sagen:graessepreussenii1145
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| + | ====== Graf Isang von Seeburg ====== | ||
| + | S. Veldeck, Göttingen u.s. Umgebungen Bd. II. S. 56. | ||
| + | Harrys Th. I. S. 1 etc. | ||
| + | Etwas verschieden bei Schambach u. Müller, Niedersächs. Sagen S. 49. | ||
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| + | Unfern Göttingen, zwischen den Dörfern Seeburg und Berenshausen, | ||
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| + | Wie er nun eines Tages in träger Lässigkeit sich auf seinem Lager wälzte, geschah es, daß sein Koch ihm einen silberweißen Aal brachte, der Graf meinte, es könne wohl eine Schlange sein, ließ ihn bereiten, speiste davon, verbot aber dem Diener bei seinem Leben etwas von diesem Gerichte zu genießen. Alsbald nach der Mahlzeit fielen dem Grafen alle seine begangenen Frevel schwer aufs Herz, ihm ward so heiß und eng, daß er nicht Ruhe hatte im Schlosse, sondern nach Luft schrie und in den Garten eilte. Da trat ihm ein Bote aus dem Kloster entgegen und sprach: »Zu dieser Stunde ist Euere tugendhafte Schwester im Kloster verschieden. Euer Frevel hat sie zu Tode gebracht, das letzte Gebet sprach sie für Euch!« – »Ach!« seufzte Graf Isang, »wer nimmt mir mein elendes Leben?« Als er wieder nach seinem Schloß zurückgehen wollte, da hörte er auf dem Schloßhofe ein seltsames Murmeln und Rauschen wie Menschenstimmen und es war ihm, als wenn die Blumen und Blätter sprächen und alles Gethier redete, Enten, Hühner und Gänse im Hofe, Sperlinge und Tauben auf den Dächern. Das kam daher, weil der Graf von der Schlange gegessen hatte, und nun mußte er die Sprache der Thiere verstehen. Der Hahn sprach: »Es ist ein Sünder im Hause, wehe Graf Isang!« Die Hennen riefen: »Eile Dich, Graf Isang! ehe die Sonne untergeht, werden die Thürme Deines Schlosses fallen, wird Deine prächtige Burg versunken sein. Bete, Graf Isang!« | ||
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| + | Ergeben in sein Geschick, schritt Graf Isang zum Schloßhof hinaus und setzte sich auf einen Stein vor der Thür seines Hauses. Da trat der Hahn zu ihm heran, schlug mit dem Fittig und sprach mitleidig: »Herr, Du kannst Dich noch retten, fliehe schnell, doch ziehe allein!« – »Soll ich allein fliehen«, antwortete Graf Isang, »und meine treuen Diener nicht retten?« – »Eile, eile! ziehe allein!« kreischte der treue Hahn. | ||
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| + | Der Graf sattelte eben sein bestes Roß und wollte hinaus, da kam ein Diener athemlos herzu, fiel ihm in die Zügel und wollte den Grafen nicht allein ziehen lassen, sondern bat, daß er ihn mitnehme auf sein Roß. Der Graf aber fragte: »Was ruft der Hahn?« und der Diener, der trotz seines Herrn Verbot, von der Schlange gegessen hatte, vergaß sich in der Angst und sprach: »Willst Du Dein Leben retten, so eile zur Stunde von hier, doch ziehe allein!« – »Verräther«, | ||
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| + | Auf einer Anhöhe nahe beim Städtchen Gieboldehausen ruhte er aus, sein Roß war todt. »Da liegt mein schönes Schloß«, sprach er mit weinenden Blicken, »und ich bin hier so ganz allein und mein Herz ist todesmatt. Was trieb mich hinaus? War Alles wohl nur ein wüster Traum?« Und wie er noch sprach, wankte plötzlich der Hügel und die Erde bebte unter seinen Füßen. Glühend roth war der Himmel und der Donner rollte. Erschrocken floh Graf Isang weiter, und wie er dann noch einmal nach der Burg zurückschaute, | ||
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| + | Nach dieser wundervollen Begebenheit bekehrte sich Graf Isang und trug Buße seiner Sünden im Kloster zu Gieboldehausen, | ||
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