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sagen:graessepreussenii1133

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-====== Die Zauberurnen ======+====== Das Grab des Johannes Parricida ======
  
-    S. Crusius a.a.O. S. 399.  +    S. Neues VaterlArchiv BdV. S. 107 etc.
-    Delius, Ueber den vermeinten Götzen Crodo. Halberst. 1827 S. 125 etc. [der den  +
-    ganzen Fund für erdichtet hält.])+
  
-Im Jahre 1733 fand der Sohn des Gemeinde-WorthaltersErdwin von der Hardtauf dem Osterfelde bei Goslar drei alte Urnen aus grauer Töpfererde in der Größe einer Wein-Quartflasche3/8 Ellen hoch, ohne Fuß und Deckel mit einem engen Halse, die Materie von der Dicke eines Federkielsrundumher mit StreifenAlle waren mit Gyps angefüllteine aber hatte einen abgebrochenen Hals. Erstere schüttete man aus ohne darin etwas zu findenletztere aber untersuchte Erdwin von der Hardt selbst und fand in der Mitte der Flasche ein verkittetes längliches Apothekerglas. Als er an dem Siegel mit einem Federmesser etwas unvorsichtig schabtesprang die Mündung des Glases mit solchem Knalle und Geklinge ihm ins Gesicht, daß er erschrack und mehrere Stunden lang nicht wieder dabei ging. Dann untersuchte er in Gegenwart einiger Freunde den Inhalt der Urne und fand Folgendes+In öder Gegend an der Wissinger Heidezwischen alten Burgen, der der Grafen von Halte in Trümmernder Ledenburg und der Schellenburg im Osnabrückschen ward zu Anfange dieses Jahrhunderts zunächst der Ledenburg eine verschüttete Sägegrube geöffnet und auf deren Grunde ein menschliches Gerippe gefundenwelches die Arbeiter wieder bedecktenwohl wissend, daß Jahn von Oesterieke hier begraben seiVon diesem Jahn von Oesterieke erzählen sie nun, derselbe habe mit seinen Gesellen lange bei der Ledenburg gelegenvon wo er einst ausgezogen um mit dem Tagwerden die Schellenburg zu überfallenwo er bei der aufgezogenen Zugbrücke sich an den Ketten aufgeschwungen und den Gesellen zugerufen, ihm die Hacke zu reichen, um sie abzuschlagen. Da habe sich in der Burg ein Fenster geöffnetdaraus der Herr mit Geschoß ihm zugerufen: »Teuf Du Hund ick will se die gieven« und geschossen, Jahn von Oesterieke sei in den Graben hinabgestürzt, eine Weibsperson aber, die er in seinem Gefolge gehabt, sei in lautes Wehklagen ausgebrochen und habe gerufen»O Du Jahn, der Du so manchen Zug bestanden, mußt nun hier umkommen!« und die Gesellen haben ihn herausgezogen und zurückgetragen und zur Rache geschworen, den ersten umzubringen, der ihnen begegnen würde. Das sei zu seinem Unglück ein alter Holzsammler am Schladehauser Berg gewesen. Jahn von Oesterieke aber haben sie dann traurig an dieser Stelle begraben.
  
-1) ein kleines Bündel Haare mit einem dünnen messingenen Drahte fest eingebunden und einen kleinen Pergamentzettelworauf stand: 5 wiga orapna.  +Es ist bekanntdaß im Jahre 1308 der Enkel des großen Habsburgers Johann von Oestreich, auch Johann von Schwaben genannt, den Sohn desselben den Kaiser Albrecht mit den Worten erschlug»Hier der Lohn des Unrechts«, weil er ihm sein Erbtheil vorenthalten hatteEr und seine Freunde verstoben in den Wälderndie beiden Weiber aber Elisabeth und Agnes von Böhmen übten gräßliche Rache an den Kindern und Hörigen der EntflohenenRudolph von Palm ward von ihnen ergriffen und lag lebend drei Tage auf dem RadeWährend dieser Zeit kniete betend in Liebe und Ergebenheit sein Weib unter dem Hochgerichtbis er fest beharrend, daß Albrecht recht geschehen, starb und sie im Schmerz ihm folgte. Mit Walther von Eschenbach erlosch das edle Geschlecht des großen Sängers und mit Blut und Feuer deckten die erzürnten Königinnen das weite Land am Bodensee und vom Raube baute Agnes das Gotteshaus Königsfeld auf der Stelle, wo Albrecht erschlagen war, und blieb darin um Werke der Demuth zu üben und Almosen zu spendenAls sie aber den alten Ritter Berchtold von Ostringender als Einsiedler in einer Felsenhöhle lebtezu sich einlud, antwortete dieser: »Es ist ein schlechter Gottesdienst aus dem Raube Klöster zu stiften, Gott hat Gefallen an Gütigkeit und Erbarmung.« Was aus Johann von Oestreich selbst gewordendarüber sind die Geschichtschreiber uneinig. Allein Thomas von Hasselbach erzählter habe oft zu Wien am Neuen Markte einen blinden Bettler gesehen, der sich für Johannes Sohn ausgegeben, den er mit einer Frauensperson erzeugt, die er in den Wäldern mit sich geführtEs scheint nundaß jener Johann von Schwaben und dieser Jahn von Oesterieke eine und dieselbe Person warenSo erklärt sich auch der Umstand, wie es kommt, daß eine Bauerschaft Oesterrich in der Grafschaft Limburg in der Mark liegt und nach einem alten Lehnbuche des Stiftes Herdike Güter darin von diesem zu Lehne rührten, deren eins sogar einem gewissen Johann Smyt gegen Ende des 15. Jhdts. verliehen worden war.
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-2) Ein krummes Knöchlein mit einem eisernen kleinen Drahte und einem Pergamentzettel mit den Worten: 5 pancrat opna +
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-3) In dem Glase ein grobes Pergamentröllchen an beiden Seiten mit Charakteren beschriebenderen Anfang lautete: posteris; am Ende aber de gossa de pissina +
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-4) In dem größeren Pergamentröllchen ein noch kleineres, auf welchem oben ein schwarzes gemaltes Kreuz mit J.N.R.J. und den Charakteren 5 nobissa, am Ende aber ein einköpfiger Adler befindlich war. +
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-Die zweite Urne enthielt außer Kalk ein bloßes Pergamentröllchenmit einer unbekannten Schreibart, dem allbekannten Gelübde an den Wodan oder Crodo-Wodanwelches also lautete: Hilli Krotti Woudanailpo osk un osken Pana Witekinok kelta of den aiskena Karel; vi den SlakteneraIk kif ti in Ur two Scapa un tat Rof. Jk slakte ti all fanka up tinen illigen Artesberka d.h.: Heiliger großer Wodan! Hilf uns und unserem Herrn Witekindauch dem Kelta von dem aischen Karl; pfui dem Schlächter. Ich gebe Dir einen Ochsen und zwei Schafe und den RaubIch schlachte alle Gefangene auf Deinem heiligen Harzberge.+
  
 //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 2, Glogau 1868/71//  //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 2, Glogau 1868/71// 
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