sagen:graessepreussenii1335
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| + | ====== Hexen als Wellen ====== | ||
| + | S. Smidt, Schleswig-Holstein Bd. II. S. 135 etc. | ||
| + | Kürzer bei Müllenhoff S. 224. | ||
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| + | Auf der Insel Sylt waren einmal drei lustige Gesellen, schmuckes Seevolk, das den Sommer über zu Schiffe ging, das leicht Erworbene noch leichter durchbrachte und sich dann auf die faule Bärenhaut legte. Einst lagen sie auch darauf, da sagte einer, es sei dies ein gar zu langweiliges Leben, sie wollten heirathen, er habe ihnen schon etwas ausgesucht. Seine Wahl war aber auf drei Schwestern gefallen, die auf einem weitläufigen Gehöfte wohnten, aber grundhäßlich waren, dafür jedoch sehr viel Geld hatten. Eigentlich waren es drei ausgemachte Hexen, und obgleich ihnen die Insulaner gleich so weit aus dem Wege gingen, als die Insel breit war, so fingen sie doch mit Jedem Streit an und spielten ihm allen möglichen Schabernack an Haus und Vieh. Absonderlich ließen sie ihre Wuth an einem schmucken Knaben aus, der hieß Yark und war von ihnen an Kindesstatt angenommen, das heißt, sie quälten ihn von früh Morgens bis spät Abends, ließen ihn hungern und machten ihm das Haus zur Hölle. Er hatte schon oft davonlaufen wollen, weil aber die alten Hexen es ihm angethan hatten, konnte er nicht ohne ihre Bewilligung vom Hofe herunter. Zu diesen drei Schwestern begaben sich die drei Matrosen, und es dauerte nicht lange, so waren sie Mann und Frau. Als sie aus der Kirche kamen, sagten sie: »Wir sind nun den Hexen verfallen, aber den armen Jungen, den Yark, wollen wir von seiner Qual befreien!« Sie baten also ihre Frauen, sie möchten ihnen den Yark zum Schiffsjungen geben, dieselben sagten ja! und als der Junge frei und leicht vom Hofe nach dem Strande lief, rief er: »Das will ich Euch niemals vergessen!« | ||
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| + | Die Matrosen ließen nun aber ihre Weiber bald links liegen, sie kümmerten sich nicht so viel um sie, sondern bauten sich ein stattliches Schiff und fuhren damit nach fremden Ländern, wo sie sich natürlich mit anderen Frauenzimmern belustigten. Freilich blieb dies ihren eigenen Weibern nicht verborgen, als diese aber sichere Beweise von der Untreue ihrer Männer hatten, da wurden sie ganz und gar zu Hexen und schwuren, die Bösewichter eines jämmerlichen Todes sterben lassen zu wollen. Sie hielten auch sogleich einen Rath, wie sie dies am Besten bewerkstelligen konnten. Allein ein Lauscher war in der Nähe geblieben, Yark hatte sich ganz nahe bei ihnen versteckt, und als sie auseinander gingen, kroch er aus seinem Verstecke heraus und lief spornstreichs nach Niblum, wo sein alter Oheim wohnte, der früher als Dragoner gedient hatte, und jetzt als Invalide seinen Gnadenthaler verzehrte. Das war aber ein Prahlhans ersten Ranges, und als Yark ihn fragte, ob er im Kriege viele Menschen umgebracht habe, versicherte er, dieselben wären nicht zu zählen. Erst als sein Neffe sagte, er brauche einen Degen, der nie Blut gesehen, für denselben wolle er monatlich einen Thaler Leihgeld zahlen, gestand er die Wahrheit und gab zu, daß der seine allerdings diese Eigenschaft besitze. Yark nahm nun den Degen und ging damit nach dem Schiffe, was eben absegeln wollte, und wo ihm wegen seines langen Ausbleibens eben nicht der freundlichste Empfang zu Theil ward. Er ließ sich das aber nicht beirren, und die drei Seeleute hatten auch keine Zeit, sich mit ihm lange zu beschäftigen, | ||
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