sagen:graessepreussenii1282
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| + | ====== Das Geisterbankett zu Flensburg ====== | ||
| + | S. Francisci, Höllischer Proteus S. 426. Bräuner, Physik. Curiositäten S. 336 etc. | ||
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| + | Einst hatte König Friedrich III. von Dänemark eine öffentliche Zusammenkunft nach Flensburg ausgeschrieben, | ||
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| + | Der Wirth willfahrete ihm, ließ ihm Licht genug und wünschte ihm bei seiner Vermessenheit eine geruhige Nacht, in der Meinung, dieser freche und kühne Gast müsse gewiß ein Schweißbad von Nöthen haben, welches er auch in diesem Zimmer gar wohlfeil erhalten könne. Es fehlte auch nicht daran, und noch war die Nacht noch nicht halb vorbei, als sich nach und nach etwas im Saal anfing immer stärker zu rühren und ein Getöse über das andere hören ließ, welches aber sein Muth zu überhören und wider den an ihn kommenden Schrecken er sich männlich zu halten bestrebte. Unterdessen vergrößerte sich das Geräusch, und machte ihm gleichfalls auch mit der Zeit vor Furcht seine Haut gleichsam rauschen wie Espenlaub, wie sehr er auch sich selbst zu stärken bemüht war. Nach einem ziemlich langen Vorspiele, Gepolter und Getümmel kam auch durch den Kamin, welcher im Zimmer war, bald ein Bein, bald ein Arm, hernach der Bauch, die Brust und endlich der Kopf herab, und es wurde aus solchen Theilen geschwind ein ganzer menschlicher Körper in Gestalt eines Lakaien zusammengesetzt. Hernach fielen immer mehrere nach einander herab, welches alles der Edelmann mit erstarrten Augen anschaute, bis zuletzt die Thüre aufging und der helle Haufen eines völlig königlichen Hofstaates hereinkam. Sobald hatte derselbe sich noch nicht dem Tische genaht, als auch schon unser zitternder Edelmann sich von seinem Platze wegmachte und mit aller seiner Entschlossenheit hinter den Ofen retirirte, weil er vor denen im Wege stehenden menschlich verlarvten Gespenstern nicht zur Thüre hinauskonnte. Er sah, wie man in einem Augenblicke die Tafel deckte und mit vielen silbernen und goldenen Trinkgeschirren besetzte. Wiewohl er nun unter diesen verdächtigen Geistern ein Gast mit zu sein schlechten Appetit empfand, kam doch bald einer von ihnen und begehrte von ihm, er solle als ein Gast und Fremdling sich mit an die Tafel setzen und vorlieb nehmen. Weil er sich aber weigerte, ward ihm ein großer silberner Becher dargereicht, | ||
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| + | Ob nun gleich aus seinen Augen der ganze Hofstaat und alle Speisen im Augenblick entrissen waren, verblieb doch dem Edelmann der ihm gereichte silberne Becher in der Hand, nebst allem andern Silbergeschirr, | ||
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| + | Wo solches Silberwerk eigentlich hergekommen, | ||
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