sagen:graessepreussenii1222
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| + | ====== Claus Störtebeker und Gödeke Michels ====== | ||
| + | S. Beneke, Hamburgische Geschichten u. Sagen. Hamburg 1854 S. 110 etc. | ||
| + | Deecke, Lübische Sagen S. 161. | ||
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| + | Claus Störtebeker ist, bevor er ein Seeräuber geworden, ein Edelmann gewesen und war zu Halsmühlen bei Verden geboren; sein Schloß stand bei Verden in der Nähe der Halsmühle und seines Schwagers Hofstelle in Dauelsen wird noch gezeigt. Es behaupten freilich auch an der Ostsee viele Städte und Orte, daß er dort geboren sei, z.B. Wismar, nach Andern wäre er aus der Gegend von Barth in Pommern gewesen. Gödeke Michels soll erst ein Knecht des Gutes Ruschwitz auf Jasmund gewesen sein. In Mecklenburg wird ein alter Burgwall des Gutes Schulenburg bei Sülz an der Recknitz als eine Burg von Störtebeker und Michels gezeigt. Ebenso sollen sie zu Neustadt in Holstein eine Schanze gehabt hoben und noch 1771 existirte hier der Familienname Störtebeker. In seinen jüngern Jahren hat er lustig gelebt, hat Fehden ausgefochten, | ||
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| + | Nach ihrer Vertreibung aus der Ostsee haben sie von ihren Schlupfwinkeln auf Rügen und andern Orten lassen müssen. Darauf haben sie aber in Ostfriesland gute Freunde gewonnen und dort ihren Raub bergen und verkaufen können. Sonderlich bei Marienhaven haben sie viel verkehrt und dort an der Kirche den alten Thurm zu bauen begonnen, und daselbst giebts noch viele Erinnerungen an Störtebeker, | ||
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| + | Wenn Störtebeker Gefangene machte, die ein Lösegeld versprachen, | ||
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| + | Im Jahre 1400 nun ließen die Hansen eine Flotte nach Ostfriesland gehen, um dem Unwesen zu steuern. Die Hamburger Schiffe befehligten die Rathsherren Albert Schreye und Johann Nanne. Sie besiegten die dort liegenden Vitalienbrüder, | ||
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| + | In der That hat auch noch in demselben Jahre die hansische Flotte einen neuen Sieg über die Vitalienbrüder erfochten, wobei ihrer 80 geblieben, 30 aber gefangen und in Hamburg am Grasbrook enthauptet worden sind. Der Nachrichter hat 8 Schillinge für jeden Kopf erhalten, sein Knecht aber 20 Schillinge für das Einscharren der Leiber. Die Köpfe wurden auf Pfähle gesteckt. Eben so gewiß ist es, daß 1401 wiederum die Hamburgischen Schiffe unter den Rathsherren Nicolas Schocke und Hinrich Jennefeld den Seeräubern in der Weser eine Niederlage beigebracht und 73 Gefangene gemacht haben, welche (so viele ihrer nicht unterwegs an ihren Wunden gestorben sind) ebenfalls am Grasbrook enthauptet worden sind. Aber so lange Störtebeker und Gödeke Michels am Leben waren, durfte man im Kampfe nicht nachlassen. Darum wurde 1402 aufs Neue eine Hamburgische Flotte ausgerüstet unter dem Oberbefehl der eben genannten Rathsherren. Das Hauptschiff hieß die bunte Kuh, oder wie's in einem alten Volksliede hieß, die durch das Meer brausende bunte Kuh aus Flandern mit den starken Hörnern. Dies Schiff befehligte der Eigenthümer desselben, ein junger Kriegsheld, der sich unsterblichen Ruhm bei den Hamburgern erworben hat, Simon von Utrecht. | ||
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| + | Der ihnen von Keno then Broke eingeräumte Flecken Marienhaven war für sie aber ein ausgezeichneter Zufluchtsort. Sie hatten daselbst, wie wir oben gesehen haben, den Thurm befestigt und die Kirche zum Anlegen ihrer Schiffe eingerichtet. Damit ihnen ersterer als Baake dienen konnte, hatten sie ihn bedeutend erhöht. Aus gleicher Absicht hatten sie auch die Kirche an der einen Seite mit Kupfer, an der andern Seite mit Schiefer gedeckt. Fuhren sie nun von Marienhaven das Störtebekertief hinunter dem Meere zu, so konnten sie nimmer die Kirche sehen, denn der Thurm davon deckte sie. Waren sie aber erst auf der Watt und lenkten nach Norden, so sahen sie die mit Kupfer gedeckte Seite der Kirche und nannten dann die Stelle, wo sie sich befanden, Koopersand, steuerten sie aber ein wenig südlich, so bekamen sie die mit Schiefer gedeckte Seite der Kirche in Sicht und daran erkannten sie, daß sie auf dem Logsand waren. Das war aber alles sehr klug ausgedacht; denn wenn sie nun bei der Rückkehr vom Meere mit Beute beladen einlaufen wollten und dann nur auf die einmal gemerkten Zeichen achteten, so konnten sie die rechte Einfahrt niemals verfehlen. | ||
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| + | In Bezug auf diejenige letzte Unternehmung, | ||
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| + | Die bunte Kuh unter Simon von Utrecht verrichtete Wunder der Tapferkeit, sie rannte gegen das erste Piratenschiff so kräftig an, daß dessen Vorderkastell zerborst. Das Nähere von Simons und der übrigen Hamburger Thaten ist uns nicht aufgezeichnet, | ||
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| + | In Hamburg machte man kraft des vom Kaiser verliehenen Blutbannes über Seeräuber kurzen Prozeß mit den Gefangenen. Störtebeker saß in einem Keller des Rathhauses, der, so lange derselbe gestanden hat, Störtebekers Loch genannt worden ist. Die Sage erzählt, als man ihm sein Todesurtheil verkündet, habe er nicht gern daran gemocht, sondern er habe für sein Leben und seine Freiheit dem Rath eine goldene Kette, so lang, daß man den ganzen Dom, ja die Stadt damit umschließen könne, angeboten; die wolle er aus seinen vergrabenen Schätzen herbeischaffen. Der Rath aber hat dieses Anerbieten mit Entrüstung zurückgewiesen. | ||
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| + | Schon am folgenden Tage fand die Hinrichtung auf dem Grasbrook statt. Das Volkslied über Störtebeker sagt, daß diese 72 wilden Gesellen, die ihrer Bitte gemäß im besten Gewande so stattlich und mannhaft hinter Trommlern und Pfeifern in den Tod geschritten seien, von den Weibern und Jungfrauen Hamburgs sehr beklagt worden wären. Der Scharfrichter Rosenfeld enthauptete sie und steckte ihre Köpfe auf Pfähle hart am Elbstrande. Nach einer andern Volkssage hätte Störtebeker, | ||
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| + | Der Sage nach durchsuchten die Hamburger Störtebekers Schiff besonders eifrig nach seinen ungeheuern Schätzen. Außer einigen Pokalen und anderm Geräthe fanden sie aber anfangs nichts, bis endlich ein Zimmermann, der mit der Axt zufällig gegen den Hauptmast schlug, eine Höhlung darin entdeckte, welche voll geschmolzenen Goldes war. Von diesem Schatze wurden die beraubten Hamburger Bürger entschädigt und die Kosten des Kriegszuges bezahlt, von dem Ueberrest aber, so heißt es, ließ der Rath eine schöne goldene Krone für den St. Nicolaithurm anfertigen. Als nun 1500 dieser Thurm abgebrochen wurde, da soll die Krone auf den St. Katharinenthurm gekommen sein, der allerdings um 1602 schon eine Krone getragen hat, aber keinenfalls die jetzige, welche erst 1656 vom Oberalten Hermann Rentzel geschenkt worden ist. | ||
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| + | Aber noch war Gödeke Michels mit dem Reste der Vitalienbrüder zu vertilgen. Gleich nach Störtebekers Hinrichtung liefen die Hamburger wieder in die Nordsee, um ihr Werk zu vollenden. Wiederum war es Simon von Utrecht auf seiner bunten Kuh, welchem nach den alten Berichten der Preis auch dieses Seezuges gebührt, der mit völliger Niederlage der Piraten endigte. Unter den 80 nach Hamburg gebrachten Gefangenen war Gödeke Michels mit seinem Unterhauptmann Wigbold, einem frühern Magister der Weltweisheit, | ||
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| + | Von Störtebeker aber giebt es noch vielerlei Reminiscenzen. Sein Hemd und seine Pantoffeln sind zu Emden bis auf den heutigen Tag aufbewahrt worden und werden dort gezeigt. Zu Marienhaven aber spukt es noch jetzt zur Nachtzeit seit jener Zeit. Wenn nämlich die Thurmuhr die Mitternachtsstunde verkündet, hört man in den untern Räumen des dasigen Kirchthurms ein gewaltiges Poltern und lautes Stöhnen; zuweilen sieht man dort auch eine männliche Gestalt wandeln, welche ihren blutigen Kopf unter dem Arme trägt. Das ist ein Räuber aus der Schaar Störtebekers, | ||
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| + | In Hamburg giebt es ebenfalls noch verschiedene von Störtebeker aufbewahrte Merkwürdigkeiten. So soll da eine kleine Flöte oder Pfeife, mit der er auf dem Schiffe im Sturm oder Kampf seine Signale gab, nebst der dazu gehörigen silbernen Halskette in der Kämmerei gewesen sein. Eine 19 Fuß lange eiserne Kanone, eine sogenannte Feldschlange, | ||
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| + | Daß Störtebekers Besiegung für ein höchst denkwürdiges Ereigniß angesehen ward, beweist der Umstand, daß man darauf eine Medaille mit seinem Bildnisse und passender Inschrift schlug. Als sein Portrait hat man Jahrhunderte lang einen oft vervielfältigten alten Kupferstich, | ||
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