sagen:graessepreussenii079
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| + | ====== Der Hinzenthurm ====== | ||
| + | Nach A. Reumont, Rheinlands Sagen S. 91 etc. | ||
| + | cf. Müller, Aachens Sagen S. 111 etc. | ||
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| + | Im alten Limburger Lande, dort, wo die Emmaburg sich auf steilen und schroffen Steinmassen erhebt, gab es in den Felsen viele, jetzt meist verschüttete unterirdische Gänge, in denen ein Koboldgeschlecht, | ||
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| + | Der unausgesetzten Beunruhigung müde sannen indessen die Bewohner der Gegend allesammt, wie sie sich von dem Spuke der kleinen Koboldleutchen sichern und davon befreien könnten. Beschwörungen, | ||
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| + | Kaum hatten aber die erlösten Landleute dem hochweisen Magistrat der freien Reichsstadt Aachen Anzeige von dem Verschwinden der Hinzen aus der Umgebung der Emmaburg gemacht, so ging in Aachen selbst der Teufelsspektakel los. An dem äußersten Stadtwalle zwischen dem Sandkaul- und Cöllnerthore stand ehemals ein hoher Mauerthurm, dessen unterirdische Gänge weit hinaus ins Land führten. Niemand hatte bisher seine unerforschten Tiefen zu betreten gewagt, denn schaurige Sagen gingen von ihnen umher. Dort schlugen nunmehr die Kobolde ihren Wohnsitz auf und trieben es da eben so bunt, wie vorher in ihrem Felspalast. Vorzüglich wurden aber die Bewohner der Cöllnerstraße von ihnen geplagt. Zu gewissen Zeiten des Jahres, welche durch mancherlei Vorzeichen wie z.B. ein leises Pochen an der Hausthüre, ein Picken und Knistern auf dem Heerde, oder ein Gerassel unter dem Küchengeschirr angekündigt wurden, hielten die Heinzen großes Fest und die Einwohner waren alsdann genöthigt einen Theil ihres Haushalts, irgend ein kupfernes blankgescheuertes Geschirr dazu herzugeben, wenn sie sich den nächtlichen Frieden erkaufen wollten. Denn in dem Hause, vor dessen Pforte um die zehnte Stunde ein solches Geschirr nicht stand, oder in welchem gar einer der Insassen sich eine Aeußerung des Unglaubens erlaubte, da konnte man darauf rechnen, daß auch kein Mensch mehr ein Auge zuthun konnte. Gepolter, Trepp auf Trepp ab, Gezisch und Geheul in Rauchfang und Gängen, kurz ein wahrer Höllenlärm verscheuchte den Schlummer aus seinen Wänden. Dem Spötter aber ergings noch jämmerlicher, | ||
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| + | Solche schreckensvolle Beispiele mußten die Bürger vor ähnlichem Frevel warnen und darum blieb der Hinzlein Mahnung nie ohne Erfolg und vor jeder Hausthüre stand allabendlich richtig ein kupfern oder irden Geschirr zu ihrem Gebrauche bereit. Kam nun die Mitternacht heran, dann zog ein lärmendes Getümmel durch das, noch bis auf den heutigen Tag nach ihnen benannte Gäßchen bis gegen den Wildenmann in der Königsstraße heran, hier aber theilte es sich rechts und links, und nachdem es trapp, trapp, trapp durch das Stadtviertel die Runde gehalten, packte jedes Hinzlein seinen Kessel auf und eilte dem Thurme zu. Da wurde gejubelt bis zum Sonnenaufgange, | ||
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| + | So trieben es die lustigen Kobolde viele Jahre hindurch und waren bereits in den Gassen vollständig heimisch geworden, da verscheuchte die Einweihung des Regulirherren-Klosters sie aus ihrem Aufenthalte. Seit dieser Zeit hat man nichts mehr von ihnen gehört noch gesehen, aber obwohl der alte Thurm, wo sie gehaust, längst in Schutt liegt, so ruft doch der Name Hinzengäßchen den Bewohnern Aachens ihr Dasein hier stets ins Gedächtniß zurück. | ||
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sagen/graessepreussenii079.1737477272.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
