sagen:graessepreussenii1136
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:graessepreussenii1136 [2025/03/11 16:29] – angelegt ewusch | sagen:graessepreussenii1136 [2025/03/20 13:53] (aktuell) – ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Der Kreuzbaum und der Kronenbaum ====== | ||
| + | S. Neues Vaterl. hannöversches Archiv Bd. XXI. S. 300 etc. | ||
| + | |||
| + | In den wendischen Kirchspielen oder dem sogenannten Wendlande im Fürstenthume Lüneburg herrschten sonst sehr sonderbare Gewohnheiten. Darunter gehört der Aberglaube, den sie mit dem sogenannten Kreuzbaum und Kronenbaum trieben. | ||
| + | |||
| + | Der Kreuzbaum bestand aus einer starken hohen Eiche, die gehörig zubereitet am Himmelfahrtstage errichtet ward, auf deren Spitze ein Kreuz und über dem Kreuze ein hölzerner Hahn stand. Fiel der Kreuzbaum um, so durfte er vor Himmelfahrt nicht wieder aufgerichtet werden, weil es ihre »Stedte« nicht leiden wollte. Diese Stedte erklärten Einige für einen Mann oder ein Weib, der Pastor zu Bölitz aber vermuthete, es sei ein Genius, der sich an der Stätte des Kreuzbaums aufhalten sollte. Wenn nun Himmelfahrt kam, so erwählten sie einen andern Kreuzbaum im Holze, da denn die ganze Dorfschaft sich versammelte und ein jeder Hauswirth gewisse Hiebe zu thun hatte. Der Baum mußte aber gerade und frisch sein. Nachdem er umgehauen war, legten sie ihn auf einen Wagen, bedeckten ihn mit ihren Kleidern und fuhren ihn an die Stätte, wo der vorige gestanden. Hernach kam ein alter wendischer Zimmermann, der behaute ihn vierkantig. Er ward nun kreuzweise durchbohrt und mit Pflöcken bestochen, so daß Jemand hinaufsteigen konnte. Hierauf ward ein großes Sauffest angestellt und mit großem Unfug und Trinken gefeiert und es gingen stets an die neun und zehn Tonnen Bier darauf. Sie sagten, wenn sie dies nicht thäten, gedeihe ihnen kein Vieh. In Breselenz wurde der Kreuzbaum noch besonders eingeweiht, sie stiegen nämlich die Säule, wie er hier genannt ward, hinan, gossen von oben Bier herunter und salbten das Kreuz ein. In Predöll weihten sie den Baum gleichfalls mit Bier ein und jagten das Vieh herum, meinend, so werde es gesegnet. Zu gewissen Zeiten gingen sie mit einem brennenden Wachslichte herum, sagten auch etwas dazu, ein alter Mann mußte allezeit vor der Stange niederknieen und hier seine Andacht, vornehmlich an Bettagen verrichten. | ||
| + | |||
| + | Der Kronenbaum dagegen war eine Erle, abgezweigt und abgeschält, | ||
| + | |||
| + | Auf dieselbe Weise weihten sie auch Ställe und Häuser, indem sie solche in allen Ecken mit Branntwein und Bier begossen, indem sie sagten, die Stedte wollte das haben, sonst bekäme das Vieh Schaden. Diese Einweihung geschah alle Quartale. Ebenso gossen sie Bier hinein und das erste Wasser, welches sich wieder in den Brunnen fand, gossen sie zu ihrem Bier und tranken es. Eine ebenso große Rolle spielten die Lichter. An Lichtmessen brachten sie 16 brennende Lichter in die Kirche, damit ihr Vieh gut gedeihe. Bei der Communion verlangten sie drei brennende Lichter auf den Altar. Das Wachs wurde zu dem mittelsten Altarlichte von den Frauen präparirt und weich gemacht und sodann von dem Kirchenvorsteher und Küster verfertigt, wobei wenigstens 14 Tonnen Bier ausgetrunken wurden. Dieses Mittellicht sollte eine besondere Kraft haben, Einige zündeten daran ein Licht an und umgingen damit die Ställe und das Vieh. Der Pastor in Clarge sah auf einer Hochzeit, daß eine Frau im Hochzeitshause vier brennende Lichter zwischen den Fingern gehabt, vor der Thürschwelle habe eine Axt gelegen mit Stroh bedeckt, worüber die Braut geführt worden, sowie ferner in alle Stuben, Kammern, Küchen, Ställe, insonderheit um den Herd. | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
sagen/graessepreussenii1136.1741706944.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch
