sagen:graessepreussenii073
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| + | ====== Die buckligen Musikanten ====== | ||
| + | Nach A. Reumont, Rheinlands-Sagen. Cölln u. Aachen o.J., in 8. S. 78 | ||
| + | und Jos. Müller a.a.O. S. 122 etc.) | ||
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| + | Am Tage St. Matthäi im Jahre 1549 kam ein armer buckliger Spielmann spät in der Nacht nach Aachen von einem Dorfe zurück, wo er bei einer Hochzeit aufgegeigt hatte. Halb im Taumel, denn er hatte sich den Hochzeitstrunk wohl schmecken lassen, achtete er nicht auf die Zeit und gerade stand er vor dem Münster, als die Thurmglocke desselben Mitternacht schlug. Da wurde ihm Angst und bange, denn er glaubte Eulengeschrei und Gezwitscher von Fledermäusen um sich zu hören, er eilte also seiner Wohnung zu, die auf der Jacobstraße gelegen war. Als er aber den sogenannten Pervisch (vom lat. parvisium) oder Fischmarkt betrat, da schimmerten alle Fischbänke mit schneeweißen Tischtüchern belegt und von unzähligen Lichtern erhellt ihm glänzend entgegen, köstliche Speisen waren in goldenen und silbernen Schüsseln aufgetragen und perlender Wein blinkte in großen Krystallkrügen. Um die Tische herum aber saß eine große Menge reichgekleideter Damen und ließ es sich herrlich schmecken. Erschrocken hockte sich der Spielmann in eine Ecke, denn es fiel ihm ein, daß heute ja die Quatembernacht sei und da die Hexen ihren Spuk treiben. Doch es war zu spät, eine der dort sitzenden Damen hatte ihn bereits bemerkt, sie stand auf und nöthigte ihn an ihren Tisch; als derselbe aber mit klappernden Zähnen und schlotternden Knieen vor ihr stand, da redete sie ihm zu, Muth zu fassen, es solle sein Schade nicht sein, wenn er ihnen ein lustiges Stücklein vorspielen wolle, sie reichte ihm auch einen Becher Weins, und als er denselben geleert, da nahm er die Geige zur Hand und fing lustig zu fiedeln an. Da wurden eilig die Bänke mit Allem, was darauf war, bei Seite geschafft, die Damen, unter denen er manche vornehme Frau aus der Stadt zu erkennen glaubte, erhoben sich allzumal bei dem Tone der Geige und bald wirbelten die Paare durcheinander. Nun aber ging es immer schneller und schneller und der Spielmann geigte, wie von unsichtbarer Hand getrieben, immer toller darauf los, so daß er mehrmals vermeinte, die Saiten müßten in tausend Stücke zerspringen und ihm Hören und Sehen vergehen. Indeß sausten die Paare noch immer durcheinander im Reigen, während sein Arm kräftig den Bogen führte, und sein Spiel so stark wurde, daß es ihm vorkam, als wenn ein ganzes Concert von Geigen und gellenden Flöten hinter ihm aufgestellt sei, welche alle in seine Töne einstimmten. Da summte plötzlich die Thurmuhr drei Viertel auf Eins und plötzlich hielten die Paare in sichtbarer Erschöpfung inne, Alles wurde wieder mit einem Male ruhig und in seine vorige Ordnung gerückt. Unentschlossen stand aber der Spielmann da, nicht wissend, ob er bleiben solle oder gehen dürfe. Da trat die frühere Dame wieder zu ihm heran und sprach: »Bravo, Spielmann, Du hast uns wacker vergnügt, darum soll Dir auch der gebührende Lohn werden.« Und damit hatte sie ihm bereits das Wamms ausgezogen und ehe er noch recht zur Besinnung kommen konnte, war sie schon hinter ihn getreten und hatte ihm mit einem Griffe seinen Höcker abgenommen. Wer war froher als der arme Geiger, dankdurchdrungen wollte er vor seiner Wohlthäterin niederfallen – da aber schlug es Eins und mit diesem Glockenschlage waren Damen, Lichter und Mahl verschwunden, | ||
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| + | Des armen Spielmanns Glück wurde nun aber bald in der Nachbarschaft bekannt und erregte ihm viele Neider, namentlich ärgerte sich ein Camerad von ihm, ein häßlicher, | ||
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sagen/graessepreussenii073.1737477166.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
