sagen:graessepreussenii102
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| Paullinus, zeitkürzende Lust Th. III. S. 249 etc. | Paullinus, zeitkürzende Lust Th. III. S. 249 etc. | ||
| - | Im Dom zu Trier im Chore daselbst und zwar in einem gewissen Altar, der mit der Kirche gleichen Namen führt, soll seit dem Jahre 1196 der Rock des Herrn Christi verwahrt worden sein; damit er aber nicht möge gestohlen werden, hält man den Ort, wo er nunmehr liegt, ganz geheim. Dieser, d.h. der ungenähete Rock Christi, ist ein langer Mannsrock mit kurzen weiten Aermeln, von denen aber der linke einen Riß hat, reicht etwa bis an die Kniee, wird über der Halsöffnung angezogen, jedoch kein Unter- oder Oberkleid, sondern ein Mittel- oder Alltagskleid. Die Gestalt davon ist nach Gelegenheit und Art des Landes, nicht weniger auch nach der Statur des Herrn Christi bequem und ansehnlich, allein weder wollen noch seiden, sondern, so viel man abnehmen kann, aus sehr zartem leichten Zeuge, dergleichen Jacobus, des Herrn Bruder, auch getragen haben soll. Die Farbe davon ist mancherlei und fast nicht zu zählen, als roth, aschenfarbig und dergleichen. Wenn er an's Licht gehalten wird, scheint er wie unbereiteter Zinnober, ändert sich aber sogleich, sobald er in die Luft kommt. | + | Im Dom zu [[geo:Trier]] im Chore daselbst und zwar in einem gewissen Altar, der mit der Kirche gleichen Namen führt, soll seit dem Jahre 1196 der Rock des Herrn Christi verwahrt worden sein; damit er aber nicht möge gestohlen werden, hält man den Ort, wo er nunmehr liegt, ganz geheim. Dieser, d.h. der ungenähete Rock Christi, ist ein langer Mannsrock mit kurzen weiten Aermeln, von denen aber der linke einen Riß hat, reicht etwa bis an die Kniee, wird über der Halsöffnung angezogen, jedoch kein Unter- oder Oberkleid, sondern ein Mittel- oder Alltagskleid. Die Gestalt davon ist nach Gelegenheit und Art des Landes, nicht weniger auch nach der Statur des Herrn Christi bequem und ansehnlich, allein weder wollen noch seiden, sondern, so viel man abnehmen kann, aus sehr zartem leichten Zeuge, dergleichen Jacobus, des Herrn Bruder, auch getragen haben soll. Die Farbe davon ist mancherlei und fast nicht zu zählen, als roth, aschenfarbig und dergleichen. Wenn er an's Licht gehalten wird, scheint er wie unbereiteter Zinnober, ändert sich aber sogleich, sobald er in die Luft kommt. |
| Inzwischen ist er aus einem sehr subtilen Faden recht künstlich von oben bis unten gewirkt, weswegen ihn auch die Kriegsknechte bei Christi Kreuzigung nicht zertheilen wollten, sondern darum loosten, wer ihn ganz haben sollte. Am Saum sieht er aus, als wenn er geblumt wäre und als ob allerhand bunte Buchstaben um denselben herumständen. Ueberhaupt kann die Kunst, womit derselbe gearbeitet ist, von keines Menschen Verstand begriffen werden. Man steht daher in der Meinung, daß die Mutter Gottes ihn selbst gemacht haben müsse. (Ein altdeutsches Gedicht erzählt, er sei von der h. Jungfrau aus der Wolle eines Lamms gesponnen und von der h. Helena auf dem Berge Oliveti gewebt worden.) Zu der Zeit, als das Christenthum in Trier ganz wieder in Verfall gerathen war, berief die Kaiserin Helena den frommen Agnitius von Antiochia, um der gefallenen Kirche wieder aufzuhelfen, | Inzwischen ist er aus einem sehr subtilen Faden recht künstlich von oben bis unten gewirkt, weswegen ihn auch die Kriegsknechte bei Christi Kreuzigung nicht zertheilen wollten, sondern darum loosten, wer ihn ganz haben sollte. Am Saum sieht er aus, als wenn er geblumt wäre und als ob allerhand bunte Buchstaben um denselben herumständen. Ueberhaupt kann die Kunst, womit derselbe gearbeitet ist, von keines Menschen Verstand begriffen werden. Man steht daher in der Meinung, daß die Mutter Gottes ihn selbst gemacht haben müsse. (Ein altdeutsches Gedicht erzählt, er sei von der h. Jungfrau aus der Wolle eines Lamms gesponnen und von der h. Helena auf dem Berge Oliveti gewebt worden.) Zu der Zeit, als das Christenthum in Trier ganz wieder in Verfall gerathen war, berief die Kaiserin Helena den frommen Agnitius von Antiochia, um der gefallenen Kirche wieder aufzuhelfen, | ||
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