sagen:graessepreussenii1181
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| + | ====== Versöhnung nach dem Tode ====== | ||
| + | S. Schambach a.a.O. S. 222. | ||
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| + | Auf der Burg Lichtenstein lebte vor Jahrhunderten ein Ritter, der zwar reich und tapfer, aber so wenig fromm war, daß er in dreißig Jahren nicht einmal die Kirche besucht hatte. Seine Gemahlin dagegen war sehr fromm und betete auch fleißig zu Hause. Um sich in ihrer Frömmigkeit aber noch mehr zu stärken, ließ sie einen von ihren Burgleuten jeden Abend auf ihr Zimmer kommen, mit ihm zu beten. Als dies dem Ritter hinterbracht wurde, ward ohne Grund in ihm Argwohn geweckt. Die Burgfrau betheuerte zwar ihre Unschuld, wurde aber dennoch von ihrem Gemahl verstoßen und mußte ihr ferneres Leben in Kummer und Herzeleid zubringen. Zu wiederholten Malen versuchte sie eine Versöhnung mit ihrem Gemahl zu Stande zu bringen, allein vergebens. Nicht lange nachher starb aber der Ritter ohne sich mit seiner Gemahlin versöhnt zu haben, und auch diese starb bald darauf. | ||
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| + | Ein Jahrhundert war seitdem verflossen und auf derselben Burg lebte ein Ritter, der in der ganzen Umgegend wegen seiner Frömmigkeit berühmt war. Eines Abends hatte dieser aber sein Gebet beendigt, als plötzlich ein heller Glanz das Zimmer erfüllte und eine Frau in einem Anzuge vor ihm stand, der vor hundert Jahren Mode gewesen war. | ||
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| + | Alsbald fing diese an zu sprechen und erzählte dem Ritter, wie es ihr und ihrem Manne in jenem Leben ginge. Dieser richtete dann an sie mehrere Fragen und erkundigte sich insbesondere nach ihrer Herkunft. Sie beantwortete alle Fragen ganz genau und sagte namentlich, »sie selbst sei zwar an einem guten Orte, aber ihr Mann müsse zwischen Himmel und Erde schweben und könne nicht eher zur Ruhe gelangen, als bis sie Beide mit einander versöhnt wären. Diese Versöhnung aber zu Stande zu bringen, sei er ausersehen und er allein könne dies Werk vollbringen; | ||
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