sagen:graessepreussenii121
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| + | ====== Die Sage von Thurnberg ====== | ||
| + | Nach Fischer Bd. II. S. 300 etc. | ||
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| + | Oberhalb des Fleckens Welmenach oder Wlanigen (Walmich) auf einem hohen Berge liegt das große, aber seit Langem schon verfallene Schloß Thurnberg, auch Dürenberg genannt, bei den Umwohnern aber unter dem Namen der Maus bekannt. Dasselbe soll jedoch ursprünglich den Namen Cunoburg geführt haben, weil es der 21. Kurfürst zu Trier, Namens Cuno, ein geborener Graf von Falkenstein erbaut hatte. Aus der Mitte dieser Ruinen ragt jetzt noch der runde Wartthurm empor und im Innern findet man noch Kellergewölbe, | ||
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| + | Der letzte Besitzer der Burg war ein gewisser Reinhart, ein ebenso tapferer als biederer Ritter. Derselbe besaß eine einzige Tochter, Jutta genannt, deren Geburt aber ihrer Mutter das Leben gekostet hatte. Ihre Erziehung ward anfangs von dem Burggeistlichen allein geleitet, da der Ritter fast stets am Hofe des Kaisers lebte, allein als er seines hohen Alters wegen an den zahlreichen Fehden, die damals auszufechten waren, sich nicht mehr betheiligen konnte, kehrte er auf seine Stammburg zurück um seiner Tochter zu leben und sie wo möglich noch bei seinem Leben gut zu vermählen. Die meisten der zahlreichen Freier, die sich dort einfanden, sagten ihm aber nicht zu, weil sein künftiger Eidam ein reicher und angesehener Mann sein sollte, und deshalb begab er sich auch in seinem hohen Alter noch einmal an das Hoflager des Kaisers Otto II. nach Nürnberg, um sich dort vielleicht einen Schwiegersohn nach seinem Sinne auszuwählen. Unterdessen übernahm der alte Burgkaplan wieder die Sorge für die Jungfrau, allein da er derselben nichts Unrechtes zutraute, so ließ er sie unbeaufsichtigt in der nächsten Umgebung der Burg herumstreifen. Auf diesen Wanderungen machte sie die Bekanntschaft eines jungen Ritters, sie trafen sich öfter und endlich wurde ein zärtliches Verhältniß daraus, welches durch zahlreiche Zusammenkünfte, | ||
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| + | Mittlerweile kehrte der Ritter mit dem selbst gewählten Eidam zurück, und befahl, der Burggeistliche solle seine Tochter in den Prunksaal zur Verlobung einführen. Derselbe erschien, das Crucifix in der Hand und bat um die Erlaubniß, sich wegen des Nichterscheinens der Jungfrau verantworten zu dürfen. Er erzählte hierauf unerschrocken, | ||
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| + | Am folgenden Morgen nahm der Gast von ihm Abschied, rieth ihm seine That möglichst geheim zu halten, um nicht die Rache der Geistlichkeit auf sich zu ziehen, seiner Tochter aber zu verzeihen, allein der Ritter schlug zornglühend auf die steinerne Lehnung der Treppe, wo sie beide von einander Abschied nehmend gerade standen, und sprach: »Hier will ich verderben und keine Ruhe finden, bis der Stein sich abgerieben hat von der Hand der Hinauf- und Hinabgehenden, | ||
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| + | Nun lebte der alte Ritter traurige und einsame Tage in der Burg, er schlich durch die öden Zimmer und verwünschte sich und seine Tochter, von dem Burgkaplan aber hörte Niemand mehr etwas, denn da sein Wärter kindisch geworden war, so meinten die wenigen Diener, welche noch in der Burg geblieben waren – die meisten waren aus Furcht vor der göttlichen Strafe, die sie mittreffen könne, entflohen – derselbe habe aus Verzweiflung und Gram über den Tod des Geistlichen den Verstand verloren. Da beschloß der Ritter eines Tages auf der Jagd sich die Sorgen zu vertreiben, er bestieg sein Roß und jagte in den damals dichten Wald am Rheinufer hinein. Sein Gefolge blieb bald hinter ihm zurück und so geschah es, daß, als durch die Rüden aufgescheucht, | ||
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sagen/graessepreussenii121.1737485612.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
