder vor der Gräfin her und führte sie nach ihrem Schlosse zurück. Das dauerte aber diesmal gar nicht lange, denn ehe die Gräfin sich dessen versah, stand sie auf der Schwelle ihres Schlafgemachs. Da reichte das Weiblein der Gräfin drei hölzerne Stäbe und sprach: »Lege diese unter Dein Kopfkissen, so werden sie, wenn Du erwachst, in Gold verwandelt sein. Dann aber lasse von diesem Golde einen Becher((Nach einer andern Erzählung hätte sie einen goldenen Säbel oder einen goldenen Hering statt eines Bechers anfertigen lassen sollen.)), eine Spindel und funfzig Pfennige machen. Das Alles bewahre sorgsam auf und sage es Niemandem, außer Deinem Gemahle. Bei diesen drei Dingen wird nämlich das Glück Deines Hauses sein. Du wirst nämlich Deinem Gemahl drei Kinder gebären, und diese werden die Stammeltern großer und mächtiger Geschlechter sein. Dem Aeltesten der Knaben gebührt der Becher, das bedeutet ihm große Herrschaft zu Wasser und zu Lande, Kriegsglück und ununterbrochene Ehren, die so lange dauern, als er mit dem Becher aus dem eigenen Brunnen schöpfen kann. Deinem zweiten Knaben gieb die Pfennige; sie bedeuten den großen Reichthum, den er für sich und sein Vaterland erwerben wird. Heiße Deinem Sohne die Pfennige wohl in Acht zu nehmen, denn so lange sie in dem Beutel eines Ranzau sind, wird überall die Fülle sein, und jeder Bettler im Lande täglich eine Kanne Wein und ein gebratenes Lamm haben. Die Spindel gieb Deinem Töchterlein, | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
sagen/graessepreussenii1337.1742482322.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch
