sagen:graessepreussenii1113
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| S. Seifart Bd. II. S. 54. I. S. 30. | S. Seifart Bd. II. S. 54. I. S. 30. | ||
| - | Wenn man an der Innerste aufwärts von Hildesheim nach Marienburg geht, findet man etwa auf der Hälfte des Weges eine Höhle, welche das Zwergsloch heißt. In diesem Loche hatten die Zwerge sonst ihre Schmiede, davon ist es auch heutigen Tages noch so schwarz, sie schmiedeten aber nichts als Gold und Silber darin, und wenn sie fleißig arbeiteten, so wuchs von der Hitze unten auf den Feldern das Korn über dem Zwergsloch so, daß es eine Pracht zu sehen war. Weil aber die Zwergenkinder immer in die Erbsen gingen und die grünen Schoten stahlen, hat der Magistrat von Hildesheim die Zwerge verjagt, man weiß aber nicht, ob sie ganz fortgezogen sind, oder sich nur tiefer in die Erde verkrochen haben. Das Zwergsloch geht nämlich ein Paar Meilen weit unter der Erde weg. Die alten Leute erzählen, es habe einen Ausgang an dem sogenannten Knebel. An einem Pfingstmorgen sind auch einmal mehrere Jungen bei diesem Knebel in die Erde gestiegen und nach langer Wanderung zum Zwergsloche wieder herausgekommen. Als sie aber aus dem dunkeln Loche in den hellen Sonnenschein traten, blickten sie sich ganz verwundert einander an, denn sie waren alte Männer mit langen, greisen Bärten geworden. Als sie nun vor die Stadt kamen, wollte sie der Thorwächter nicht einlassen, denn sie sahen ihm gar zu abgerissen aus, und als sie ihre Namen nannten und nach ihren Angehörigen fragten, sagte der Thorwächter: | + | Wenn man an der Innerste aufwärts von [[geo:Hildesheim]] nach Marienburg geht, findet man etwa auf der Hälfte des Weges eine Höhle, welche das Zwergsloch heißt. In diesem Loche hatten die wesen: |
| - | Einst kam ein Musikant, der zu einer Kindtaufe auf der Mordmühle gewesen war, spät in der Nacht mit seiner Geige am Zwergsloche vorüber. Da sah er im Mondschein an dem Brinke vor dem Zwergsloche etwas Lebendiges sitzen. Der Musikant dachte, es wäre ein Räuber und fürchtete sich sehr, er wollte aber nicht merken lassen, daß dies der Fall sei, und schrie so laut als er nur konnte: »Heda, guter Freund, woher so spät noch? wollt Ihr auch noch in die Stadt? Kommt mit, in Gesellschaft wandert es sich besser.« – »Gut, Du sollst Gesellschaft haben«, versetzte das lebendige Ding und als es der Musikant nun recht besah, da war es ein uralter Mann, nicht höher als eine Elle. Da sagte der Musikant, der da dachte, mit so einem kleinen Manne könne er leicht fertig werden: »Du Knirps, was treibst Du Dich hier noch so spät herum und machst die Leute zu fürchten, mache daß Du in Dein Loch kommst, sonst sollst Du sehen, was geschieht!« Da antwortete der Andere: »Elender Erdenwurm, was unterstehst Du Dich, jetzt sollst Du Dir das Loch selbst ansehen!« Kaum hatte der Zwerg das Wort gesprochen, so fühlte sich der Musikant auch von unsichtbaren Händen gepackt und aufgehoben, er mochte sich noch so sträuben, er mußte mit hinein in das Zwergsloch und so ging es viele Meilen mit ihm tief unter der Erde fort. Da fing er an klein zuzugeben und bat die Zwerge weh- und demüthig, sie sollten ihm doch seine Frechheit verzeihen, er sei ja doch nur ein armer Spielmann, der eine Frau und neun lebendige Kinder zu ernähren habe. Der alte Zwerg versetzte: »Es ist Dein Glück, daß Du Dein Unrecht einsiehst, darum soll Dir verziehen sein, Du sollst sogar noch Gewinn haben, wenn Du von dem, was Du siehst, reinen Mund halten wirst.« Natürlich versprach der arme Kerl Alles zu thun, was die Herrn Zwerge verlangten und so kamen sie denn an ein großes Thor, vor dem ihn seine unsichtbaren Träger absetzten. Dasselbe öffnete sich und er sah sich in einer großen Halle, deren Wände von Gold und der Fußboden von Silber war und in der der Glanz der Edelsteine, welche von der Decke herunterglänzten, | + | Einst kam ein Musikant, der zu einer Kindtaufe auf der Mordmühle gewesen war, spät in der Nacht mit seiner Geige am Zwergsloche vorüber. Da sah er im Mondschein an dem Brinke vor dem Zwergsloche etwas Lebendiges sitzen. Der Musikant dachte, es wäre ein Räuber und fürchtete sich sehr, er wollte aber nicht merken lassen, daß dies der Fall sei, und schrie so laut als er nur konnte: »Heda, guter Freund, woher so spät noch? wollt Ihr auch noch in die Stadt? Kommt mit, in Gesellschaft wandert es sich besser.« – »Gut, Du sollst Gesellschaft haben«, versetzte das lebendige Ding und als es der Musikant nun recht besah, da war es ein uralter Mann, nicht höher als eine [[lex:Elle]]. Da sagte der Musikant, der da dachte, mit so einem kleinen Manne könne er leicht fertig werden: »Du Knirps, was treibst Du Dich hier noch so spät herum und machst die Leute zu fürchten, mache daß Du in Dein Loch kommst, sonst sollst Du sehen, was geschieht!« Da antwortete der Andere: »Elender Erdenwurm, was unterstehst Du Dich, jetzt sollst Du Dir das Loch selbst ansehen!« Kaum hatte der Zwerg das Wort gesprochen, so fühlte sich der Musikant auch von unsichtbaren Händen gepackt und aufgehoben, er mochte sich noch so sträuben, er mußte mit hinein in das Zwergsloch und so ging es viele Meilen mit ihm tief unter der Erde fort. Da fing er an klein zuzugeben und bat die Zwerge weh- und demüthig, sie sollten ihm doch seine Frechheit verzeihen, er sei ja doch nur ein armer Spielmann, der eine Frau und neun lebendige Kinder zu ernähren habe. Der alte Zwerg versetzte: »Es ist Dein Glück, daß Du Dein Unrecht einsiehst, darum soll Dir verziehen sein, Du sollst sogar noch Gewinn haben, wenn Du von dem, was Du siehst, reinen Mund halten wirst.« Natürlich versprach der arme Kerl Alles zu thun, was die Herrn Zwerge verlangten und so kamen sie denn an ein großes Thor, vor dem ihn seine unsichtbaren Träger absetzten. Dasselbe öffnete sich und er sah sich in einer großen Halle, deren Wände von Gold und der Fußboden von Silber war und in der der Glanz der Edelsteine, welche von der Decke herunterglänzten, |
| Man sagt übrigens, daß man noch heute zur Mittagsstunde einen Schäfer seine Heerde vom Zwergsloche nach der sogenannten Kerbe und von da wieder nach dem sogenannten Zwergsloche treiben sieht. Wenn es Eins schlägt, sind Schäfer und Schafe verschwunden. Das soll der Zwergkönig mit seinen Unterthanen sein, die er täglich einmal an die Sonne führt. Jetzt soll aber in dieser Kerbe der vom Kehrewieder weggebannte Hüne Schaper, auch Schaperjohann genannt, sitzen. | Man sagt übrigens, daß man noch heute zur Mittagsstunde einen Schäfer seine Heerde vom Zwergsloche nach der sogenannten Kerbe und von da wieder nach dem sogenannten Zwergsloche treiben sieht. Wenn es Eins schlägt, sind Schäfer und Schafe verschwunden. Das soll der Zwergkönig mit seinen Unterthanen sein, die er täglich einmal an die Sonne führt. Jetzt soll aber in dieser Kerbe der vom Kehrewieder weggebannte Hüne Schaper, auch Schaperjohann genannt, sitzen. | ||
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