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-====== Das Kreuz bei Ebstorf ======+====== Das Petersstift zu Goslar ======
  
-    S. Neues VaterlArchiv BdVII. S. 274 etc+    S. Crusius, GeschvGoslarOsterode 1843 S. 32
  
-Noch zu Anfange dieses Jahrhunderts stand an der Grenze des Amtes Ebstorf vor der sogenannten Raubkammereiner großen herrschaftlichen Waldung, ein hohes Kreuz, welches früher von Zeit zu Zeit von Seiten dieses Amtes erneuert, endlich in Trümmer zerfiel, über dessen Entstehung theils Schrift, theils Sage folgende Nachrichten festgehalten haben. +Im Jahre 1045 ist das jetzt nicht mehr vorhandene Petersstift zu Goslar, welches im Osten der Stadt auf dem sogenannten Kalkberge lag, von Kaiser Heinrich III. und seiner Gemahlin Agnes gestiftet worden. Die Ursache dieser Stiftung war folgende. Der Kaiserin waren aus ihrem Gemache viele Juwelengoldene Ketten und Armbänderauch anderes Silbergeschirr weggekommen, während doch nur der Haushofmeister außer ihr zu diesem Gemache einen Schlüssel hatteAuf ihn fiel daher der Verdacht der Entwendung dieser Kleinodien. Auf Verfügung der Kaiserin mußte erindem er nichts bekanntedafür mit dem Leben büßenAls er nun aber bereits längst nicht mehr war, sah einst die Kaiserin aus dem Fenster und bemerkte auf einer Lindeunweit des Scherperthores, dem Kaiserhause gegenüberein Rabennestaus welchem im Sonnenglanze ihr etwas entgegenstrahlteSie läßt den Baum ersteigen, um zu erfahrenwas es sei, und siehe man fand in dem Neste alle der Kaiserin abhanden gekommenen Juwelen und Kleinodienwelche der Rabe aus dem offenen Fenster des Gemachs gestohlen hatteDa gerieth Agnes wegen der Hinrichtung des unschuldigen Haushofmeisters in große GewissensunruheAuf Anrathen ihrer geistlichen Räthe stiftete sie deshalb das Petersstift oder ließ zunächst in dem Felsen, welcher noch jetzt die Clus (Clause) heißteine Kapelle aushauenin welcher täglich mehrere Meßpriester für ihre Seele Messe lesen mußtenAgnes begab sich später nach Italien und starb zu Rom 1077.
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-Zu Bleckede lebte ein Hauptmann Moritz von Zarenhusender wahrscheinlich daselbst Beamter war. Dieser wurde im Jahre 1569 vom Herzog Wilhelm dem Jüngern mit vier Höfen belehnt und ihm erlaubthier eine Wohnung mit Adelsfreiheit zu erbauen. +
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-Ob dieser Adlige nun wohl noch durch verschiedene andere Schenkungen von dem Herzoge von Braunschweig begnadigt wardso lebte er doch noch vom Sattel und Stegreifhielt mit dem Besitzer von Stubeckshorn zusammen und machte die Gegend unsicherDie Ausübung dieses bösen Gewerbes gereichte ihm aber zum Verderben. +
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-Einst hielt ein Tabuletkrämer aus Uelzen, der mit einem mit einer Plane bedeckten Karren umherzogbei ihm an und bot ihm seine Waaren feil. Zarenhusen handelte wenig, kaufte viel und bezahlte Alles baar. Dem Krämer fiel indeß das überaus freundliche und gefügige Wesen des Käufers aufer hatte einen geheimen Befehl an einen Knecht und darauf ein eiliges Hin- und Herlaufen auf dem Hofe wahrgenommen; auch war ihm nicht entgangendaß Zarenhusen auf die Bemerkung seiner Frau, daß die Waaren zu theuer wären, ihr zugeflüstert hatte: »Wi wilt et wol wedder kriegen.« Voller Besorgnisse kehrte er zu seinem Karren zurück und theilte seinem Knecht seine Verlegenheit mit. Dieser überzeugte seinen Herrn balddaß dem längst in übler Nachrede stehenden Ritter nicht zu trauen sei und Beide waren auf ihre Vertheidigung bedacht. Unter den geladenen Waaren befand sich ein PaßrohrPulver und Kugeln. Geschwind wollten sie dies Gewehr unterwegs in Stand setzen, fanden aber kein Kugelpflaster, ohne welches sie die Kugel nicht herunterbringen konnten. Der Knecht, ein gewandter Bursche, versuchte nun, von einem Stücke Speck eine ganz dünne Scheibe zu schneiden und solche als Kugelpflaster zu gebrauchen. Dies gelang, das Rohr war geladen. Der Herr fuhr, der Knecht mußte, auf dem Wagen liegend, den Weg beobachtenDieser sah, als sie vor der Raubkammer angekommen waren, in großer Entfernung Staub aufsteigen und benachrichtigte seinen HerrnBald darauf kam auch Zarenhusen mit einem bewaffneten Knecht angesprengt. Nach einer zuvor genommenen Abrede ließ der Knecht des Krämers den Ritter so nahe als möglich an den Wagen kommen und schoß ihn vom Pferde herunter. Der Knecht des Moritz von Zarenhusen, welcher seinen Herrn auf diesem Ritt begleitetesollwie jener sofort todt zur Erde fiel, nachdem er ausgerufen: »Zarenhusen! Zarenhusen! hebbe ick et nich lange sagt, dat et so kommen wolle«, eiligst davon gejagt seinEine abweichende Tradition versichert, Moritz von Zarenhusen sei mit einer Speckschwarte erschossen worden. An der Stelle aber, wo Zarenhusen fiel, wurde das oben erwähnte Kreuz errichtet, der Ort aber bekam von ihm den Namen: »das hohe Kreuz.«+
  
 //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 2, Glogau 1868/71//  //Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2]], Band 2, Glogau 1868/71// 
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