sagen:graessepreussenii094
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| + | ====== Die drei Jungfrauen auf dem Esel zu Auw ====== | ||
| + | Nach J. Schneider, das Kyllthal. Trier, 1853. S. 107 etc. | ||
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| + | Im Kyllthale liegt zwischen hohen Felswänden das Dörfchen Auw. In der dasigen Pfarrkirche hängt ein altes Bildniß, auf welchem drei auf einem Esel sitzende Jungfrauen dargestellt sind, von denen die mittlere die Augen verbunden hat. Zu diesen drei Jungfrauen wird häufig, namentlich am Tage Mariä Himmelfahrt gewallfahret. Man erzählt von ihnen folgende Sage. | ||
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| + | Vor grauen Zeiten, als König Dagobert I. auf dem fränkischen Throne saß und in zügelloser Leidenschaft seine Völker tyrannisirte, | ||
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| + | Eine nahe gelegene Felswand wird noch heute von dem Volke das Eselchen genannt. Die Stelle aber, wo die drei Jungfrauen den kühnen Sprung wagten, ist mit einem Kreuze bezeichnet, eben so wie der Ort, wo sie am jenseitigen Ufer anlangten; auf jenem liest man die Worte: | ||
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| + | Hie sein zu sehen Wundermahl, | ||
| + | So hinderlies dazumahl,\\ | ||
| + | Da der heiligen Jungfrauen drei\\ | ||
| + | Wurden verfolget hie vorbey.\\ | ||
| + | Der Esel darauf sie sasen,\\ | ||
| + | Wollt sie doch nicht verlasen,\\ | ||
| + | Und ihr Leben zu gewinnen\\ | ||
| + | Gleich über die Kyl thut springen,\\ | ||
| + | Selbe auf den Ufer setzet\\ | ||
| + | Ganz unverletzet.\\ | ||
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| + | Die geretteten Jungfrauen begruben die Leichname der erschlagenen Kriegsleute Norbert' | ||
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| + | In neuerer Zeit hat man jedoch die Wahrheit dieser Legende bezweifelt und angenommen, daß die Verehrung dieser drei Jungfrauen eigentlich heidnischen Ursprungs ist, daß sie namentlich nichts Anderes als die bei den Landbewohnern der Ardennen in großer Verehrung gestandenen drei Mütter sind, von denen sich noch Spuren im deutschen Volksaberglauben des Mittelalters vorfinden. In mehreren Kirchen des Luxemburger Landes finden sich ebenfalls drei solcher Jungfrauen, von denen es kaum zu bezweifeln ist, daß sie derselben altheidnischen Mütterverehrung angehören.((S. Lersch in den Jahrb. d. Vereins v.A.F. im Rheinl. H. II, S. 124 etc.)) | ||
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