sagen:graessepreussenii107
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| + | ====== Der Mäusethurm bei Bingen ====== | ||
| + | S. Dielhelm a.a.O. S. 662 etc. | ||
| + | Geib, die Sagen des Rheinlandes. Mannheim 1844. 8°. S. 476 etc. | ||
| + | Gottschalk, Deutschlands Ritterburgen Bd. VI. S. 21 etc. | ||
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| + | Am Eingange des schauerlichen Bergthals, in welches bei Bingen der Rhein strömt, erhebt sich auf dem rechten Ufer zwischen den Gesträuchen und Weinbergen der Rüdesheimer Höhen die stolze Ruine des Schlosses Ehrenfels und inmitten der Fluth ragt auf einer Felseninsel der düstere Thurm hervor, der in der Volkssage unter dem Namen des Mäusethurms so berüchtigt ist. Er steht vor dem sogenannten Binger Loch, wo der Strom staffelförmig über Klippen rauscht, einer Bahn, die man ehemals für sehr gefährlich hielt – man glaubte nämlich, der Strudel schlinge die über ihn wegfahrenden Schiffe hinunter und die Trümmer von dem, was das Binger Loch geraubt, kämen an der Felsenbank von St. Goar erst wieder zum Vorschein – wo aber jetzt die Durchfahrt höchstens noch bei Sturm gefährlich ist. Wenn der Rhein klein ist, so merkt man an dem Felsen um den Thurm gar eigentlich, daß entweder Mauern oder ein anderes Gebäude dabei gestanden hat, wozu aber der Grund einst mit unbeschreiblicher Mühe gelegt worden sein muß. In den größern Steinen erblickt man verschiedene Zeichen von kleinen Kreuzchen oder Radspeichen, | ||
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| + | Pontem construxit apud Aschaffburg, | ||
| + | Ac pontem per Naha: miles transit quoque verna.\\ | ||
| + | Et bene Necesse prope Bing Mausen((Nach einer andern und bessern Abschrift liest man Bingunensem.)) dedit esse\\ | ||
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| + | beweisen will. Eine andere weit verbreitete Sage lautet aber so((Dieselbe Sage findet sich auch in Polen von dem König Popiel (s. Kaufmann, Quellen S. 100.) )): | ||
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| + | Zur Zeit des deutschen Königs Arnulf war ein kluger aber sehr herrschsüchtiger Mann, Namens Hatto, Erzbischof zu Mainz. Dieser verleibte die nach des h. Rupert' | ||
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| + | Zwar war nun der Bösewicht des Aufstandes los, allein der Strafe Gottes konnte er nicht entgehen. Als er des Abends nach dem Schmause in sein prächtiges Schlafgemach ging, hörte er plötzlich ein Gepolter und ein grausiges Pfeifen. Kalter Schauer fuhr ihm durch die Glieder; mit einem Mal sprangen Mäuse aus allen Wänden und fielen über ihn her. Heulend rief er seine Diener zu Hülfe, allein sie konnten sich ihrer nicht wehren, bekreuzten sich und flohen. Endlich warf er sich auf's Pferd, eilte mit einem Trupp seiner Knechte den Strom hinab und suchte Schutz in der Burg Ehrenfels. Aber seine Quäler kamen auch hier her, wimmelten bald im ganzen Schlosse herum und plagten und bissen ihn. Da wachte sein Gewissen auf, da fühlte er seine Sünden und erhob ein Gebet zum Himmel. Aber die gerechte Rache, die ihn treffen sollte, war noch nicht vollendet. Er floh jetzt auf einem Kahne zu dem Mauth- oder Zollthurm, der auf der kleinen Rheininsel steht, und ließ sein Bett an Ketten darin aufhängen. Aber die Mäuse schwammen durch die Fluth ihm nach, schlüpften durch alle Gitter und Löcher und hackten ihre Zähne so lange in seinen Leib, bis er den Geist aufgab, ja selbst sein Name in den Tapeten des Gemaches ward von den wüthenden Thieren zernagt. Kaum war dies geschehen, so verschwand das ganze Heer der Mäuse sowohl aus den Schlössern als aus dem Lande. Der Ort aber, wo Hatto seinen Lohn gefunden, hieß seit dieser Zeit zur Erinnerung der Mäusethurm. Noch heute soll bei Nacht, wenn der Sturm braust und die Wogen grollen, sein Gespenst gleich einer grauen Wolke das finstere Gemäuer umschweben. | ||
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sagen/graessepreussenii107.1737485406.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
