sagen:graessepreussenii1204
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| + | ====== Die Unterirdischen auf der Burg Plesse ====== | ||
| + | S. Wunderbare Begebenheit, | ||
| + | dem alten Schlosse Plesse zugetragen hat. Göttingen 1770 in 8°. | ||
| + | und daraus Gottschalck, | ||
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| + | Im Herbste des Jahres 1743 besuchte ein Student aus Göttingen, dessen Namen unbekannt geblieben ist, die Ruinen der alten Burg Plesse, welche nur anderthalb Stunden von der Universitätsstadt auf dem sogenannten Plesserberge liegt. Er war allein, und als er sich genug umgesehen hatte, warf er sich auf den Rasen hin und las. Zwei bis drei Stunden mochte er gelesen haben, als er mit einem Male einen ganz überaus angenehmen Geruch verspürte, den er mit keinem ihm bekannten Geruche vergleichen konnte. Verwundert sah er sich überall um, sann nach, woher der liebliche Duft wohl kommen möchte, fühlte aber zugleich eine unbezwingbare Neigung zum Schlafe, dem er auch unterlag. Aus diesem erweckte ihn nach einigen Stunden ein heftiger Donnerschlag. Er richtete sich erschrocken auf, fühlte starken Regen, sah aber vor dicker Finsterniß nicht seine Hand. Ehe er seine Gedanken sammeln konnte, glaubte er blind geworden zu sein; aber ein Blitz überzeugte ihn vom Gegentheil und ließ ihn auch sehen, daß er sich noch unter den Ruinen der Plesse befände, wo er an sieben Stunden lang geschlafen hatte. Das Wetter war entsetzlich, | ||
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| + | Auf der Tafel standen zwar nur drei Gerichte, sonst aber war sie festlich aufgeputzt; das Tafeltuch war außerordentlich fein, man sagte ihm, es sei aus Amiantstein gewebt, und werde, wenn es schmutzig sei, nicht durch Wasser, sondern durch Feuer wieder gereinigt. Die Schüsseln, Teller, Löffel, Messer, kurz alle Geräthe auf dem Tische waren von gediegenem, auf's Schönste polirtem Silber und bei jedem Gedecke stand ein prächtig gearbeiteter, | ||
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| + | Nach diesen Worten ließ sich vor der Thür ein starker Ton hören, als blase Jemand in ein Horn. Die ganze Versammlung fiel auf ihre Kniee und betete leise. Dies war das Zeichen, daß der Abend anbreche und gleich darauf wurden auch Lichter auf großen silbernen Leuchtern hereingebracht. Alle begaben sich wieder in das andere Zimmer, wo das alte Männchen zu ihm also sprach: »Ich will jetzt, daß Du auf die Oberwelt zurückkehrst, | ||
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| + | Der Student stand da wie aus den Wolken gefallen, er wollte gar nicht fort und sollte doch. Er hatte schon gehofft, sich hier einige Wochen aufhalten zu dürfen, um Alles auf dieser neuen Erde recht genau besehen zu können. Er hatte schon beschlossen zu bitten, man möge ihn in den unterirdischen Gärten herumführen, | ||
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| + | Auf demselben Wege, auf welchem der Student hingeführt war, wurde er auch zurückbegleitet, | ||
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| + | »Träume ich, oder wache ich!« rief der junge Mann aus, als er sich wieder mitten unter den Ruinen des Schlosses Plesse sah. »Wo war ich, was sehe ich?« Bald aber überzeugte ihn die Menge des bei sich habenden Goldes und das Blitzen der edlen Steine, in denen sich die aufsteigende Sonne spiegelte, daß er nicht geträumt habe, daß alles reine Wirklichkeit sei. Seine Freude war grenzenlos. Man denke sich einen armen Göttinger Studenten, der bis dahin kaum hundert Thaler jährlich zu verzehren hatte, und auf einmal in den Besitz von 20 bis 30,000 Thaler kommt. Er sprang auf dem hohen Berge herum, klatschte in die Hände und wußte gar nicht, was er gleich anfangen sollte. Nachdem sich der erste Rausch gelegt hatte, ging er den Berg hinab und nach Göttingen zurück. Hier setzte er die Goldkörner in Geld um, ward aber dabei von den Göttinger Juden arg betrogen, auch die edeln Steine verkaufte er, that aber mit dem erhaltenen Gelde viel Gutes, weil ihm doch mancher Scrupel kam, ob jene Unterirdischen auch wirklich gute Geister gewesen seien, oder ob doch nicht etwas Teufelei mit dabei gewesen sei. Er ist späterhin noch manches Mal in die Ruinen des alten Schlosses Plesse gegangen, hat aber niemals jenes Männchen wiedergesehen, | ||
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