sagen:graessepreussenii1179
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| + | ====== Frau als Hexe ====== | ||
| + | S. Schambach u. Müller S. 166. | ||
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| + | In einem Dorfe bei Hildesheim hatte vor langer Zeit ein Bauer eine hübsche junge Frau, die ging in Sammt und Seide und trug auch selbst Alltags goldene Mützen. Aber Keiner im Dorfe mochte das stolze Weib leiden, und die Leute sagten, es gehe doch wohl nicht mit rechten Dingen zu, daß die Frau immer die beste Butter an den Markt bringe und so viel Geld verdiene. Die Frau ließ aber auch nicht gern einen Andern an das Butterfaß, sondern butterte immer selbst. Eines Tages hatte sie aber einen nothwendigen Weg in die Stadt zu machen und befahl der Magd, die unterdessen buttern sollte, recht fleißig zu sein, und das Butterfaß ja nicht von der Stelle zu rücken, sonst werde es ihr schlimm gehen. Als die Frau fort war, konnte die Magd vor Neugier nicht ruhen und rasten und hätte für ihr Leben gern unter das Butterfaß gesehen, aber sie fürchtete sich vor ihrer bösen Frau und fing an zu buttern, was auch sehr gut ging. »Ei,« dachte die neugierige Magd, »es wird doch nicht schaden, wenn Du das Butterfaß nur ein klein wenig auf die Seite biegst.« Als sie es gethan hatte, sah sie eine dicke fette Kröte unter dem Butterfasse sitzen. Die Magd, die nicht wußte, daß ihre Frau eine Hexe war, sagte: »Was hast Du häßliches Lork hier zu sitzen?« nahm eine Feuerzange, faßte die giftige Kröte damit an und warf sie vor die Thür mitten auf die Straße. Nun ging die Magd wieder rüstig an die Arbeit, aber sie mochte buttern, soviel sie wollte, die Butter ward nicht fertig. Da wurde ihr recht bang, als es Abend wurde und die Frau zurückkam. Diese war sehr böse, als sie ins Haus trat. »Nun, ist die Butter fertig?« sagte sie zur Magd und sah sie zornig an. »Was hast Du angerichtet? | ||
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| + | Düweletgen, | ||
| + | Kum under use botterfätgen!\\ | ||
| + | Use magd is uneweten,\\ | ||
| + | Hat dek up de straten gesmeten.\\ | ||
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| + | Teufelchen, | ||
| + | Komm unter unser Butterfäßchen!\\ | ||
| + | Unsere Magd ist unwissend, | ||
| + | Hat Dich auf die Straße geschmissen.\\ | ||
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| + | Da kroch die Kröte aus einem Wagengleise hervor und wieder unter das Butterfaß und in wenig Minuten war die schönste Butter fertig. | ||
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| + | Die geschlagene Magd aber wußte nun, daß ihre Frau eine Hexe war, und sagte ihrem Herrn, was sie erlebt hatte. Von dem Augenblick an war dem Bauern, der ein frommer Mann war, seine Frau zuwider und er beschloß ihr ordentlich auf die Finger zu sehen. Noch in derselben Nacht, als er mit seinem bösen Weib zu Bett gegangen war, that er, als ob er schliefe, und als die Glocke zwölf schlug, sah er richtig seine Frau aufstehen und sich anziehen. Dann ging sie in die Küche, wo sie einen alten eisernen Kasten stehen hatte, wozu sie den Schlüssel immer auf der Brust trug (nie hatte der Mann dahinter kommen können, was eigentlich darin war), diesen Kasten nahm nun die Frau auf den Arm, setzte sich auf die Ofengabel und war alsbald zum Schornstein hinaus. Da zog der Bauer sich die Bettdecke über den Kopf, denn an jedem Haar hing ihm ein Angstschweißtropfen. Er hatte auch nicht lange gelegen, als die Hexe wieder mit ihrem Kasten durch den Schornstein herunterfuhr. Ehe sie nun ihre Last auf den Heerd niedersetzte, | ||
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