sagen:graessepreussenii1327
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| + | ====== Die Wilsower Mühle ====== | ||
| + | S. Jahrb. Bd. X. S. 42 etc. | ||
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| + | Bei dem Kirchdorfe Elmschenhagen liegt ein See, dessen blaue Krystallfläche einen anmuthigen Anblick gewährt, wenn man auf der Eisenbahn von Kiel nach Preetz fährt. Vor 40 Jahren war aber der See viel größer und um 1600 soll er eine viermal so große Fläche als jetzt eingenommen haben. Die ihn umgebende Gegend, mit Holz und Sumpf bewachsenes Morastland, scheint ihm den Namen Wildsee (Wilse, jetzt Wellsee) verschafft zu haben. Die seit Jahren schon trocken gelegten Seen Moorsee und Boocksee gaben ihm ihren Ueberfluß an Wasser so reichlich, daß die aus ihm entspringende Wildau (Wilsowe) zu Zeiten ungeheuer anschwoll und weit über ihre Ufer trat. An diesem Waldbach in einer von hohem Wald eingerahmten Wiese, noch jetzt Mühlenteich genannt, lag ums Jahr 1516 eine dem Nonnenkloster zu Preetz gehörige Mühle, so still und friedlich, wie man sich nur eine Waldmühle denken kann. Der Müller, seine Frau und Tochter lebten glücklich und zufrieden bei einander, denn sein Zins ans nahe Kloster war nicht schwer. So war jener fünfzig Jahre, seine Tochter achtzehn alt geworden. Nur eins betrübte ihn, daß er keinen Sohn hatte, auf den er seine von seinem Vater und Großvater bereits bewohnte Mühle übertragen konnte. Sein Wunsch sollte jedoch auf andere Weise erfüllt werden, ein aus dem Reich zugereister Knappe wußte das Herz seiner Tochter zu gewinnen, und wenn auch an Mitteln arm, war der junge Mann doch an Sparsamkeit reich. Mit ruhiger Zuversicht für die Zukunft ihrer Tochter schieden ein paar Jahre später die Alten aus der Welt. Aber von nun an änderte sich der Sinn des neuen Müllers. Er mahlte, metzte, häufte Gulden auf Gulden und mit dem Zuwachs seines Vermögens erwuchs seine Sparsamkeit zu Habsucht und Geiz. Seine junge Frau verzehrte sich in Gram und folgte bald den Eltern ins Grab. | ||
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| + | Zwei Jahre war's her, seitdem die Müllerin ihr Haupt ins Grab gelegt, der Winter war hart gewesen, viel Schnee hatte die Felder gedeckt und man war in den März gekommen. Der Westwind jagte die feuchten Nebel der See über' | ||
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